Zum Erfolg von Peter Freudensprung
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Als ich mich Anfang der achtziger Jahre selbständig machte, begann für unsere Branche durch die Hetze der Tierschützer eine schwierige Zeit. Inzwischen hat sich das ein wenig beruhigt, und ich bin stolz, das Geschäft durch alle Höhen und Tiefen geführt zu haben. Ich habe nicht - wie so viele Kollegen - aufgegeben und sehe auch alljährlich um die Weihnachtszeit, daß es sich gelohnt hat weiterzumachen. Das ist mein persönlicher Erfolg. Ich strebe nicht nach Ruhm und Reichtum, sondern bin mit dem zufrieden, was ich habe. Erfolg läßt sich nicht erzwingen.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Meine Geduld und Hartnäckigkeit. Mir macht mein Beruf Freude, daher stand ich auch die schwierigen Zeiten durch. Mein Großvater sagte immer: Je weniger Arbeit da ist, desto mehr muß man tun. Daran habe ich mich gehalten. Mein Vater und ich haben keinen noch so kleinen Auftrag abgelehnt und jede noch so unmöglich scheinende Reparatur eines Pelzes durchgeführt. Mit dieser Kundenfreundlichkeit und anderen kleinen kostenlosen Serviceleistungen haben wir uns einen guten Ruf und viele Stammkunden erworben.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Mein Großvater war durch seinen Fleiß und Arbeitseinsatz ein großes Vorbild für mich. Er war noch bis zu seinem 84. Lebensjahr zumindest stundenweise im Geschäft.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Die schönste Anerkennung ist es, wenn eine Kundschaft zufrieden bei der Tür hinausgeht, wiederkommt und mich im besten Fall auch weiterempfiehlt.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Kürschner ist ein aussterbender Beruf, es gibt so gut wie keinen Nachwuchs mehr. Ich schätze, daß sich unsere Branche in den nächsten fünf oder sechs Jahren noch einmal halbiert. Ich sitze ja auch in der Prüfungskommission für Gesellen und habe dort schon seit einigen Jahren nichts mehr zu tun.
Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen?
Ich bin fast versucht zu sagen: als böser Außenseiter, der sein Geld auf Kosten armer Tiere verdient. Die Auslage meines Geschäftes wurde auch öfters mit Schmähungen wie „Tiermörder!“ beschmiert. Ich habe aber gelernt, damit zu leben. Für mich ist der Pelz oder das Fell ein Rohstoff, den ich verarbeite.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Meine Stärke ist es, auch sehr schwierige oder unmöglich scheinende Aufträge anzunehmen. Es kommen immer wieder Kunden mit Änderungswünschen, die zuvor von anderen Kollegen abgelehnt wurden. Ich nehme mir dann die Zeit und tüftle solange herum, bis die Kundschaft zufrieden ist. Da entwickle ich einen persönlichen Ehrgeiz. Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Jeder hat seine eigenen Kunden, wir sehen uns nicht so sehr als Konkurrenten. Ich habe einige Kollegen, wo wir uns gegenseitig sogar mit Material aushelfen.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
In der Saison, das heißt von Ende August bis Ostern, ist das Wochenende auf den Sonntag reduziert. Da ich ja keine Mitarbeiter habe, fällt genügend Arbeit an, und in dieser Zeit sind Arbeitstage mit 16 Stunden keine Seltenheit. Dafür geht es im Frühjahr und Sommer etwas entspannter zu.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Ich rate dazu, einen Beruf zu ergreifen, der auch Nischen und die Möglichkeit auf Spezialisierung bietet. Ein Tischler hat beispielsweise eine breite Palette an Möglichkeiten, von Einlegearbeiten über Reparaturen bis zu Büroeinrichtungen und Kunsttischlerei. Außerdem halte ich es für besser, nicht in einem Großbetrieb, sondern in einer kleineren Firma zu lernen. Dort sieht und hört man mehr, hat mehr Kontakt zu den Kunden und erhält eine praxisgerechtere Ausbildung.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Mein Ziel ist es, bis zu meiner Pensionierung mit Freude in diesem Beruf arbeiten zu können und das Geschäft zu halten. Ich würde auch gerne im Kostümbereich für Theater, Film und Fernsehen arbeiten, aber das ist mehr ein Traum als ein Ziel.