Zum Erfolg von Eveline Tschernigg
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Nach einem tragischen Schicksalsschlag im Jahr 1994, bei dem meine Tochter bei einem Reitunfall ums Leben kam, haben für mich andere Werte Priorität. Den größten Erfolg erlebe ich durch meine Familie. Ich bin glücklich, wenn es meinem Mann und meinen drei Kindern gut geht. Solange ich das empfinde, sehe ich mich als erfolgreich.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Mein Vater hat mich sehr geprägt. Sein Stil, mit dem er die Firma führte, hat mir sehr imponiert. Dadurch wurde er zu meinem Vorbild, dem ich folge.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Meine Kinder stehen erfolgreich im Leben, sei es durch die Ausbildung oder den Berufsweg. Daran messe ich mich und sehe mich in diesem Sinne als erfolgreich.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Als ich zum ersten Mal ein von mir betreutes, fertiges Projekt sah. Es ist ein schönes Gefühl, bei der Errichtung eines großen, bedeuteten Projekt beteiligt zu sein und nachher stolz daran vorbeigehen zu können.
Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein?
Ganz sicher, speziell im Bereich der Installationsarbeit. Schon an der Universität bemerkte ich deutlich die mir gegenüber geringe Akzeptanz meiner Kollegen. Wenn man als Frau in eine Männerdomäne eindringt, darf man sich keine Fehler erlauben. Die Nachsicht ist bei von Männern verursachten Fehlern sicher größer, sodaß ich im Laufe der Zeit für mich eine Möglichkeit fand, dem entgegenzutreten. Meine Stärke ist die Kompetenz in meiner Tätigkeit, mit der ich mich immer wieder behaupten kann. Welche sind die Stärken ihres Unternehmens? Wir bearbeiten Projekte jeder Größenordnung. Ob kleine oder große Baustellen - jederzeit versuchen wir alle Herausforderungen anzunehmen und mit großer Flexibilität erfolgreich zu bewältigen. Dringende und kleinere Arbeiten werden sofort erledigt, aber auch größere Vorhaben, wie z.B. die Stadthalle in Graz, haben wir in Rekordzeit abgeschlossen.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Schon immer beschäftigt uns das Problem, qualifizierte Mitarbeiter oder Lehrlinge zu finden. Die vielen Auflagen, die eine praxisnahe Lehrlings-Ausbildung einschränken, sind sicherlich von Nachteil. Einerseits für die Firma, aber natürlich auch für den Lehrling selbst. Daher befürchte ich, daß in Zukunft ein großer Facharbeitermangel herrschen wird.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Durch die große Verantwortung, die unsere Mitarbeiter haben, hängt viel vom Erfolg des Unternehmens von ihnen ab. Wir arbeiten auf vielen Baustellen gleichzeitig, wobei jedes einzelne Team die Arbeiten selbständig durchführt. Da muß ich meinen Mitarbeiter und ihren Fähigkeiten voll vertrauen können.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Ich akzeptiere jeden in seiner geleisteten Arbeit. Wir sind ein sehr familiär ausgerichteter Betrieb, wo Persönliches mit Geschäftlichem stark verbunden wird. Ich habe kein eigenes Chef-Büro, sondern bin mittendrin im Geschehen und sehe darin einen großen Vorteil. Durch die ständige Anwesenheit im Büro habe ich in jedes Gebiet Einblick und kann mögliche Probleme sofort im Keim ersticken.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Wichtig ist es, immer den Überblick über die eigenen Tätigkeiten zu haben, sodaß ich nur empfehlen kann: Lieber erfolgreich klein bleiben, als erfolglos groß zu sein.
Ihr Lebensmotto?
Leben und leben lassen.