Zum Erfolg von Simone Schlintl
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich innere Befriedigung für meine Leistung. Privater Erfolg ist für mich dann gegeben, wenn ich in meiner Familie, die gesund und zufrieden ist, die nötige Kraft finde.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Meine Eltern haben uns Kindern - wir arbeiten alle drei im selben Bereich - mit Liebe die Freude an diesem Beruf nähergebracht. Ein gutes Team, das hinter einem steht, erleichtert den Berufsalltag.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Die ersten Jahre waren schwer, aber man lernt alles. Ich habe zum Beispiel gelernt, mich abzugrenzen, was mir viel Kraft spart. Ferner überlege ich in Ruhe, wie mit einer Situation umzugehen ist.Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein? Ich habe den Beruf von Grund auf erlernt und dafür hart gekämpft - auch gegen Männer. Als Frau mußte ich gerade in diesem Metier Durchsetzungskraft beweisen, wurde zu Beginn allgemein beäugt und geprüft. In der Zwischenzeit genieße ich aber die Wertschätzung der Branchenkollegen und werde auch öfter um Rat gefragt. Allgemein sind der Umgang und die Kommunikation am Bau nicht unbedingt frauenfreundlich - es herrscht ein rauhes Klima, und Selbstschutz ist angebracht. Ich glaube, eine Frau ist mit mehr Herz und Gefühl bei der Sache. Die Kraft zu meinem Job gibt mir mein Mann, der nicht im Betrieb tätig ist.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Ich fühle mich beispielsweise erfolgreich, wenn es mir gelingt, einen Auftrag zu ergattern, an den man nicht so leicht herankommt. Nach erfolgreicher Ausführung erfolgt die Bestätigung, daß sich mein Einsatz gelohnt hat.Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein? Für mich zählt Originalität im Sinne von Authentizität. Althergebrachtes hat dabei aber die Chance einzufließen.Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Wie bereits erwähnt, prägten mich meine Eltern. Immer wieder gab es aber auch andere Menschen, die mir auf meinem beruflichen Weg als Vorbilder dienten und von denen ich etwas abschauen konnte.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Voriges Jahr war ich lange Zeit krank. In dieser Phase haben nicht zuletzt meine Auftraggeber zu mir gehalten und den Betrieb am Leben erhalten. Es freut mich sehr, daß die Firma trotzdem so gut weiter gelaufen ist. Die Stammkundschaft, die ich mir aufgebaut habe, ist ein Kreis von Architekten. Ich konnte aber auch Stammkunden von meinem Vater übernehmen, was ich nach der langen Zeit ihrer Treue als Anerkennung betrachte.Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst? Unser Problem ist definitiv der Preiskampf. Das Bau- und Baunebengewerbe ist ein hartes Los.
Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen?
Ich denke, der erste Eindruck, den ich mache, vermittelt Respekt. Ich kann mit Menschen gut umgehen, mich aber trotzdem behaupten.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Eine sehr große - ohne Mitarbeiter kann der Betrieb nicht existieren - und umgekehrt. Es beruht auf Gegenseitigkeit - meine Leute können von mir alles haben, nur enttäuschen dürfen sie mich nicht.Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Ich entscheide nicht alleine, ein vertrauter Mitarbeiter steht mir zur Seite. Wir achten auf fachliche Kompetenz, Teamfähigkeit, das Auftreten und auch das Aussehen, da ein Mitarbeiter die Firma nach außen repräsentiert.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Ich frühstücke täglich mit meinen Leuten und schätze in dieser knappen Zeit das Gespräch. Dies passiert bereits während der Dienstzeit. Dabei wird gelacht, aber ich erfahre auch vieles über die Menschen und ihre Probleme auf der Baustelle. Den Menschen generell als Ganzes zu sehen ist mir wichtig. Gegenseitiges Vertrauen und Wertschätzung sind bei uns gegeben. Ich kann meinen Mitarbeitern die Theorie vermitteln, sie vermitteln mir die Praxis. Bei wichtigen Projektbesprechungen nehme ich meine Leute mit, um ihnen Verantwortung zu übertragen. Ich habe auch Verständnis für die privaten und familiären Angelegenheiten meiner Mitarbeiter, weil ich selbst drei Kinder habe. Daher ist die Dienstzeit so geregelt, daß jeder zweite Freitag frei ist. Ich meine aber, daß mein Führungsstil ein spezifisch weiblicher ist.Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Ich bin stur, zielstrebig und verfolge meine eigene Linie. Die Genauigkeit unserer Arbeit wird geschätzt.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Rein vom emotionellen Standpunkt aus ist es nicht einfach. Auf der einen Seite muß man seine harte Seite im Geschäft zum Ausdruck bringen, auf der anderen ist man liebevolle Ehefrau und Mutter. Ich habe gelernt, beides zu trennen.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Ich bin kein Mensch, der Ratschläge gibt - auch nicht meinen eigenen Kindern. Man muß flexibel sein und sich auf die wirtschaftliche Lage einstellen. Grundvoraussetzung ist eine fundierte Ausbildung. Meine Kinder sind völlig frei in ihren Entscheidungen, niemand muß den Betrieb übernehmen, ich führe ihn allein für mich, weil der Beruf mir Freude bereitet.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ein fernes Ziel ist, den Betrieb auf zwei Mitarbeiter zu verkleinern, um spezifischer arbeiten zu können, unter dem Motto Klein, aber fein!