Zum Erfolg von Gunter Kolb
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich persönlich, sich mit den Dingen, die man tut, zu identifizieren und Freude daran zu haben. Natürlich muß man seine Tätigkeit auch beherrschen. Für mich war es auch immer wichtig, mich mit dem Betrieb zu identifizieren, mein Bestes zu geben, da ich schließlich von meiner Tätigkeit auch lebe.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, im Sinne meiner Definition sehe ich mich als erfolgreich. Ich möchte hier zum Beispiel erwähnen, daß es durch behördliche Regelungen nicht möglich war, Betriebsleiter für unser Teilstück der Ölleitung zu werden, da die Vorarlberger Landesregierung einen Diplomingenieur verlangte. 1975 kam das sogenannte Pipelinegesetz heraus, das besagte, daß als Betriebsleiter Personen mit entweder fünfjähriger Fachschule mit Maturaabschluß und sechs Jahren Praxis in einem einschlägigen Unternehmen vorgesehen sind, oder Personen mit Hochschulabschluß und drei Jahren Praxis. Ich hatte die notwendige Praxis, aber nicht den Schulabschluß, woraufhin ich in einer Abendschule die HTL-Matura binnen sehr kurzer Zeit nachholte. Daraufhin bekam ich den Posten des Betriebsleiters.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Fleißig zu sein und die Dinge ordentlich zu erledigen. Es war bestimmt auch wesentlich, zu wissen, worum es geht, und die Dinge auch zu verstehen. Es war schwierig, zuvor Erfahrungen zu sammeln, da unser Betrieb in ganz Vorarlberg einzigartig ist.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Wir sind kein Produktions-, sondern ein Wartungsbetrieb. Entscheidungen sind immer dahingehend zu treffen, daß alles reibungslos funktioniert und es auch nie zu einem Unfall kommen würde. Beim einzigen Unfall, der durch ein Fremdunternehmen verschuldet wurde, hatten wir die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Das ist auch ein Geheimnis des Erfolges, nämlich daß man sich zu helfen weiß und die richtigen Maßnahmen trifft.Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein? Ich würde Originalität eher mit Designerjobs in Verbindung bringen. Bei uns ging es darum, das Ganze zu überblicken. Meine Funktion ist in diesem Sinne kein Kreativjob.Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Man braucht Mentoren, das ist klar. Man muß sich auch mit seinen Vorgesetzten gut verstehen, und es muß klar sein, daß man der richtige Mann für seine Position ist. Ansonsten kann ich nicht sagen, daß jemand meinen Lebensweg besonders geprägt hat.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Für mich liegt die Anerkennung in meiner beruflichen Laufbahn und in der Bezahlung. Ich erhalte auch Bestätigung von Kollegen, und zwar insofern, als sie sich bewußt sind, daß ich jemand bin, der seine Sache versteht.Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst? Das allgemeine Verständnis, daß Pipelines notwendig sind und auch das sicherste und daher beste Transportmittel für alle pumpfähigen Produkte darstellen. Die behördlichen Vorschreibungen sind sehr umfangreich und streng. Wenn eine Leitung jedoch ordentlich gebaut wurde und richtig gewartet wird, wenn also die Betriebsparameter eingehalten werden, gibt es in der Regel keine Probleme. Jedes technische Werk kann Defekte haben, doch in den 35 Jahren, in denen wir Öl pumpten, hatten wir keinen einzigen selbstverschuldeten Unfall.
Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen?
Ich möchte nicht eingebildet klingen, aber sicher als kompetent. Ich hatte immer ein sehr gutes Verhältnis mit allen Behörden, auch mit Hilfsorganisationen wie zum Beispiel der Feuerwehr oder dem Roten Kreuz. Man mußte ja für den Fall eines Unfalls vorbereitet sein, und wir hatten jedes Jahr ein bis zwei größere Übungen mit diesen Organisationen.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Mitarbeiter sind sicherlich mit ausschlaggebend. Gutes Einverständnis unter den Mitarbeitern ist enorm wichtig, es müssen alle am selben Strang ziehen. In einem reinen Wartungsbetrieb, besonders aber auch in einem Schichtbetrieb ist es wichtig, daß man den Leuten, die ja oft auch allein arbeiten müssen, vertrauen kann.Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Es war mir wichtig, daß die fachliche Komponente stimmt. Ich mag Leute, die sich etwas sagen lassen und nicht immer glauben, sie wissen alles besser.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Man muß sich mit den Leuten verstehen, sie animieren und ihnen vor allem auch Vorbild sein. Sie sollen einen Punkt haben können, an dem sie sich orientieren können. Mitarbeiter zu motivieren, ist in einem Produktionsbetrieb, wo jeder die gebrachte Leistung abliefern muß, leichter. Wenn jemand aber im Kontrollraum sitzt und nur Instrumente überwachen muß, ist Motivieren auf Dauer sicherlich wesentlich schwieriger. Ich motiviere unter anderem meine Mitarbeiter, indem sie mich jederzeit erreichen und mit allen für sie wichtigen Fragen konfrontieren können.Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Wir müssen jederzeit mit unangekündigten behördlichen Kontrollen rechnen. Alles hat immer zu funktionieren, es ist nicht nur wichtig, daß der Betrieb läuft, auch die ganzen Aufsichtsstellen müssen zufriedengestellt werden. Sicherheitsvorschriften müssen eingehalten und die anfallenden Wartungsarbeiten ordnungsgemäß durchgeführt werden. Daß dies alle zufriedenstellt, ist als die Stärke des Unternehmens anzusehen. Eine Stärke des Unternehmens ist auch, daß der Konzern nicht nur für die betriebswichtigen sondern auch für die sicherheitstechnischen Fragen und allgemein Notwendiges Verständnis hat und die Anlagen sehr solide und in allerbester Qualität gebaut wurden.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Meine Familie hat viel Verständnis für meine Tätigkeit, andernfalls wäre es nicht so leicht möglich gewesen, in meinem Beruf erfolgreich zu sein.