Zur Karriere von Edith Kohlmeier
Welche waren die wesentlichsten Stationen Ihrer Karriere?
Ich wuchs in der Geborgenheit einer Großfamilie auf. Wir waren zu Hause inklusive meiner Großeltern acht Personen, die sich bei den gemeinsamen Mahlzeiten um den Tisch versammelten. Kaufmännisches Denken war in unserer Familie stark verankert, vor allem auf Seiten der Großeltern, und diese Tatsache bewog mich schließlich zum Besuch der Handelsakademie in Feldbach, wo ich 1976 die Matura ablegte. Anschließend studierte ich Betriebswirtschaftslehre in Graz, da mir das Studium als ideale Basis erschien, um als Frau Karriere zu machen. Ich lebte während dieser Zeit in Graz. Neben dem Studium verdiente ich bereits mein eigenes Geld bei Kastner & Öhler. In Graz gab es seinerzeit noch keinen Lehrstuhl für den Zweig Wirtschaftspädagogik, den ich zu absolvieren gedachte. Gemeinsam mit einigen Kollegen erkämpften wir mit viel Engagement die Einführung dieses Studienzweiges bei der damaligen Ministerin Firnberg, sodaß ich das Studium der Wirtschaftspädagogik zwar in Wien begann, die letzten beiden Semester jedoch in Graz absolvieren konnte. Nach dem Studienabschluß erwarb ich meine Berufspraxis unter anderem auch bei der Südoststeirischen Sparkasse in Feldbach. 1984/85 bekam ich meine erste Anstellung in der Handelsakademie in Feldbach. Damals lebte ich in Graz und pendelte täglich mit meinem kleinen Sohn nach Feldbach. Meine Großmutter kümmerte sich um den Urenkel, während ich in der Schule war, kochte für uns alle, und abends ging es wieder zurück nach Graz. Als ich mein Berufsleben als Lehrerin antrat, war mir der damalige Direktor, Herr Hofrat Herbert Berghofer, ein besonderer Mentor. Die Herausforderung, nicht alles hinzunehmen, was er verlangte und tat, war für mich so groß, daß ich bald zur Personalvertreterin gewählt wurde. Trotz aller Kämpfe, die ich mit ihm ausfocht, war unser Verhältnis kein feindseliges. Wenn er jemanden brauchte, der etwas Neues versuchen sollte, kam Herr Hofrat Berghofer immer zu mir. Eine seiner besonderen Gaben war jene als exzellenter Gastgeber, und dadurch war Feldbach ein begehrter Maturavorsitz und Treffpunkt hochrangiger Persönlichkeiten im Bildungsbereich. Dies hatte zur Folge, daß unser Chef als erstes wußte, was sich im Schulbereich tat, sodaß die HAK Feldbach zur Pilotschule für alles wurde. Wir gründeten ein Schulentwicklungsteam, und die HAK Feldbach erlangte große Anerkennung im Land. Herr Hofrat Berghofer hatte auch das richtige Gespür, zu erkennen, wer für welche Aufgaben besonders geeignet war. Bereits einige Zeit bevor er nach einem Kuraufenthalt überraschend nicht mehr in den Schulbetrieb zurückkehrte, sagte er zu mir: Wenn ich eines Tages in Pension gehe, so hoffe ich doch, Du bewirbst Dich! Darauf, daß er so früh abdanken würde, war ich überhaupt nicht vorbereitet, und anfangs war ich sehr erschüttert über seinen Verlust. Wir waren fünf Bewerber um die Direktorenstelle. Ich als jüngste Bewerberin und Frau unter zwei Mitbewerbern, die bereits Schulleiter an anderen Schulen gewesen waren, rechnete mir keine großen Chancen aus. Das Verfahren zog sich endlos hin. Am 9. September 1996, drei Tage vor Schulbeginn, rief mich der Landesschulinspektor schließlich an und teilte mir zu meiner Überraschung mit, ich sei bereits seit 1. September Schulleiterin.