Zum Erfolg von Alfons Schuhbeck
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
1989 war ich Koch des Jahres. Das ist natürlich ein gewisser Erfolg, aber andererseits stehe ich unter hohem Druck, dem es standzuhalten gilt. Wenn man erfolgreich ist, gibt es nur wenige Menschen, die einem die Treue halten, das lernt man mit der Zeit. Man wächst mit dem Druck, aber man braucht Disziplin.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Für mich ist es ein Job. Wir haben in München in kürzester Zeit einen Stern erkocht, eine gute Bewertung bei Gault Millau erreicht und eine florierende Kochschule sowie einen Eissalon aufgebaut. Ein Gewürzladen folgt. Ich begann hier bei Null - mit einer Sekretärin und einem Mitarbeiter im Service. Es war am Anfang sehr schwierig, und es dauerte lange, bis sich eine Mannschaft bildete. Ich stand vor einer Aufgabe und hatte große Verantwortung übernommen, aber jeder ist seines Glückes Schmied. Ich bin ein rastloser Mensch. Am liebsten würde ich schon wieder in Australien etwas aufbauen, denn ich suche förmlich schwierige Situationen und brauche pausenlos neue Aufgaben.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Das weiß ich nicht. Vielleicht ist es auch die Zeit, in die ich hineinwuchs, denn so eine Renaissance wird es so schnell nicht mehr geben in der Küche. Es gibt kaum etwas Schlechtes, wo nicht auch etwas Gutes dabei ist. Der liebe Gott gibt dir nur so viel zu tragen, wie du auch tragen kannst. Man kann aus jeder schwierigen Situation herauskommen, man muß nur an sich glauben. Für mich gilt als wirkliche Leistung zum Beispiel, drei Kinder gut aufziehen zu können. Ganz wichtig ist, dass ich meine Arbeit gerne ausübe. Sicher habe auch ich Tage, an denen hoffe, dass sie bald vorbei sind, aber solche Stimmungen darf ich nicht nach außen tragen.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Ich gehe nie auf jemanden ein, der wegen irgendeines Problems laut wird, denn das ist lächerlich. Bei wirklichen Problemen setze ich mich hin und versuche, die Ursachen herauszufinden.
Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein?
Es ist nicht jedem Menschen gegeben, ein Original zu sein.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Vorbilder hatte ich eher nicht, aber Herr Witzigmann war für mich schon entscheidend. Er gab mir gute Ratschläge und ich fühlte mich in seiner Welt wohl. Er machte mich hungrig, mich selbst zu verwirklichen und meine Kreativität auszuleben, dadurch wurde ich vielleicht zum Einzelkämpfer. Ich komme heute noch gut mit ihm aus - er ist für mich heute noch der Chef.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Es gibt für mich zwei Formen von Auszeichnungen: auf der einen Seite Bewertungen durch Journalisten oder Tester und der anderen Seite die Anerkennung meiner Gäste. Wenn mir ein Gast persönlich seine Zufriedenheit mitteilt, ist das für mich die schönste Anerkennung und die Meßlatte. Der Gast ist der springende Punkt, der uns dazu bringt, auch einmal ein Gericht zu überdenken und eventuell wieder von der Karte zu nehmen. Manchmal kommt eine Kreation überhaupt nicht an, und bei einem ganz einfachen Gericht flippen die Leute regelrecht aus, während ich mich frage, was so toll daran ist.