Zur Karriere von Friedrich Karl Heindl
Welche waren die wesentlichsten Stationen Ihrer Karriere?
Ich besuchte in Preßburg die deutsch/evangelische Volks- und Hauptschule und anschließend in einem Abendlehrgang eine zweijährige Handelsschule. Neben dem Besuch der Abendhandelsschule war ich in den Betrieben meiner Eltern tätig, erlernte den Weinbau und gründete in sehr frühem Alter eine Angorakaninchenfarm, die, als ich mit 19 Jahren einrückte, einen Bestand von einigen hundert Tieren hatte. Ich beschäftigte mich bereits damals auch mit der Verwertung der geschorenen Angorakaninchenwolle, ließ diese spinnen, färben und verkaufte die daraus gewonnenen Strickgarne bzw. Wolle in einem von mir gegründeten Wollgeschäft. Ich war auch an der Gründung einer Angoraspinnerei mittätig und hatte damals den Generalvertrieb der Produktion dieser Spinnerei, deren Produkte ich im Groß- und Kleinhandel absetzte. Im August 1944 wurde ich zum Wehrdienst eingezogen und versuchte nach dem Ende des Krieges vorerst in Preßburg wieder eine Angorakaninchenzucht aufzubauen. Auf Grund des Abkommens von Jalta wurde unsere Familie, die sich 1938 bei der damaligen Volkszählung zur deutschen Muttersprache bekannt hatte, aus Preßburg ausgewiesen und ihres Besitzes enteignet. Meine Familie und ich fanden vorerst bei Verwandten in Wien und anschließend in Nickelsdorf im Burgenland Unterkunft, bis wir schließlich ein zerfallenes Bauernhaus neu aufbauten und eine zeitlang in diesem Haus wohnten. Ich hatte 1946 in Wien meine spätere Gattin kennengelernt und versuchte mit ihr gemeinsam in Wien eine Wohnung zu finden und uns eine Existenz aufzubauen. Im April 1947 gelang es mir eine vom Krieg stark zerstörte Geflügelfarm auf meinem derzeitigen Wohnsitz zu pachten und wir begannen hier von neuem mit dem Aufbau einer Angorazucht und einer Geflügelfarm. Ein Jahr später konnten wir bereits die selbst gesponnene und gefärbte Angorastrickgarne, die meine Frau und meine Schwester gemeinsam am Spinnrad herstellten, der Firma Braun am Graben zum Kauf anbieten. Es war dies die erste Angorastrickwolle die es damals in Österreich gab, und es gelang uns im Laufe der Jahre sowohl die Angorakaninchenfarm als auch die Geflügelfarm immer weiter auszubauen, und ich konnte schließlich 1954 das Grundstück kaufen. Im Laufe meiner fast 50-jährigen Tätigkeit in Inzersdorf konnte ich diesen Betrieb zu einem führenden Geflügelzuchtbetrieb in Österreich aufbauen, konnte durch eigene Zuchtprodukte am Aufbau der österreichischen Geflügelzucht mitwirken, war später maßgeblich bei der Einführung der amerikanischen Legehybriden, die für die Weiterentwicklung der heutigen Geflügelwirtschaft entscheidend waren, tätig und beliefere noch heute eine große Anzahl landwirtschaftlicher Kunden mit Küken und Jungtieren aller möglichen Geflügelzüchtungen und -arten. Die ursprüngliche Angorakaninchenzucht konnte ich zu einer gesamtösterreichischen Organisation erweitern. Es produzierten 1960 einige hundert österreichische Landwirte mit den von uns bezogenen Angorakaninchen im Rahmen kleinlandwirtschaftlicher Betriebe Angoraschurwolle, die sie an uns verkauften und die wir wieder sowohl als Rohmaterial ins Ausland exportierten und zu einem gewissen Teil veredeln ließen und wieder als Angorwäsche hier in Österreich verkauften. Zur Verwertung der Angoraschurwolle wurde 1954 mit meinem damaligen Teilhaber, Karl Kriz, eine eigene Firma gegründet, die in der Zwischenzeit der Sohn meines Teilhabers, Walter Kriz übernommen hat, der aber damit bereits aufgehört hat und jetzt die von mir gegründete Firma als Strickgarnegroßhandel