Zum Erfolg von Ursula Millonig
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Für mich ist Erfolg persönliche Zufriedenheit. Geld kommt für mich an letzter Stelle, ein gediegener Wohnbereich ist für mich zwar wichtig, aber Statussymbole wie schöne Autos oder Schmuck bedeuten mir absolut nichts. Diese Einstellung gewann ich schon sehr früh vor allem durch meine ausgedehnten Reisen in ärmere Länder, wo Gastfreundschaft oder persönliche Beziehungen weit wichtiger sind als ein hohes Einkommen. Ich habe Menschen in Äthiopien kennengelernt, die sicher glücklicher und freier leben als wir hier in Europa. An erster Stelle stehen für mich die Beziehung zu meinem Partner, der mich auf meinen Reisen begleitet, weiters meine Freunde und natürlich Gesundheit. Glücklicherweise war ich noch nie ernsthaft krank, was ich auch auf meine innere Lebenseinstellung zurückführe.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Für meine Begriffe bin ich erfolgreich. Andere Kollegen würden das vielleicht anders sehen, denn ich erlaube mir, beispielsweise eine Operation oder eine Narkose bei einer Zahnbehandlung abzulehnen, weil ich sie nicht für sinnvoll erachte, was natürlich weniger Gewinn ergibt. Ich kann es mir leisten, meine soziale Ader auszuleben, indem ich weniger begüterte Menschen unterstütze und ihre Tiere zu einem günstigeren Preis versorge, wenn ich spüre, daß sie ihre Tiere gut behandeln. Ich betrachte mich als erfolgreich, weil ich die Möglichkeit hatte, meinen Wunschberuf zu erlernen und davon leben kann. Das ist hier in Wien nicht selbstverständlich, denn die Dichte an Tierarztpraxen ist enorm, und heute zählt dieser Beruf zu den schlechtbezahltesten Akademikerberufen überhaupt.
Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein?
In früheren Zeiten war der Beruf ein ausschließlicher Männerberuf. Zu Zeiten meines Studiums war die Verteilung 80 Prozent Männer und 20 Prozent Frauen. Mittlerweile hat sich dieses Verhältnis verschoben, obwohl viele Frauen den Beruf durch die rosarote Brille sehen. Tierarzt zu sein erfordert mehr, als Tiere lieb zu haben und zu streicheln, weiters ist diese Tätigkeit äußerst familienfeindlich und nebenbei der gefährlichste aller Akademikerberufe.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Man müßte bereits während der Ausbildung die Problematik der Beschäftigungsmöglichkeiten berücksichtigen Es hat keinen Sinn, tausende Studenten auszubilden ,die nach dem Studium als Taxifahrer oder Call Center Agent arbeiten müssen, um finanziell durchzukommen. Ein weiteres Problem liegt in der Gesetzgebung, vor allem hinsichtlich des Tierschutzes.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Meine große Stärke ist meine jahrelange Berufserfahrung, die ein junger Kollege noch nicht haben kann. Das wissen meine Kunden, die meine Einstellung zum Beruf schätzen. Er ist mein Hobby, und es gibt kaum einen Tag, an dem ich nicht gerne in meine Praxis komme. Aufgrund der guten Lage meiner Praxis bin ich auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln leicht erreichbar, und der angrenzende Park mit Hundezone ist sicherlich auch ein Vorteil.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Man sollte einen Beruf ergreifen, der den eigenen Neigungen entspricht, ohne zu sehr auf die wirtschaftlichen Aspekte zu achten. Die Marktsituation ändert sich sehr schnell und Prognosen haben sich schon oft als falsch erwiesen.