Zum Erfolg von Werner Rosinak
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg ist etwas widersprüchliches, denn wenn man ihn sich erarbeiten muß, muß man immer wieder abwägen, was im Leben wichtig ist. Wenn man im Beruf erfolgreich sein will, muß man danach trachten, besonders gut zu sein, und dann wird vieles andere zu kurz kommen.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich wollte in meinem Beruf soweit kommen, daß ich ein gewisses Maß an Anerkennung finde. Es ist für mich wichtig, geschätzt zu werden. Das ist jetzt der Fall, ich fühle mich als Planer in Österreich sehr wohl und werde anerkannt. Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ich bin sehr vorsichtig und habe nicht sehr offensiv nach Erfolg gestrebt. An neue Bereiche taste ich mich immer sehr zögernd heran und beschäftige mich viel mit Neuem. Ich betreibe meinen Beruf nicht als Blendung, indem ich andere durch irgend etwas beeindrucken will, sondern eigne mir das notwendige Wissen an. Dadurch erreiche ich Stabilität. Das Fundament des handwerklichen Zugangs gibt mir eine gewisse Sicherheit.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Ich werde immer offener und vorurteilsfreier. Wenn sich eine Aufgabe stellt, versuche ich sie ohne vorgefaßte Meinung oder besondere Absichten zu sehen. Durch dieses Betrachten von neuen Aufgaben entwickelte sich eine relativ spezifische Herangehensweise, und ich entdecke immer wieder neue Lösungsmöglichkeiten.Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Ja, es gab positive und negative Beispiele. Der Beginn meiner Tätigkeit in Wien war eng mit dem Professor und Stadtrat Wurzer verbunden, ein sehr strenger Universitätslehrer, der mir zeigte, wie nah Erfolg und Mißerfolg beieinander liegen und von unbeeinflußbaren Rahmenbedingung abhängen. Weiteres war ein Professor der ETH Zürich, der in Wien relativ lange als Berater gearbeitet hat, prägend für mich. Er unterrichtete Methodik der Planung und leitete ein vierjähriges Planungsverfahren. Dabei arbeitete ich in einem der Teams eng mit ihm zusammen, wobei ich eine Menge von ihm lernen und an Ideen aufnehmen konnte, vor allem wie man Planungsprozesse gestaltet und worauf man dabei achten muß.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Anerkennung ist in unseren Beruf der Planung nicht sehr breit verbreitet. Sie wird ganz selten ausgesprochen, aber manchmal gibt es Projekte und Vorhaben, wofür man exzessiv gelobt wird. Ich wurde von der Stadt Wien mit dem silbernen Ehrenzeichen geehrt, das sehe ich als ein Symbol für nicht erhaltene Honorare und Projekte, für die ich mich stark engagiert habe.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Ich möchte in der Früh gerne in das Büro gehen, und alles, was im Büro an organisatorischen und personellen Dingen passiert, ordnet sich diesem Ziel unter. Wir pflegen eine sehr partnerschaftliche Unternehmenskultur und treffen Entscheidungen gemeinsam. Meine Mitarbeiter sind sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, wir haben eine große Bandbreite von Fachgebieten und verschiedenen Charakteren und es ist eine Freude, mit ihnen zu arbeiten.Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Ich achte zunehmend auf den emotionalen und sozialen Eindruck und soziale Kompetenz, immer weniger auf fachliche Kriterien, denn das Wissen in den verschiedenen Fachgebieten kann man dazulernen. Wir haben auch ein intensives Weiterbildungsprogramm, das die Wiener Wirtschaft fördert. Ich finde es wichtig, sich auch in nichtberuflichen Bereichen zu engagieren.Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Wir sind in der Verkehrsplanung tätig, führen auch EDV-Beratungen durch und arbeiten in der Raum- und Verkehrs-, wie auch in der Kulturlandschaftsforschung. Wir erarbeiten umweltrelevante Themen, die mit dem Verkehr zu tun haben und Verkehrskonzepte. Ich selbst beschäftige mich zunehmend mit Mediation und Konfliktmanagement im Verkehrswesen.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Ich brauche sehr viel Freizeit, in der ich über die Arbeit nachdenken kann, dadurch entstehen natürlich Konflikte im privaten Bereich.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Wichtig ist eine gewisse Gelassenheit und Offenheit den Aufgaben gegenüber und die Fähigkeit, vorurteilsfrei an Aufgaben heranzugehen und eine kreative Phantasie zu entwickeln, um die Vielfältigkeit der Handlungsmöglichkeiten und Wege zu sehen. Wenn man diese Vielfältigkeit sieht, hat man viel mehr Möglichkeiten in der sich schnell verändernden Arbeitswelt. Außerdem ist es wichtig, sich eine jugendliche Neugier zu bewahren und die Dinge aus einer gewissen kritischen Distanz zu sehen. Eine gewisse Vielfalt in den Interessen ist wesentlich, um seine Tätigkeiten abzurunden und zu erweitern.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
In unserem Beruf ist es üblich, das Büro als Einzelunternehmen zu betreiben, das dadurch sehr mit dem persönlichen Schicksal verbunden ist. Ich habe vor, aus meinem Büro ein Unternehmen zu machen, das im Sinne der jüngeren Mitarbeiter weiterbestehen kann. Ich möchte ein kontinuierliches Unternehmen schaffen.