Zum Erfolg von Gerhard Nöhmer sen.
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg ist die Summe vieler Faktoren. Ich muß etwas investieren, um Feedback zu bekommen, mir ein Ziel setzen und es auch erreichen. Das verstehe ich unter Erfolg. Dabei bin ich kein Mensch, der sich furchtbar quält. Ich bemühe mich, meine Ziele zu erreichen, aber nicht bis zum Umfallen, wie etwa ein Hermann Maier oder Thomas Muster. Das schönste Erfolgserlebnis ist, wenn man ein Ziel gemeinsam erreicht.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich sehe mich vor allem als Glückskind. Durch meinen Vater habe ich aber auch früh gelernt, daß man tüchtig sein muß, wenn man Erfolg haben will. Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ich komme aus einem guten Elternhaus, hatte großes Glück bei der Wahl meiner Ehefrau und wir haben zusammen drei großartige Kinder. Wie gesagt, ich sehe mich als Glückskind und bin ein sehr positiv denkender Mensch.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Vor zehn Jahren gelang es mir durch Zufall, die Straße hinter unserem Haus zu kaufen, ein Vorhaben, das meine Familie schon lange hatte. Auch hier hatte ich viel Glück, was mir beim Betrieb unseres Kabel-TV-Netzes sehr zugute kam, weil ich die Satellitenschüsseln nicht mehr auf dem Berg, sondern im eigenen Hof unterbringen konnte.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
In der Früh stehe ich mindestens eine halbe Stunde im Bad, rasiere mich, pfeife vor mich hin und wie ein Schachspieler teile ich gedanklich schon meine Leute ein.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Als wir uns vor 15 Jahren entschieden haben, in der Agerstraße ein neues Elektrogeschäft zu bauen. Wieder war Glück im Spiel, den Grund überhaupt zu bekommen. Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein? Das vielzitierte Rad können wir nicht neu erfinden, aber ich möchte doch der Gerhard Nöhmer sein, und nicht der Klon von Herrn X. Authentizität ist besser und ehrlicher als jede noch so gute Kopie. Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? In erster Linie hat mich natürlich mein Vater geprägt, allerdings bin ich doch etwas diplomatischer als er. Mein Vater war immer ehrlich und sehr direkt. Ich gerate eher nach meiner Mutter und bin wie meine Tochter; etwas hektisch und immer auf Powerplay, obwohl ich mit dem Alter schon etwas gelassener an die Dinge herangehe.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Berufliche Anerkennung erfahre ich insbesondere im Kabelfernsehbereich, wenn mich Kollegen um meine Meinung ersuchen. Auch innerhalb der Expert-Gruppe legt man Wert auf meine Sicht der Dinge, nicht zuletzt, weil ich ein guter Zuhörer bin. Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst? Die Dumpingpreise von technischen Innovationen erzeugen keine Wertschöpfung. Was heute der Hit ist, darf morgen schon nichts mehr kosten, große Ketten sahnen ab und versteuern möglicherweise im Ausland. So kann man doch nicht arbeiten.
Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen?
Ich glaube keine Feinde zu haben, aber bestimmt einige Neider. Wer Neider hat, hat Brot, wer keine hat, hat Not. Meine Freunde wissen um meine positive Lebenseinstellung und um meine Handschlagqualität.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Meine Mitarbeiter sind mein größtes Kapital, deswegen investiere ich auch in die Ausbildung meiner Mitarbeiter, um später Zeit für mich zu haben. Wie schon Kennedy sagte: „Ich kann nicht alles können, aber ich muß jene Leute kennen, die es können.“ Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Ich sehe mir das Elternhaus an, rede mit den Lehrern, lasse die jungen Aspiranten nach der Schule schnuppern und mache einen Eignungstest. Seit zehn Jahren haben wir so nur gute Erfahrungen gemacht, seit sechs Jahren haben alle unsere Lehrlinge mit Auszeichnung bestanden.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Ich suche das Gespräch und achte auf Transparenz. Jeder Mitarbeiter soll wissen, wohin der Betrieb steuert. Gelegentlich gibt es auch ein Grillfest oder einen Schitag, das fördert das Gemeinschaftsgefühl. Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Wir arbeiten prompt und zuverlässig zu einem fairen Preis. Wir sind rund um die Uhr für Notfälle erreichbar, egal ob es sich um eine kaputte Kühltruhe eines Privaten handelt oder um defekte Küchengeräte in der Gastronomie. Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Mitbewerb ist gut, wenn er sich gerecht und fair verhält. Seit 45 Jahren haben wir acht Mitbewerber hier im Ort überlebt, daher sehe ich die Situation sehr gelassen und verhalte mich neutral. Schwarze Schafe gibt es allerdings immer, auch in den eigenen Reihen. Wenn ein Kollege gefälschte Pay-TV-Karten verkauft, hört sich für mich der Spaß auf.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Mit zunehmenden Alter verschieben sich die Prioritäten ein wenig. Samstag mittag ist für mich Schluß und der Sonntag heilig. Ich muß dazu sagen, daß das ohne meinen Sohn nicht funktionieren würde. Er hat Spaß am Troubleshooting und sein Arbeitseinsatz bedeutet eine große Entlastung für mich. Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung? Ich nutze jede Gelegenheit, die sich mir bietet, vor allem in Form von Seminaren. Ganz wichtig ist mir die Fortbildung meiner Mitarbeiter, nicht nur im technischen Bereich, sondern auch in persönlichkeitsbildender Hinsicht. Auch ein Techniker braucht ein gutes Auftreten und ein Lächeln hört man auch über das Telefon.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Ich würde jedem raten, korrekt und ehrlich zu sein, auf die Menschen offen zuzugehen, versuchen, immer auf dem neuesten Stand zu sein. Das wichtigste wird auch in Zukunft die Kommunikation mit den Mitmenschen sein, egal wie weit die Technik fortgeschritten ist.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich möchte mit sechzig in Pension gehen und meinem Sohn nur mehr beratend zur Seite stehen, ähnlich, wie es bei meinem Vater und mir war. Danach möchte ich mich mit meiner Frau des öfteren in unser Sommerhaus in Spanien zurückziehen und meiner Leidenschaft, dem Reisen, frönen.
Ihr Lebensmotto?
Leben und leben lassen.