Zum Erfolg von Bernd Richter
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Für mich bedeutet Erfolg zunächst, meine Ziele zu erreichen. Dann sehe ich es als Erfolg, wenn ich zufrieden durch das Leben gehen kann und mit meinem Umfeld im reinen bin.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich sehe mich als ganz normalen Erdbewohner, der versucht, das Beste aus seinem Leben zu machen. Viele meiner bisherigen Ziele, die für meine Begriffe doch recht hoch gesteckt waren, konnte ich durch harte Arbeit und einer ordentlichen Portion Glück auch erreichen. Es gibt aber noch viele Herausforderungen, die ich annehmen möchte. Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ich verfüge - auch wenn der Ausdruck schon ein wenig abgedroschen klingt - über die berühmte emotionale Intelligenz und kann sehr gut mit Menschen umgehen. Ich höre den Leuten zu und versuche die Dinge aufzunehmen, die sie mir sagen, sie zu verstehen und mich in mein Gegenüber hineinzuversetzen. Diese Fähigkeit wurde mir in die Wiege gelegt, ich absolvierte diesbezüglich keine Persönlichkeitsseminare oder Kurse.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
In der Schule fühlte ich mich definitiv nicht erfolgreich, da ich ein eher schlechter und lernfauler Schüler war. Erst mit meinem Eintritt ins Berufsleben stellte sich ein gewisses Erfolgsgefühl ein, da mir relativ rasch verantwortungsvolle Positionen übertragen wurden.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Es gibt eine ganze Reihe von richtigen Entscheidungen, über die ich heute sehr froh bin. In die Schweiz zu ziehen, die Stelle bei Atel anzunehmen, das Nachdiplomstudium zu absolvieren, meine Frau zu heiraten und schließlich nach Wien zurückzukehren - all das waren erfolgreiche Entscheidungen. Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein? Eindeutig Originalität. Aufgrund meiner Persönlichkeit könnte ich andere Menschen gar nicht imitieren. Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Mein erster Vorgesetzter bei Schneider Electric, Ing. Erich Novotny, war eine Art Vaterfigur für mich. Er stellte damals einen anderen Schulabgänger und mich ein und versuchte, uns auf unserem Weg so gut wie möglich zu begleiten. Herr Novotny zeigte uns, wie das Berufsleben funktioniert und wie man miteinander umgeht. Außerdem war er ein herzensguter Mensch. Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst? Atel ist im Bereich der Energiewirtschaft tätig - und das ist ein hochpolitisches Thema. Das schwierigste Problem ist, einschätzen zu können, was morgen passieren wird. Unter diesen Bedingungen Investitionsentscheidungen zu treffen, die 20 Jahre oder länger Amortisationszeit benötigen, ist sehr heikel. Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Da man im Beruf sehr viele Stunden miteinander verbringt, sollte natürlich die zwischenmenschliche Chemie stimmen. Schriftliche Angaben auf Lebensläufen haben nur wenig Aussagekraft, ich versuche die Dinge zu hinterfragen, um herauszuhören, was den Bewerbern wichtig ist. Das Gesamtbild muß stimmig sein.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Ich bemühe mich, offen und transparent zu sein, damit die Mitarbeiter jederzeit wissen, woran sie sind. Ich trete sehr kollegial und als Team-Mitglied auf, und lasse so wenig Hierarchie wie möglich walten. Außerdem setze ich Mitarbeiter dort ein, wo ihre Stärken liegen. Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Es gibt sehr flache Hierarchiestrukturen, wodurch Entscheidungen sehr rasch gefällt werden können. Die Mitarbeiter sind sehr kompetent, und der Teamgedanke steht im Vordergrund, da alle an einem Strang ziehen. Die Leute haben ihre Freiräume und können sich selbst organisieren.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Meine Position ist nach wie vor mit sehr viel Reisetätigkeit verbunden - aber wenn es sich irgendwie vereinbaren läßt, begleitet mich meine Frau. Natürlich bin ich beruflich stark engagiert, trotzdem wird sie so gut wie möglich mit eingebunden. Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Es sollte sich jeder Gedanken machen, wo seine Stärken liegen, was die nächsten beruflichen Ziele sind und dann konsequent an der Umsetzung arbeiten. Als wichtig erachte ich es auch, stets mit beiden Beinen am Boden zu bleiben; die Gefahr ist gerade in der heutigen Zeit sehr groß, den Bodenkontakt zu verlieren.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Auf die berufliche Karriere bezogen ist es mein Ziel, das jeweils nächste Projekt erfolgreich abzuschließen.
Ihr Lebensmotto?
Ich weiß, daß ich nichts weiß ist für mich ein sehr weiser und stimmiger Spruch.