Zum Erfolg von Gert Hecher
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, meine sehr anspruchsvolle Arbeit von den Kunden anerkannt zu sehen, und natürlich muss auch das Einkommen Hand in Hand gehen.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich bin auf meinen Beruf stolz, da ich keineswegs den klassischen Weg ging. Zuerst habe ich eine Ausbildung zum Klavierlehrer absolviert. Ich war immer Liebhaber historischer Klaviere und bestand aufgrund meiner Eigeninitiative die Meisterprüfung. Ich erreichte alles ziemlich rasch und arbeitete von Anfang an für die wichtigsten Museen, was ich großartig finde und wofür ich dankbar bin. Als Klavierbauer bzw. Restaurator unterstützt man jene Institutionen, bzw. Kunden, die von meiner Erfahrung und meinem Wissen profitieren und somit meine Persönlichkeit anerkennen.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Die wichtigste Voraussetzung für Erfolg ist, nur Qualität zu liefern. Zudem besetze ich eine Nische, die kaum jemand in Österreich belegt hat. Meine Haupttätigkeit ist auf das klassische Wiener Klavier ausgerichtet, und so stelle ich hervorragende Instrumente bereit, die sich gut verkaufen, bzw. vermieten.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Sehr rasch! In meiner Tätigkeit als Pianist merkte ich am Applaus, dass ich erfolgreich war. Als Klavierbauer hatte ich durch Unterstützung der Museen und durch große Kunden sehr rasch Erfolg. Bereits im ersten Jahr meiner Selbständigkeit war ich von der Richtigkeit meines Entschlusses überzeugt.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Herr Alexander Langer, Klavierbauermeister in Klagenfurt, macht ähnliche Arbeiten wie ich mit großem technischem klavierbauerischem Verständnis. Ich lernte sehr viel von ihm. Mag. Huber, Restaurator der Musikinstrumente im Museum in der Neuen Hofburg, förderte und unterstützte mich in meinen Anfangszeiten sehr. Für den beruflichen Alltag lerne ich sehr viel von Pianisten und auch von Mitbewerbern.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Der ästhetische Wandel, der qualitative Niedergang im Klavierbau, der auch die Verkaufszahlen zurückgehen lässt, ist ein Problem in unserer Branche. Vielleicht nicht zuletzt dank meiner Arbeit erkennen immer mehr Menschen, die so wie ich mit Herz und Hirn bei der Sache sind, dass es künstlerische und ästhetische Werte gibt, die man bewahren muss. Die Zahl derer, die meinen Weg mitgehen, wird stetig größer. Es sind keine Massen, aber für mich maßgebliche Künstler und Privatleute. Das sehe ich als sehr starke, persönliche Anerkennung.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Leider ist es zurzeit so, dass der Nachwuchs den Leistungsgedanken nicht wirklich kennt, ebenso fehlt es am Kunstverstand und Sinn für kulturelle Zusammenhänge.
Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen?
Sehr unterschiedlich, aber sicher nicht als klassischer Unternehmer der heutigen jungen Erfolgsgeneration, eher als Paradiesvogel. Meine Tätigkeit ist rückwärts gewandt und bewahrend, da ich mich fast ausschließlich mit historischen Objekten befasse. Einige Menschen vertreten aber die Ansicht, dass die Zukunft der Menschheit nur im Vorwärts liegt. Ich glaube aber, dass auch ein Bewusstsein für die Vergangenheit da sein muss, für das ewig Gültige.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Eine Stärke sehe ich darin, dass es mir wirklich am Herzen liegt, die Instrumente in der Original-Substanz zu erhalten, und somit bestmöglich verwendbar zu machen. Für mich ist es selbstverständlich Materialien zu verwenden, die heutzutage nicht mehr so einfach zu bekommen sind, wie vor -zig Jahren. Dies dient schließlich dazu, den Charakter des Instrumentes zu bewahren.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Sie müssen sowohl Musiker als auch Handwerker sein, das ist ganz wesentlich. Wir sehen ein Instrument von beiden Seiten, als Werkzeug zum Musikmachen und als Kunstobjekt.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Mein Mitarbeiter kam aus eigenem Interesse an der Materie zu mir und ist daher schon von Haus aus sehr motiviert. Ich reiße ihn aber auch mit meiner Begeisterung für die immer neuen und spannenden Herausforderungen mit.
Wie verhalten Sie sich dem Mitbewerb gegenüber?
Meine Tätigkeit bezieht sich auf alte Flügel mit Wiener Mechanik. Dieser Bereich ist eine Nische und es gibt sehr wenige Mitbewerber, die sich mit dieser Materie auseinandersetzen und auch die nötige Fachkompetenz besitzen. Somit spüre ich keinen Mitbewerb, welcher sich mit der Wiener Mechanik beschäftigt.
Wie viel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Im Laufe meiner langjährigen Tätigkeit konnte ich mir ein riesiges Fachwissen erwerben. Bei jedem Instrument lernt man dazu. Die Zeit ist wirklich nicht messbar. Tatsache ist, dass die Klaviere heutzutage nach einem technischen, immer wiederkehrenden System gebaut werden und nur der Fachmann ist in der Lage die kleinen Details zu erkennen, die den Unterschied ausmachen. Bei Klavieren aus dem 18 u. 19. Jahrhundert ist jedes anders gebaut, somit muss man in der Lage sein, diese Technik auch zu verstehen.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Wichtig ist das Bewusstsein, dass bestimmte gesellschaftliche Normen eingehalten werden müssen. Ohne Fleiß kann man nicht viel erreichen, ohne eine gewisse Ausstrahlung als Geschäftsmann kommen die Kunden nicht. Die eigene Begeisterung und das Engagement für den Beruf muss den Kunden vermittelt werden. Heute mehr denn je muss man äußerst fleißig und lernbereit sein. Für dieses Handwerk bedarf es großer Liebe zu Musikinstrumenten und somit auch zur Musik. Es ist ein spartenübergreifender Beruf, d.h. es werden Kenntnisse von der Holzbearbeitung bis zur Metallverarbeitung verlangt. Bereitschaft zur Leistung steht an erster Stelle! Kunstverstand sollte kein Fremdwort sein. Unabhängig davon, welchen Beruf man auch immer ausüben möchte, es zählt der Fleiß! Leider stelle ich immer wieder fest, dass die Jugend, bedingt durch, ich nenne es - Wohlstandskomfort – so gut wie keinen Elan zeigen. Die Bequemlichkeit abzulegen und mehr Selbstbewusstsein gepaart mit Leistung an den Tag zu legen, wäre wünschenswert. Ohne persönlichen Einsatz wird kein Ziel erreicht werden können. Ebenso ist Weiterbildung mehr denn je gefragt. Dazu gehört auch, dass Kultur gepflegt werden sollte.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich möchte ein neues Bewusstsein für das Instrument Klavier schaffen, weil ich finde, dass die heutigen Instrumente nicht mehr den klassischen Klavieren entsprechen. Mit Hilfe der alten Instrumente und auch mit dem Neubau will ich bessere Instrumente vorstellen.
Ihr Lebensmotto?
Man kann nur entweder vorwärts- oder untergehen.