Zum Erfolg von Josef Kalchgruber
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, zufriedenen Kunden zu haben, die mich weiterempfehlen. Erfolg liegt für mich aber grundsätzlich in Zufriedenheit mit dem eigenen Tun. Jeder hat schließlich nur ein Leben zur Verfügung, und es ist an mir selbst, das Beste daraus zu machen.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich bin zufrieden mit meinem Leben, mit meiner Arbeit und mit meinen Produkten, deshalb sehe ich mich auch als erfolgreich. Aber ich habe nicht vor, mich jemals auf dem Erreichten auszuruhen. Da ich meine Arbeit liebe, ist es mein Ziel, sie auszuüben, solange ich kann. Ich denke nicht daran, mit 60 oder 65 Jahren in Pension zu gehen.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Meine Grundeinstellung ist es, mir Zeit zu nehmen, um Für und Wider einer Entscheidung abzuwägen. Früher oder später ergibt sich dann die richtige Lösung. Bestimmt war aber auch die Prägung durch mein Elternhaus ausschlaggebend für meinen Erfolg.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Die Entscheidung, mich selbständig zu machen, war eine sehr erfolgreiche.
Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein?
Meine Arbeit wird ausschließlich von Originalität geleitet.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Ich hatte einmal ein sehr prägendes Erlebnis bei den Paralympics in Sydney. Ein wirklich schwerst behinderter junger Mann lieferte eine sensationelle Leistung, und ich dachte mir, daß sich viele Leute in seiner Situation aufgeben oder Suizidgedanken hegen würden. Dieser Mensch war voller Lebensmut- und kraft und hat sich so Lebensqualität geschaffen. Diese Lebenseinstellung würde ich als vorbildhaft für mich bezeichnen.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Anerkennung ist für mich die Wertschätzung meiner Produkte durch einen wachsenden Kundenstock. Mundpropaganda ist mein wichtigstes Medium, um neue Kunden anzusprechen.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Es ist nicht einfach, geeignete Lehrlinge für das Tischlerhandwerk zu finden.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Bei einer Betriebsgröße wie meiner sind Mitarbeiter fast schon Familienmitglieder. Ich bin dankbar für Anregungen, was beispielsweise den Arbeitsablauf betrifft, da man selbst in mancher Hinsicht im Laufe der Zeit doch zu einer gewissen Betriebsblindheit neigt. Vor kurzem habe ich eine Tischlerin im Betrieb angestellt, was eine sehr seltene Situation ist, da sich nur äußerst wenig Mädchen für diesen Beruf entscheiden. Ich schätze die Arbeit selbständiger Mitarbeiter, da ich kein Bedürfnis habe, jede Kleinigkeit selbst zu entscheiden. Wenn ich um jedes Detail gefragt werde, laufe ich Gefahr, selbst keine Arbeit mehr zu Ende bringen zu können. Deshalb ist es mir äußerst wichtig, verläßliche Mitarbeiter zu beschäftigen, auf deren Kompetenz ich mich absolut verlassen kann.
Wie werden Sie von Ihren Mitarbeitern gesehen?
Obwohl ich natürlich die wesentlichen Entscheidungen im Betrieb treffe, bin ich für meine Mitarbeiter nicht so sehr der Chef im Sinne einer autoritären Person. Wir pflegen einen freundschaftlichen Umgang miteinander.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Ich erzeuge mit meinen Badewannen, Duschkabinen und Waschbecken aus Holz besondere Produkte. Da es kaum Tischlereien gibt, die ebenfalls über dieses Know-how verfügen, muß ich mich nicht in so hohem Maß mit Konkurrenz auseinandersetzen wie mit konventionellen Produkten. Natürlich fertigt mein Betrieb auch alle anderen Dinge für den Wohnbereich, wie Kastenfenster, Haus- und Innentüren und die gesamte Wohnraumausstattung aus Massivholz. Der Grundstein unserer besonderen Produkte lag vielleicht schon in der Faßbinderei meines Vaters. Da Fässer aus Holz aber heute nicht mehr den selben Stellenwert haben wie früher, hat sich daraus bereits 1986 die Idee entwickelt, diese Technik für Badmöbel anzuwenden. Ich verbinde also die Binderkunst mit der Tischlerskunst zu einem äußerst edlen Produkt. Meine Kunden stammen aus ganz Österreich und der Schweiz sowie aus dem bayrischen Raum.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Für die nächste Zukunft ist der Ausbau der Produktionshalle geplant, da der Betrieb wächst und wir deshalb schon wieder unter Platzmangel leiden, und das ist auch gut so. Die Frage der Firmenübernahme ist noch in sehr weiter Ferne, da mein Sohn erst zwei Jahre alt ist. Es würde mich aber stolz machen, wenn eines Tages auch eines meiner Kinder in der Tischlerei eine sinnvolle Lebensgestaltung finden könnte. Ich glaube, daß es sehr wichtig ist, die Kinder an der eigenen Arbeit teilhaben und sie herumprobieren zu lassen, sobald sie Interesse daran zeigen.