Zum Erfolg von Max A. Klingenstein
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Zufriedenheit mit meinem Beruf ist der wesentliche Punkt.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, insgesamt schon. Es gab Up and Downs. Der Neubeginn nach dem Desaster mit Dumont ist sehr gut gelungen und ein Zeichen des Erfolgs und meines guten Namens, den ich mir über Jahrzehnte erarbeitet habe. Es gab sehr schwierige Zeiten, die durch die politische Situation ausgelöst wurden. Wir waren einmal auf Ägypten und den Orient spezialisierter Veranstalter. Da haben uns die verschiedenen Nahost-Auseinandersetzungen und der Krieg um Kuwait usw. natürlich enorme Teile unseres Geschäftsfeldes weggenommen. Das war auch mit ein Grund, warum sich unsere Neuausrichtung mehr auf europäischer Ebene vollzogen hat. Der Erfolg war, daß wir uns nach Tiefschlägen wieder nach oben gerappelt haben, denn durch den Krieg verloren wir 40 bis 50 Prozent des Umsatzes.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Das Thema Studienreisen hat mich immer interessiert. Wir benutzen zwar gleiche Busse und Flugzeuge, aber wir haben doch eine ganz andere touristische Ausrichtung als z.B. der Badeveranstalter. Wir versuchen, der Kultur, der Kunstgeschichte und der Archäologie nachzuspüren; unsere Reiseleiter sind Archäologen und Kunsthistoriker. Wir haben Kunden mit gleichen Interessen und zeigen ihnen etwas, das sie noch nicht kennen - so bringen wir unsere Kunden auch zum sechsten Mal z. B. nach Rom, wo wir gemeinsam mit ihnen Neues entdecken.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Probleme sind dazu da, um gelöst zu werden.Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Ja, mein Vater war schon in dieser Richtung tätig. Sein Kollege, ein pensionierter Lehrer, der damals schon Studienreisen angeboten hat, schlug meinem Vater vor, ich könnte doch auch so eine Studienreisefirma gründen.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Von unseren Kunden bekommen wir täglich die Beurteilungen unserer Reisen. 85 Prozent der Kunden bezeichnen unsere Reisen als gut bis sehr gut. Wir hatten zu einer Veranstaltung mit einem Reiseleiter, der unsere neuen Asienreisen führt, in einem asiatischen Restaurant im Raum München 60 Kunden eingeladen. Da spürt man die Anerkennung ganz hautnah. Auf der Straße treffe ich Kunden, die seit 40 Jahren mit Klingenstein reisen. Wir haben einen guten Ruf.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Wir befördern ca. 1.000 Personen im Jahr. Das ist überschaubar. Ich rechne zu meinem Erfolg, daß ich nicht mehr so viel Mitarbeiter habe. Ganz wichtig sind in meiner Firma die Reiseleiter. Das sind Wissenschaftler, die Ausgrabungen, Geschichte und Museen kennen. Der Reiseleiter wird in die Gestaltung der Reise mit einbezogen, jedes Detail ist mit ihm abgesprochen. Jede Reise ist ein Unikat. Das geht nur, wenn wir den nahen Kontakt zum Reiseleiter haben, und das macht Spaß.Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Mitarbeiter aus? Der persönliche Eindruck ist entscheidend. Aus dem früheren großen Stamm rekrutieren sich heute noch unsere Reiseleiter. Sie sind gut ausgebildete Wissenschaftler. Bei neuen Reiseleitern ist mir die Studienrichtung wichtig, aber auch Kommunikation, Auftreten, Rhetorik und Ausstrahlung spielen eine große Rolle. Wir sind nicht mehr, wie früher, auf Newcomer angewiesen. Ein Reiseleiter hat Erfolg, wenn ein Kunde nach einer Reise sagt: Jetzt bin ich ein Ägypten-Fan.
Wie werden Sie von Ihren Mitarbeitern gesehen?
Wir pflegen ein sehr offenes und freundschaftliches Verhältnis zu den Mitarbeitern. Von den dreien, die ich heute beschäftige, waren zwei schon früher bei mir. Eine Mitarbeiterin war einige Jahre im Orient und kam zu mir zurück. Manche sind seit 25 Jahren für mich tätig.Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Unsere Stärke ist die Nische, in der wir operieren. Wir haben die besten Reiseleiter, und diese spielen die entscheidende Rolle.Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Wir richten uns überhaupt nicht nach den Mitbewerbern. Wir schauen, daß wir unsere Ziele erreichen, sind aber durchaus freundschaftlich und kollegial miteinander verbunden, z.B. bei Treffen auf der ITB.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Von Lebensphase zu Lebensphase ist es unterschiedlich. Als ich jung war, gab es nur das Geschäft. Ich war zwar bald verheiratet, aber es ging alles um das Geschäft. Nach der Familiengründung in der Lebensmitte habe ich mich umorientiert, mich auf die Familie konzentriert und die Firma zurückgestellt. Heute ist es eine schöne Mischung; ich setze mich lieber vor mein Laptop und erstelle ein Programm als fernzusehen. Die letzten 20 Jahre haben wir möglichst viel Zeit mit den Kindern verbracht.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Das Motto muß lauten: arbeiten. Die heutige Generation hat das leider verlernt und muß zu dieser Einstellung zurückfinden. Fleiß und Engagement ist wichtig, man kann in jedem Job Engagement entwickeln. Man muß etwas ändern, wenn man nicht zufrieden ist, zuhören, mit den Augen stehlen, mitdenken und Erfahrung sammeln.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Mein Ziel ist es, so lange zu arbeiten, so lange ich reden und denken kann und dabei Spaß zu haben.
Ihr Lebensmotto?
Man darf die Dinge nicht so nah an sich heranlassen, daß sie einen aufregen können.