Zum Erfolg von Otto Pammer
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, mit meiner Arbeit zufrieden zu sein. Wenn ich eine Arbeit abgeschlossen habe und mir das Produkt, den Film, zum erstenmal selbst anschaue, verspüre ich ein Gefühl des Erfolges. Ich brauche in dieser Phase keine Anerkennung von außen, sondern muß die Zufriedenheit selbst spüren, obwohl mir Anerkennung grundsätzlich durchaus wichtig ist. Auszeichnungen, die ich in hoher Zahl erhalte, sind selbstverständlich eine schöne Form der Anerkennung meines Lebens und Lebenswerkes, über die ich mich freue. Wichtig ist mir vor allem die Wertschätzung, die mir meine Freunde entgegenbringen - mein alljährliches Fest des Friedens am heiligen Abend ist sehr beliebt, und waren wir anfangs zu acht, sind es heute schon rund 300 Menschen, die daran teilnehmen. Zu diesem Fest kommen alle meine Freunde, die ich im Laufe meines Lebens kennengelernt habe und die mir ihr Vertrauen schenken.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja. Ich führe ein sehr erfülltes Leben und fühlte mich bei meiner Tätigkeit immer wohl, daher sehe ich mich, weil man sein Licht nicht unter den Scheffel stellen soll, als erfolgreich.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Mein Beruf war immer mein Hobby, und ich darf mich glücklich schätzen, daß mein Leben bis dato unglaublich interessant und abwechslungsreich war. Ich lebte meinen Beruf und lebe ihn bis dato. Natürlich gehört zum Erfolg auch ein Quentchen Glück: nach dem Kriegsende herrschte Mangel an Kameramännern und Technikern, und der Zufall wollte, daß ich damals durch einen Freund mit dem Filmen in Kontakt kam.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Als die Zusammenarbeit mit Twenty Century Fox 1974 aufgrund des Kinosterbens beendet wurde, mußte ich mich um ein neues Aufgabengebiet umsehen und gründete meine eigene Filmproduktionsfirma. Mich selbständig zu machen, war ein sehr schwieriger Schritt, weil es am Markt schon zahlreiche Filmproduktionsfirmen gab. Ich mußte mich also selbst wieder in die Höhe arbeiten. In der Folge versuchte ich neue Aufträge zu urgieren und erhielt Hilfe von Teddy Podgorsky, der damals Unterhaltungschef des ORF war: die Idee für die Sendung Seinerzeit wurde geboren, und da ich über vielfältiges Archivmaterial verfügte, ergriff ich diese Gelegenheit. 1974 mußte ich selbstverständlich Mitarbeiter einstellen und engagierte Schritt für Schritt Leute, die bis dato für mich arbeiten, und zwar ohne Ausnahme. Ich sehe meine Mitarbeiter wie meine eigenen Kinder, deren Leben ich finanziere. Mir ist völlig bewußt, daß jeder meiner Mitarbeiter so quasi sein Leben für meine Firma gegeben hat, so wie ich meines damals für die Fox gab. Aus diesem Grund ist ein Mitarbeiter für mich eine der wichtigsten und vertrauenswürdigsten Personen. Ich muß die traurige Beobachtung machen, daß sich dieses Verhältnis generell sehr verändert hat: heute muß man als Unternehmer in dieser Branche zunehmend mit freien Mitarbeitern arbeiten, weil man fix angestelltes Personal finanziell nicht tragen kann. Statt zehn Kameraleuten kann man heute vielleicht zwei beschäftigen, die die laufenden Aufträge erfüllen; die Spitzen muß man mit freien Mitarbeitern abfangen.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Ich war stets bemüht, mein Leben sehr konsequent zu gestalten und habe meinen Beruf immer geliebt, worunter mein Privatleben sicher gelitten hat. Aufgrund meines Erfolges kann ich jedoch Versäumtes nachholen und versuche mein Leben weiterhin zu genießen.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Die Jugend tut mir leid, weil sie in eine Leistungsgesellschaft hineingeboren wird und schon in der Schule darauf getrimmt wird, alles Erdenkliche unternehmen zu müssen, um vielleicht einmal einen Job zu bekommen. Gleichzeitig ist die Jugend aber auch sehr verwöhnt und will nicht jede Arbeit annehmen. Junge Menschen sind heute mit einer Unzahl an Ablenkungen konfrontiert: während wir uns als Kinder mit einfachem Spielzeug beschäftigten, ist ein Achtjähriger todunglücklich, wenn er keinen Gameboy besitzt. Ein Ratschlag lautet, sich nicht darauf zu verlassen, durch einen Zufall berühmt zu werden, was vielleicht einigen wenigen, ich denke an Starmania und ähnliches, gelingen mag. Ein junger Mensch sollte sich seiner geistigen und körperlichen Fähigkeiten bewußt werden, und er muß etwas wollen. Wenn man Arbeit will, bekommt man sie auch. Wesentliche Grundlage des Erfolges ist Wissensdurst. Wer etwas erreichen will, muß lernen, alle Angebote nutzen, die es gibt. Auch neben der Berufstätigkeit ist es von großem Vorteil, Kurse und Schulungen zu absolvieren, anstatt sich mit Fernsehen und Internet zu beschäftigen. Beruflich sollte man jedenfalls dem nachgehen, was man sich aus seinem Innersten wünscht.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Mein wichtigstes Ziel besteht heute darin, nicht mehr so stark in den täglichen Produktionsablauf eingebunden zu sein und mich aus dem Tagesgeschäft herausnehmen zu können. Aktuelle Produktionen für das Fernsehen, RTL-Werbespots, etc. werden von meinen Mitarbeitern übernommen, ich persönlich interessiere mich nun für mein Lebenswerk: ich habe 50 Jahre lang historische Momente gefilmt und dokumentiert, jetzt bearbeite ich dieses Archiv und beschäftige mich mit der Zusammenstellung von Videoeditionen für verschiedene Firmen und Organisationen, um das gedrehte Material, das sich angesammelt hat, für die Nachwelt zu erhalten. Ich möchte nicht, daß dieser Nachlaß eines Tages einem Museum übergeben wird, sondern es jenen Menschen zukommen lassen, die damit zu tun haben. Das Schöne an dieser Aufgabe liegt darin, daß ich dadurch mein eigenes Leben noch einmal Revue passieren lasse. Ich erlebe jeden Moment noch einmal und werde mir dabei bewußt, daß ich all diese Situationen im Kopf habe und mich an alles erinnern kann, ohne dabei in den Computer schauen zu müssen. Als ich unlängst anläßlich eines Interviews gefragt wurde, was mich an meinem Alter stört, gab ich zur Antwort, daß das eigentlich nur die Jahreszahl 77 ist. Ich fühle mich nicht alt, bräuchte aber noch mindestens 30 Jahre. Was mich jedoch zufrieden macht, ist die Tatsache, daß ich gesund bin: ich betreibe viel Sport, gehe täglich Schwimmen, beschäftige mich mit Tai Chi und lebe sehr gesund und bewußt.