Zum Erfolg von Helmut Schrempf
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, Ziele und Visionen zu erreichen, die mir wichtig sind und die Gemeinde Ramsau stärken. Ein wesentlicher Faktor des Erfolges ist für mich die Nachhaltigkeit: der Ort hat durch die Weltmeisterschaften eine hervorragende Infrastruktur erhalten, die sich auch heute noch positiv auswirkt. Erfolg liegt für mich darin, etwas bewegen zu können - kann ich das nicht mehr, muß ich mir eine neue Tätigkeit suchen.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, ich konnte bisher viel erreichen. Ein wichtiger Erfolg liegt in der Veranstaltung der Nordischen Skiweltmeisterschaften in Ramsau, der größten Wintersportgemeinde in der Steiermark. Als 1999 diese bedeutende Sportveranstaltung über die Bühne ging, fühlte ich mich persönlich erfolgreich, weil ich zehn Jahre an diesem Projekt gearbeitet hatte.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ich hatte zu Beginn meiner Tätigkeit als Bürgermeister zahlreiche Visionen und bin damit auf große Zustimmung gestoßen, was für mich eine große Herausforderung darstellte. Ich habe mich für den Weg der engen Kooperation mit Wirtschaft und Sport entschieden und versuchte, viele Mitstreiter zu gewinnen; dies ist mir auch gelungen, wenngleich es ein schwieriger und harter Weg war, die Partner und die Bevölkerung zu überzeugen. Die Basis meines Erfolges liegt in meiner Jugend: ich war früh an der Politik interessiert, und ich hatte, was sehr wichtig ist, in meinem Onkel, der selbst Politiker ist, einen geistigen Vater, der mich förderte und mir vertraute. Mir war es immer schon wichtig, meine Ideen vielen zugänglich zu machen und gemeinsam die weiteren Schritte zu planen, um sie umsetzen zu können.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Eine sehr erfolgreiche Entscheidung bestand darin, Bürgermeister zu werden. Ich hatte kurz davor gute Angebote aus der Privatwirtschaft, entschloß mich aber, mein Amt als Bürgermeister anzunehmen, obwohl ich zunächst eher vorhatte, eher als Nebentätigkeit in der Politik mitzugestalten. Die Entscheidung war vielleicht nicht so sehr meine, sondern die der Bevölkerung, denn als die Leute erfuhren, daß ich Ramsau vielleicht verlassen würde, kamen viele auf mich zu und baten mich zu bleiben.Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein? Ich bin kein Imitator, sondern viel eher ein Original. Ich bin der Überzeugung, daß man vieles nicht lernen kann; es muß einem angeboren sein.Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Ich denke, daß mich die Tatsache prägte, in einer Familie aufgewachsen zu sein, die sich traditionell mit Politik beschäftigte. Besonders erwähnenswert ist mein Onkel, der für mich ein Mentor war.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Ich könnte allein nicht erfolgreich sein, also liegt es an mir, meine Mitarbeiter und Partner zu motivieren und davon zu überzeugen, daß sie mir vertrauen können. Wichtig sind jene Weggefährten, die in allen Situationen hinter mir stehen und auf die ich mich verlassen kann - Wer so viele Freunde wie Finger an einer Hand hat, ist ein reicher Mann.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Wichtig ist mir, immer offen und ehrlich zu agieren und jedem in die Augen schauen zu können; generell und im Umgang mit meinen Mitarbeitern. Ich bin der Überzeugung, daß man für sein Umfeld einschätzbar bleiben muß, dann wird der Erfolg in einer Führungsposition nicht ausbleiben.Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Wir präsentieren unsere Gemeinde innerhalb einer Region, in der unsere Gäste alles Erdenkliche unternehmen können: vom Wandern bis zu den vielfältigen Möglichkeiten des Wintersports. Wir sind stolz darauf, sowohl im Sommer als auch im Winter beliebter Anziehungspunkt für Gäste zu sein (das Verhältnis liegt bei rund 60 Prozent Wintertourismus und 40 Prozent Sommertourismus). Ramsau ist aufgrund der landschaftlichen Schönheit und der Lage auf einem Hochplateau in rund 1.000 m Seehöhe seit 1925 ein Sommerdomizil und begeistert sowohl Extrembergsteiger als auch Familien. Im Winter stand Ramsau als Pionier für alpinen Schisport und entwickelte sich mit den Anforderungen der Gäste ständig weiter; heute begrüßen wir sowohl Schifahrer als auch Langläufer.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine erfolgreiche Frau. Meine Frau und ich betreiben eine Landwirtschaft und einen Gastbetrieb und verfolgen dabei eine sehr genaue Arbeitsteilung. Wir sind beide sehr ehrgeizig, und unsere Beziehung ist von gegenseitigem Vertrauen geprägt. Sehr wichtig sind mir meine Kinder, mit denen ich ein sehr gutes Verhältnis pflege.Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung? Ich verwende pro Jahr gezielt eine Woche für Weiterbildung in einem Bereich, der mich interessiert.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Solange ich etwas bewegen kann und die Kraft dazu habe, möchte ich für Ramsau viel erreichen. Ich möchte jedenfalls nicht jemand sein, der auf seinem Sessel klebt, sondern noch viele Ziele umsetzen, gesund bleiben und selbst einen hohen Grad an Lebensqualität erreichen. Meine Philosophie liegt darin, zu einem Zeitpunkt abzutreten, zu dem die Leute sagen: Schade, daß der Schrempf nicht mehr Bürgermeister ist. Ein Bürgermeister darf sein Amt nicht länger als 15 Jahre ausüben - dann ist er verbraucht und soll einem Nachfolger Platz machen, der selbst gute Ideen hat.