betreibt und auf diesem Sektor eine führende Position hat. Die Verwertung der Schurwolle wird derzeit wieder mit gutem Erfolg von meiner Firma durchgeführt. In den 50er Jahren, in der sogenannten Entwicklungszeit der österreichischen Geflügelwirtschaft, beschäftigte ich mich auch mit der Futtermittelfabrikation, mit der Erzeugung von Brutapparaten, die zum Großteil in die Oststaaten exportiert wurden und auch eine zeitlang als Manager der Firma Königshofer, deren neue Futtermittelproduktion ich damals auf dem österreichischen Markt einführte. 1969 gründete ich auch einige Chemischputzereien, die ich bis zum Jahre 1984 selbst führte und dann an die derzeitigen Nachfolger verkaufte. In den 50er Jahren begann ich neben der Geflügelzucht und Angorakaninchenzucht mich auch mit dem Vertrieb von Tierzuchtgeräten und Tierzuchtartikeln zu beschäftigen. Diese ursprünglich auf die Geflügel- und Kleintierzucht spezialisierte Vertriebsfirma entwickelte sich aber mit der Zeit auf alle anderen Sparten der Tierhaltung, und mein Abholmarkt und Versandhaus zählt heute zu den führenden Unternehmungen Europas auf diesem Sektor. Es werden jährlich etwas 200.000 über hundert Seiten starke Kataloge im Farbdruck an Kunden in Österreich und die umliegenden Nachbarländer verschickt. Das Vertriebsprogramm wurde weiters durch meinen Sohn auch auf den Reitsport erweitert und umfaßt derzeit etwas 6.000 Artikelnummern. Durch in Eigenregie hergestellte Video-Tierhaltungsfilme sowie durch im Eigenverlag von mir herausgebrachte Fachbücher, wie zum Beispiel Heindl´s Kaninchen-ABC und Heindl´s Geflügel-ABC, steht unseren Kunden neben der persönlichen Beratung ein umfassender Informationsdienst zur Verfügung, wodurch den Interessenten Fachkenntnisse für die Tierhaltung vermittelt werden. In den verschiedenen Betrieben waren zweitweilig zwischen 60 und 80 Angestellte und Arbeiter beschäftigt. Mein derzeitiger Betrieb wird im Rahmen eines Familienbetriebes, in welchem meine beiden Söhne Peter und Friedrich, meine Gattin, zwei Schwiegertöchter, mein Neffe und zeitweilig auch meine Tochter neben etwa 15 Angestellten und Arbeitern mitarbeiten. Ich bin zwar trotz der vielen Arbeit und Unternehmungen kein sehr reicher Mann geworden, ich konnte mir zwar ein Haus und ein Grundstück schaffen, muß aber ansonsten recht fleißig die Dienste der Banken für die Finanzierung meines Lagers in Anspruch nehmen. Es ist nicht immer leicht die steigenden Kosten mit den Umsätzen und Gewinnen in Einklang zu bringen. Wir konnten aber alle bisher aus den Erträgen der Unternehmungen ohne fremde Hilfe leben. Ich freue mich, daß ich noch immer tatkräftig am Ausbau meines Betriebes mitarbeiten kann, und vor allem, daß das alte Pionier- und Unternehmerblut sowohl bei meinen Söhnen als auch bei meinen Geschwistern - mein Bruder konnte in den Nachkriegsjahren eine derzeit führende Schokoladenfabrik aufbauen und meine Schwester ein Modegeschäft - sich auch in der neuen Heimat bewährt hat. Das Schicksal hat mich mit einer lieben Frau, drei Kindern und sechs Enkelkindern gesegnet. Für meine Leistungen als Funktionär in den wirtschaftlichen Organisationen und in meinem Beruf wurde mir im September 1986 von der Wiener Landesregierung das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien und im Oktober 1986 vom Bundespräsidenten das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich verliehen. Mir ist bewußt, daß alle meine Leistungen nur möglich waren, weil wir in Österreich als gleichwertige Partner aufgenommen wurden und uns in einem freien, demokratischen Staat wirtschaftlich entfalten konnten.