Zum Erfolg von Karin Lux
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Was Erfolg betrifft, geht es mir um die Entscheidungsfreiheit. Um wirklich Einfluß nehmen zu können, braucht man auch eine dementsprechende Position, die Gestaltungsräume öffnet. In diesem Raum ist es mir wichtig, daß meine Aktionen und Handlungen zum Ziel führen.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, durchaus. Im Rahmen meiner Fähigkeiten und Möglichkeiten habe ich stets das Maximum angestrebt und glücklicherweise auch erreicht. Ich hätte dabei nicht schneller sein können. Ich ging meinen Weg in meinem Tempo, in der für mich einzig möglichen und adäquaten Richtung.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Zuerst kommt die Freude an der Arbeit. Wenn die Arbeit quält, gehen Sinn und Kraft verloren. Entscheidend war auch immer mein ausgeprägter Wille. Zufälle, Glück und Pech sind dabei die Rahmenbedingungen, innerhalb derer ich mich bewege. Schwierige Zeiten prägten mich - was meiner Lebenslust jedoch nichts anhaben konnte. Von wesentlicher Bedeutung ist mein praktischer Erfahrungsschatz. Ich versuchte mein Leben lang, alles, was mich interessiert, so genau wie möglich anzuschauen bzw. auszuprobieren. Die persönliche Erfahrung ist letztlich die einzige Chance, etwas richtig kennen zu lernen. Selbst wenn die Erfahrungen negativer Natur waren, spürte ich in mir immer eine Kraft, die alles Erlebte ins Positive wendete. Das Motto heißt: Schnuppern, schauen, leben. Meinen Eltern zeigten sich von dieser Einstellung nicht immer begeistert, entzogen mir aber niemals ihre Liebe, und gaben mir somit die Möglichkeit, meinen Weg weiter zu verfolgen.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Ich weiß relativ klar, warum ich etwas tue. Das macht mich zielorientiert und konsequent und es gibt mir den langen Atem, um bei Aufbauarbeiten bis zum Ende durchzuhalten. Ich mag klare Ideen, und es gelingt mir immer wieder, Personen, die dem anfänglich kritisch gegenüber stehen, für meine Pläne zu sensibilisieren und zu gewinnen. Ich habe mir auch die Fähigkeit angeeignet, Nein sagen zu können und dabei die Gewißheit erlangt, daß ich nichts erzwingen kann. Es gibt für mich kein: Ich muß! Ich nehme mir die Freiheit zu wollen und relativ unabhängig von Außenzwängen eigenständige Entscheidungen zu treffen.Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein? Solange ich beruflich im Mittelfeld angesiedelt war, war ich der Überzeugung, daß das Geschlecht keine Rolle spielte. Heute sehe ich das anders. Man kann es als Frau schaffen, aber je höher die Entscheidungsebene, um so schwieriger wird die Gratwanderung. Den Hürden, die mir manche Männer unbewußt oder bewußt in den Weg räumten, versuchte ich mit Selbstbewußtsein zu begegnen. Mit der Einstellung Ich bin, wie ich bin, take it or leave it fuhr ich eigentlich immer sehr gut. Dadurch wurde es auch möglich, feministisch zu denken und trotzdem Minirock und Lippenstift zu tragen. Wenn ich keine Angst zeige und mich auf fachlicher Ebene profiliere, wird aus dem Frausein kein Hindernis für den Berufsweg.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Ich bemühe mich, sehr individuell auf meine Mitarbeiter einzugehen. Jeder weiß, daß er sich auf mich verlassen kann. Dieses Vertrauen und das gemeinsame Arbeiten an einem Ziel sind hoffentlich gute Motivationsfaktoren, um unsere Ziele zu erreichen.
Wie werden Sie von Ihren Mitarbeitern gesehen?
Meine Situation ist insofern ein wenig besonders, als daß ich direkt aus der Mitte meiner Kolleginnen und Kollegen zur Geschäftsführerin aufgestiegen bin. Das führte in der ersten Zeit zu einigen Problemen, die sich mittlerweile aber in Wohlgefallen aufgelöst haben. Da ich ein sehr direkter Mensch mit Hang zur gewittrigen Entladung bin, begegnet man mir oft mit einer Mischung aus Respekt und Furcht. Meine Klarheit wird auf der anderen Seite aber auch hoffentlich geschätzt.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Ich habe mich entschieden, keine Kinder zu bekommen, weil ich nicht glaube, daß ich meinen Beruf und eine Familie nach bestem Gewissen unter einen Hut bringen könnte. Ich arbeite viel und gerne, aber ich pflege auch einen Teil Privatleben, der mir heilig ist. Ich bemühe mich, einen Freiraum einzuhalten, indem ich etwa das Wochenende zur jobfreien Zone erkläre, und das gelingt mir immer besser.Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung? Bei aller Liebe zum künstlerischen Umfeld hatte ich nie Lust, am Hungertuch zu nagen. Meine Überzeugung war immer, daß sich Wirtschaftlichkeit und Kunst durchaus vereinen lassen. In diesem Sinne war ich an Weiterbildung in diese Richtung sehr interessiert. 1988/89 absolvierte ich am WIFI ein dreisemestriges Wirtschaftscollege. 1998 schloß ich eine Ausbildung an der Controller Akademie der WU Wien mit ÖCI Diplom ab und begann ein Jahr darauf ein BWL-Studium mit Schwerpunkt Europäische Union. Auch mein Diplomthema war rein wirtschaftlicher Natur: Chinas WTO-Beitritt und dessen Bedeutung für die Wirtschaftsbeziehungen mit der europäischen Union.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Ich kann nur jedem raten, offen zu bleiben, nichts von vornherein auszuschließen, sich das Leben anzuschauen und kennenzulernen, um Vorurteile gar nicht erst aufkommen zu lassen. Es gilt, alles Interessante zu überprüfen, sich seine eigene Meinung zu bilden und danach zu handeln.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich weiß nicht immer im Vorhinein, wohin es mich führt. Das Erstrebenswerte kristallisiert sich heraus, wenn man einen Weg in Offenheit geht.