Zum Erfolg von Franz Hubertus Tusar
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Ich hatte nie viel Entscheidungsspielraum, es gab immer Vorgaben, die ich zu erfüllen versuchte, da ich den Betrieb am Leben erhalten mußte.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, ich kann heute trotz moderner Konkurrenz immer noch gut existieren und habe den Betrieb durch stürmische Zeiten gesteuert. Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Selbstverständlich hat mir mein Vater den Weg gewiesen.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Anfang der achtziger Jahre stand die Firma kurz vor dem Konkurs. Ich kämpfte auf Umwegen für ihr Überleben, indem ich mich selbst entließ, gut sieben Jahre branchenfremder Arbeit nachging und die Firma nebenher betrieb. Wenn man aus einem elterlichen Betrieb kommt, ist es gar nicht so leicht, sich woanders zu bewerben und aufgenommen zu werden. Zumal, wenn die Firma formal weiterexistiert und man der künftige Inhaber ist. Von 1982 bis Anfang 1990 machte ich die Qualitätskontrolle bei einer Spritzguß-Firma, die Kunststoffteile herstellt. Die dortige Schichtarbeit kam mir zeitlich eher entgegen, weil sie mir die gleichzeitige Leitung meiner Firma gestattete, und letztendlich sanierte ich dadurch die Firma, obwohl meine Kreditwürdigkeit bei der Bank damals bereits erschöpft war.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Ab den neunziger Jahren ging es aufwärts, nicht zuletzt durch die Wende erhielten wir schließlich mehr Aufträge.Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein? Ich setze lieber auf die gute, alte, klassische Wachskerze, die auch von unseren Hauptabnehmer - den Kirchen - bestellt wird. Schließlich symbolisiert die herunterbrennende Kerze ja, wie Christus sich für die Menschheit aufgezehrt hat. Bei Kerzenattrappen funktioniert diese Symbolik natürlich nicht. Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst? Das Rußproblem bei brennenden, flackernden Kerzen ist immer noch nicht gelöst. Das Wichtigste ist, daß der Docht hochwertig und optimal auf das Wachsmaterial abgestimmt ist, aber selbst das kann bei starkem Luftzug die Entstehung von Ruß nicht verhindern, da es eine Verbrennung ohne Rückstände de facto nicht gibt. Ein weiteres Problem ist, daß einige Betriebe Probleme mit den Behörden haben und in Gewerbegebiete ausgesiedelt werden müssen, da Wachs als feuergefährlicher Stoff eingestuft wird.Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Aggressive Konkurrenten strafe ich mit Mißachtung. Es gibt Mitbewerber, welche die ganze übrige Branche buchstäblich in den Schmutz ziehen und die einzige Wahrheit gepachtet haben wollen, wie dies bei der Werbekampagne für Attrappenkerzen der Fall war. Dort wurde unterstellt, daß dieser Kerzentyp die einzige rußfreie und damit gesunde Alternative sei. Die gleiche Strategie verfolgt diese Firma bei Teelichtern bzw. (in den Kirchen) Opferlichtern, indem sie nun Paraffin durch Stearin ersetzt - obwohl sie zuvor seit 20 Jahren mit ihrem sauberen Paraffin geworben haben.Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Wir können individuell auf unsere Kunden eingehen.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Hier gibt es buchstäblich fließende Übergänge. Eine Wendeltreppe führt von meinen Büro hinauf zu den Privaträumen.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich möchte einen geeigneten Nachfolger für die Firma finden.