Zum Erfolg von Anna Maria Spreitzer
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Es ist mir wichtig, daß es mir und den Menschen meiner Umgebung, die ich gern habe, gut geht. Nur wenn es mir auch selbst gut geht, kann ich anderen helfen. Finanzielle Dinge spielen in meinen Überlegungen keine große Rolle.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich fühle mich manchmal erfolgreich, manchmal nicht. Öfter würde ich gern über besondere Begabungen verfügen, die mich an anderen Menschen begeistern und die ich bewundere. An mir selbst sehe ich keine überragende Begabung.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ich denke, daß ich gut mit Menschen umgehen kann und daß dieser Umstand für mein berufliches Fortkommen wichtig war.
Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein?
Ich habe nicht das Gefühl, als Frau mit Nachteilen konfrontiert zu werden.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Mir geht es nicht darum, mich erfolgreich zu finden, sondern zu wissen, was ich mit meiner Zeit mache und welche Verantwortung ich anderen Menschen gegenüber habe. Ich weiß, daß ich für das Auskommen einiger Menschen Verantwortung trage und bin bemüht, dieser gerecht zu werden.
Ist Originalität oder Imitation besser um erfolgreich zu sein?
Wenn man gut imitiert, kann man sicherlich auch Erfolg haben. Mein Hang zur Originalität ist jedoch sehr ausgeprägt.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Ein Freund, der ein eigenes Unternehmen führt, hat mich davon abgebracht, mich zu sehr von äußeren Denkweisen beeinflussen zu lassen. Ich wurde dazu angestoßen, meine Gedanken selbst zu entwickeln und keinen vorgefertigten Gedankengängen anzuhängen.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Die wichtigste Form der Anerkennung ist die Zuneigung von mir wichtigen Menschen. Anerkennung erfahre ich auch, wenn mir zum ersten Mal etwas gut gelingt.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Ein leider schwer lösbares Problem ist die oft mangelnde Kompatibilität einzelner Computerprogramme. Das eigentliche und immer wiederkehrende Problem unserer Branche liegt jedoch im zwischenmenschlichen Bereich. Glücklicherweise kommen wir jedoch mit den meisten Menschen, mit denen wir betrieblich zu tun haben, sehr gut aus. Es kommt immer darauf an, wie man selbst mit Menschen umgeht.
Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen?
Ich esse gern und höre oft, daß ich gut kochen kann. Mein Freundes- und Arbeitskreis sind nahezu ident. Wie ich tatsächlich wahrgenommen werde, müßte man jedoch meine Mitmenschen fragen.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
In unserer Branche ist ein gutes Miteinander unabdingbar für erfolgreiches Arbeiten. Ohne meine Mitarbeiter könnte unser ganzer Betrieb nicht funktionieren.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Ich berücksichtige rein persönliche Gesichtspunkte und entscheide ausschließlich nach Gefühl und Sympathie. Mir ist natürlich wichtig, daß Bewerber in unser Team passen. Fachliche Qualifikation ist Voraussetzung, aber kein entscheidendes Kriterium.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Wir sind gut befreundet und motivieren uns gegenseitig durch unseren gemeinsamen Spaß an der Arbeit. Wenn mich jemand nach meinem Beruf fragt, ist meine Antwort oft Kindergartentante. Ich trachte immer danach, daß sich alle, einschließlich mir selbst, wohlfühlen.
Wie ist Ihr hierarchischer Strukturkoeffizient?
Das Wort Hierarchie kennen wir in unserem Betrieb eigentlich nicht.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Ich denke, daß gerade unser familiärer und freundschaftlicher Umgang kreative Ressourcen freisetzt, die mit einem autoritären und klar begrenzten Arbeitsstil nicht zu erreichen wären. Man kann nur kreativ sein, wenn man seinen Gedanken spielerischen Freiraum gewährt. Wir werden von unserem Umfeld auf Präsentationen oder Feiern als Gemeinschaft gesehen. Es ist bekannt, daß wir uns untereinander sehr gut verstehen.Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Wir pflegen einen sehr freundschaftlichen Umgang untereinander. Jeder kennt seine eigenen und die Stärken der anderen. In Wien ist das Verhalten untereinander anders, wir gehen jedoch in Graz auch gemeinsam mit der Konkurrenz essen.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Ich trenne die beiden Bereiche strikt.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Ich betreibe nicht nur beruflich relevante Weiterbildung. Alles, womit ich mich beschäftige, ist für meine Person relevant. Wenn ich reise, empfinde ich die Konfrontation mit fremden Kulturen ebenso als Fortbildung wie Lektüre eines Buches oder den Besuch eines Seminars.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Ich würde dazu raten, sich in jemanden zu verlieben.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich denke, daß ich im Alter von 17 Jahren wesentlich zielgerichteter war als heute. Ich habe jetzt eine Arbeit, die mir Spaß macht, einen Freundeskreis, in dem ich mich wohl fühle, und weiß heute nicht viel über meine Wünsche von morgen. Ich lasse diese Dinge auf mich zukommen.