Zum Erfolg von Werner Schiefer
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg ist für mich ein ganz persönliches Glücksgefühl, das entsteht, wenn es meinen Mitarbeitern, meiner Familie und mir gut geht.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, ich konnte mir den Traum vom eigenen Lokal erfüllen und bin unterm Strich sehr zufrieden. Lediglich die langen Arbeitszeiten in der Gastronomie habe ich ein wenig unterschätzt.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ich bin ein Mensch mit Kraft und Energie, der optimistisch nach vorne blickt. Auch wenn es mir einmal schlecht geht, bringe ich die Power auf, diese schwierige Phase zu überwinden. Ich kann mich nach dem Motto Jetzt erst recht! sehr gut selbst motivieren. Außerdem höre ich mir sehr viele unterschiedliche Meinungen an, sei es aus dem Freundeskreis oder von Fachleuten, und sammle daraus die besten Ideen. Der Beruf des Gastwirts erfordert viele unterschiedliche Fähigkeiten, die Bandbreite reicht vom Psychologen bis zum Kaufmann. Und in allen meinen früheren Tätigkeiten lernte ich etwas dazu, das mir heute in der Gastronomie zugute kommt.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Probleme sind da, um gelöst zu werden, und Herausforderungen machen das Leben erst so richtig spannend. Ein Beispiel: Im Juli 2007 wollte ich mein jetziges Café verkaufen, um ein größeres Lokal zu erwerben. Ich stand mit einem Kaufinteressenten und einem anderen Lokalbesitzer bereits kurz vor dem Abschluß, als ich plötzlich eine Absage erhielt. In der nächsten Sekunde trat Plan B in Kraft, ich rief meine Freunde an, und Ende August begannen wir mit dem Umbau und der kompletten Renovierung des Café Murphy. Ich bin ein entscheidungsfreudiger Mensch - es ist im Leben immer besser, eine falsche Entscheidung zu treffen als gar keine.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Mein Vizeleutnant beim Bundesheer war prägend, weil er sehr korrekt und gleichzeitig menschlich war. Neben dem Bundesheer arbeitete ich damals am Wochenende beim Kurier im Bereich der Zeitungskontrollen und hatte einen Chef, der meine Einsatzbereitschaft erkannte und mich sehr förderte. Bereits zwei Monate später war ich Gebietsleiter. Von ihm lernte ich sehr viel über Menschenkenntnis; etliche seiner Ratschläge sind mir heute noch im Ohr.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Leider ist es in der Gastronomie sehr schwierig, gutes und verläßliches Personal zu finden. Auch ich mußte bereits einige schlechte Erfahrungen machen, die von überdurchschnittlich vielen Krankenständen bis zum Diebstahl reichen. Mittlerweile habe ich aber sehr gute Mitarbeiterinnen gefunden und außerdem eine Lebensgefährtin, die ebenfalls im Betrieb mithilft.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Meine Frau und ich ließen uns nach 13 Jahren Ehe scheiden, inzwischen habe ich eine Lebensgefährtin, die mich in jeder Hinsicht sehr unterstützt. Sie hilft im Lokal und zu Hause sehr fleißig mit, sodaß ich mich wirklich voll auf mein Café konzentrieren kann. Für Dezember 2007 ist die Hochzeit geplant.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Gib Gas, sei ehrlich, menschlich und loyal. Natürlich ist Ausbildung grundsätzlich wichtig, in der Gastronomie zählen aber andere Qualitäten noch mehr - etwa die Freude am Umgang mit Menschen sowie Einfühlungsvermögen.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich habe jeden Tag Ideen, die ich umsetzen möchte. Ständige Weiterentwicklung ist enorm wichtig, Stillstand ist tödlich. Gerade in der Gastronomie ist die Konkurrenz ja riesengroß. Nach dem Umbau des Lokals ist mein nächstes Ziel, im Keller ein Tanzcafé einzurichten. Und irgendwann hätte ich dann gerne etwas mehr Freizeit.