Zum Erfolg von Paul Löwinger
Was ist für Sie Erfolg? Das Wichtigste ist der Erfolg vor sich selbst, sich mit seiner Arbeit vor sich selbst und anderen zu bestätigen. Das ist ein unverzichtbarer Teil des Selbstwertgefühls.
Sehen Sie sich selbst als erfolgreich?
Erfolg habe ich zum Teil erreicht - manchmal voll, manchmal gar nicht. Fallweise sind es nur Tageserfolge, die sich dann letztlich zu einem Gesamterfolg summieren.
Wobei haben Sie erfolgreich entschieden?
Dann, wenn das Ziel über die eigene Person hinausgegangen ist - für die Familie, die Schauspieler und eine Idee - dann war es erfolgreich.
Wie sieht Sie Ihr Umfeld - als erfolgreich?
Ich denke schwankend, selber kann ich das nicht beurteilen.Was ist für Ihren Erfolg ausschlaggebend? Zähigkeit und Talent - ohne Talent als Grundvoraussetzung, geht es nicht. Talent allein ist aber auch nicht ausschlaggebend. Dazu gehört auch das Glück zur rechten Zeit am rechten Platz zu sein, Verbindungen, Kontakte und die realistische Einschätzung der Möglichkeiten. Als Theaterdirektor kommt zwar der Kaufmann nicht an erster Stelle, aber er hat das erste Wort. Das Ausbalancieren zwischen dem Kaufmännischen und dem Künstlerischen, ist ein Balanceakt, der Vernunft erfordert. Mein Wunsch Freude zu bereiten ist die Triebfeder zu meinem Erfolg, zu wissen, Sinnvolles zu vollbringen. Für mich war z.B. die schönste Aufführung in einem kleinen Südtiroler Bergdorf, wo wir die intensive Reaktion des Publikums spürten.
Was macht Ihren spezifischen Erfolg aus?
Ich hatte das Glück Kontakte zu knüpfen und in einer künstlerisch tätigen Familie aufgewachsen zu sein. Das Umfeld spielt sicher eine wesentliche Rolle.Haben Sie diese Tätigkeit angestrebt? Nein, ich wollte Journalist werden und hatte 1971 das Angebot als Volonteur zum Springer Verlag nach Hamburg zu gehen. Aus familiären Gründen kam ich aber an die Löwingerbühne, wo mich das Theater schnell vereinnahmte.
Welche Rolle spielen Familie und Mitarbeiter?
In einem Familienbetrieb muß das Familiäre stimmen - für mich der wichtigste Faktor.
Nach welchen Kriterien stellen Sie Mitarbeiter ein und wie motivieren Sie diese?
Schauspieler suche ich in erster Linie nach ihrem Talent und danach, ob sie zur Rolle passen, aber auch nach ihrer sozialen Verträglichkeit aus. Ich motiviere mit Lob und wir versuchen das bestmöglichste Ergebnis mit geringster Reibung zu erzielen. Theater muß Zusammenarbeit und kein Gegeneinander sein.
Kennen Sie Niederlagen?
Ja, wenn ich versucht habe, etwas besonders gut zu machen, das aber nicht anerkannt bzw. akzeptiert wurde. Zum Teil sind das berechtigte, manchmal aber auch unberechtigte Niederlagen, wobei mich die unberechtigten mehr schmerzen. Niederlagen empfinde ich sehr subjektiv.Woher schöpfen Sie Ihre Kraft? Aus dem Wunsch ständig besser zu werden. Ich bin nicht leicht mit mir zufrieden, wenn ich aber den Eindruck habe, etwas Gutes gemacht zu haben, stehe ich auch 100%ig dahinter.
Ihre Ziele?
Die Qualität meiner Arbeit bestmöglich nach meinen Maßstäben zu optimieren. Ich bin nicht leicht bereit Kompromisse - nach den landläufigen Begriffen des Erfolges - einzugehen.
Haben Sie Anerkennung erfahren?
Ja ständig, Leute sprechen mich auf der Straße an, bedanken sich und freuen sich über unsere Aufführungen. Ich freue mich über Anerkennung, brauche sie aber nicht um jeden Preis und jage ihr nicht nach. Bestätigung für etwas zu bekommen, von dem man selbst überzeugt ist, ist mir eine besondere Freude.
Haben Sie Vorbilder?
Geprägt bin ich eher von Schriftstellern, z.B. von Michele De Montaigne (französischer Schriftsteller und Philosoph des 16. Jahrhundert, der auch Bürgermeister von Bordeaux und zu seiner Zeit sehr erfolgreich war) wegen seiner Gedankenwelt, er versuchte er selbst zu sein und kein Abziehbild anderer zu sein. Er hat auch einige Texte zum Thema Erfolg verfaßt, von ihm stammen Aussprüche wie: Manche sind vom Erfolg so verblendet, daß sie ihn mit auf´s Klo nehmen oder Auch eine Prinzessin sitzt nur auf ihrem Hintern.
Ein Ratschlag zum Erfolg?
Vernünftiger Ehrgeiz ist wichtig, dabei darf man aber die Lebensqualität nicht über Bord gehen lassen.