Zum Erfolg von Christian List
Haben Sie ein Lebensmotto, beziehungsweise was würden Sie als Ihr persönliches Erfolgsrezept angeben? Wenn ich etwas anfange, dann beende ich das auch. Ich versuche mein Bestes zu geben und wenn das nicht geht, dann muß man es sich selbst eingestehen können.Spielen Niederlagen eine Rolle? Ich mußte noch keine Niederlage einstecken, aber der Telekommunikationsmarkt ist derartig hart umkämpft, daß nur voller Einsatz zum Ziel führen kann. Schließlich muß man immer im Auge behalten, daß man gegenüber den Mitarbeitern Verantwortung übernommen hat.
Haben Sie Anerkennung erfahren?
Anerkennung ist mir nicht so wichtig, mehr wert ist mir, wenn ich mit mir selbst zufrieden bin. Auf Anerkennung kann man nicht warten, die kommt von selbst, wenn man es geschafft hat.Ihre Zielsetzung - was wollen Sie erreichen? Das ist alles eine Frage des Horizonts, gewisse Dinge kann man sich eben besonders anfangs nicht konkret vorstellen. Man muß zum Beispiel immer im Auge behalten, wie sich der Markt entwickelt. Sehr wichtig ist auch, die richtigen Mitarbeiter zu finden, da darf man nicht zu ungeduldig sein. Denn mit ihnen steht und fällt das Unternehmen. Momentan bin ich in der Firma voll beschäftigt, aber mein Ziel ist es, daß die Mitarbeiter das Geschäft führen und ich sozusagen nur mehr über strategische zukunftsweisende Entscheidungen über die Zukunft der Firma nachdenken muß. Besonders wenn die Firma wächst, kann ich mich ja nicht unendlich weiterbilden, sondern muß mich auf das Know How und die Beratung meiner Mitarbeiter verlassen können. Letztlich muß man damit rechnen, daß man in den ersten fünf Jahren ununterbrochen um seine Position am Markt kämpfen muß. Dazu bedarf es selbstverständlich einer gesicherten Finanzierung. Der Aufbau der Firma war ein absoluter full-time job und man muß davon ausgehen, daß anfangs nicht viel für einen selbst überbleibt.Spielen Familie und Vorbilder eine Rolle? Vorbilder hatte ich eigentlich keine. Ich habe frühzeitig gelernt auf eigenen Beinen zu stehen. Mit 18 Jahren zog ich von zu Hause aus, bei meiner Mutter wohnte ich in relativ ärmlichen Verhältnissen. Da ich einiges Kapital zusammengespart hatte, entschlossen sich mein Bruder und ich uns selbständig zu machen. Mein Bruder ist eher der Techniker, er hat viel Know How beigesteuert, arbeitet aber nicht in der Firma mit. Obwohl wir bereits in der Gewinnzone sind, sind wir aber noch nicht über´m Berg.
Woher schöpfen Sie Ihre Kraft?
Meine Kraft schöpfe ich aus meinem Willen. Man kann nicht erwarten die Kraft von irgendwem zu bekommen, sondern man muß sie sich holen. Das heißt, daß ich mich jeden Tag neu motiviere. Diese Fähigkeit muß man besonders in schwierigen Situationen ganz einfach haben.Wie motivieren Sie sich? Wenn ich die Fähigkeit habe schwierige Situationen zu meistern und diese nicht nütze, bin ich selbst schuld. Die meisten Probleme kann man schließlich überwinden.Wie verschaffen Sie sich bei dieser Verantwortung Ausgleich? Da es die Firma noch nicht lange gibt, habe ich eher wenig Möglichkeiten für Ausgleich in meiner Freizeit. Wenn ich Zeit habe, gehe ich gerne Tennis oder Squash spielen, meine Reiseleidenschaft muß leider aus Zeitmangel zurückstehen. Natürlich möchte ich nach der Aufbauphase mehr Zeit für mich und eventuell für die Familie haben. Aber das muß ich mir erarbeiten, alles andere ist Illusion.
Sehen Sie sich selbst als erfolgreich?
Wir haben schon einiges erreicht. Zwei Jahre nach Firmengründung befinden wir uns in der Gewinnzone, der Kundenzustrom ist da, es liegt nur an uns noch mehr daraus zu machen. Mein Ziel ist es der Firma zu Wachstum zu verhelfen und mit der Zeit noch einige Filialen aufzubauen. Das ist aber letztlich eine finanzilelle Frage und wie es mit den Ressourcen voran geht - eine Vorfinanzierung muß natürlich dasein.Wenn Sie zurückblicken, welche wichtige Karrierestationen würden Sie dann herausstreichen? Ich sehe meinen Werdegang nicht als Karriere. Wenn man weiß, daß man mehr in sich hat als man gerade gibt, versucht man das natürlich in die Wirklichkeit umzusetzen. Es geht nur darum, seine Fähigkeiten auch umzusetzen.Wie sieht Sie Ihr persönliches Umfeld? Natürlich gab es teilweise einige Skepsis, nicht so sehr aufgrund des Berufswechsels, sondern mehr wegen finanzieller Bedenken. Schließlich muß man Kredite aufnehmen, ohne zu wissen, ob die Firma ein Erfolg wird. Aber hier mußte ich eben die Grenze überschreiten und ein Risiko eingehen.Welchen Ratschlag für Erfolg würden Sie gerne weitergeben? Wer sich selbständig macht, muß damit rechnen, daß Ärger auf ihn zukommt und daß es sehr hart wird. Das heißt, Durchsetzungsvermögen ist sehr wichtig. Ein außerordentlicher Faktor bei der Gründung eines Unternehmens ist immer die rechtzeitige Bereitstellung ausreichenden Kapitals für die nächsten zwei bis drei Jahre. Was natürlich nicht bedeutet, daß man sich dann nach dieser Zeit, wo sich alles soweit eingespielt hat, nicht mehr um die Firma zu kümmern braucht. Man muß für die Verwirklichung seiner Ziele Entbehrungen in Kauf nehmen. Die Mitarbeiter sind das Wichtigste für eine Firma, deswegen muß auch das Arbeitsklima stimmen.