Zum Erfolg von Margareta Hartner
Was ist für Sie persönlich Erfolg? Für mich ist beruflicher Erfolg, Verantwortung zu tragen und für meine Entscheidungen, Anerkennung zu ernten.
Sehen Sie sich selbst als erfolgreich?
Ja, immerhin habe ich meine jetzige Position erreicht. Heute hätte ich mit meiner Schulbildung, würde ich einen ähnlichen Job anstreben, keine Chance. Deswegen bin ich stolz darauf, mir selbständig mein Wissen angeeignet zu haben, um mit allen neuen Anforderungen fertig zu werden. Aus meiner Schulzeit konnte ich nicht viel mitnehmen, das lag zwar auch an mir, aber auch an den Lehrern. Da war die dreijährige kaufmännische Lehre schon viel produktiver. Man kann aber nicht alles wissen, also frage ich bei den Personen mit entsprechenden Kenntnissen um Rat - wenn ich irgendwo nicht weiterkomme. Ich kann mich nur zusammen mit meinen Mitarbeitern als erfolgreich sehen.
Was macht Ihren spezifischen Erfolg aus?
Ich achtete immer darauf mich weiterzubilden und mit meinen Aufgaben zu wachsen.
Welche Rolle spielen Familie und Mitarbeiter?
Die Mitarbeiter sind sehr wichtig, wenn nicht überhaupt das Wichtigste. Wir sind alle Mitarbeiter der Firma, niemand ist für sich allein erfolgreich - wir sitzen alle in einem Boot. Im privaten Bereich gibt mir mein Mann viel Rückhalt, es ist uns wichtig immer für einander da zu sein.
Wie werden Sie von Ihren Mitarbeitern gesehen?
Auf den Großteil meiner Mitarbeiter kann ich mich absolut verlassen, sie würden alles für mich tun. Welche Rolle spielen für Sie Niederlagen oder Rückschläge? Berufliche Niederlagen hatte ich eigentlich keine, wenn ich aber einen Rückschlag verzeichnen muß, bin ich zwei Tage deprimiert und richtig aufgewühlt. Ich komme nicht zur Ruhe, bis ich den Grund für mein Scheitern gefunden habe, dann kann ich mich wieder neu motivieren. Ich arbeitete eine Zeit lang für einen nicht sehr umgänglichen Chef, was dazu führte, daß ich meinen Frust an meinen Mitarbeitern ausgelassen habe. Das hat mich sehr erschreckt, denn so etwas darf nicht vorkommen. Ich bezeichne dieses Verhalten nach wie vor als persönliche Niederlage.
Haben Sie Vorbilder?
Ja, meine Mutter und meinen ehemaligen Chef bei der Firma Technopreß. Beide haben mich sozusagen menschlich geformt, weil sie mir geholfen haben, mein Selbstbewußtsein zu festigen. Mein Ex-Chef hat mir noch zusätzlich wichtigste berufliche Inputs mitgegeben. Das wichtigste, das ich von ihm übernommen habe, ist folgendes: Verlange nie mehr von deinen Mitarbeitern, als du selbst zu leisten bereit bist. Ich vertrage keine Ungerechtigkeiten, wenn ich nicht beweisen kann, daß das Ziel erreichbar ist, darf ich auch von niemanden erwarten, daß er die Aufgabe meistert.Haben Sie Anerkennung erfahren und welche Rolle spielt das für Sie? Anerkennung spielt beruflich eine große Rolle, denn sie motiviert mich und auch die Mitarbeiter. Erhöhter Lohn ist hier nicht so ausschlaggebend, wie die Anerkennung der Leistung unserer Abteilung durch unsere Kunden und die der Geschäftsleitung. Privat verstehe ich unter Anerkennung, daß man mich so akzeptiert wie ich bin.
Woher schöpfen Sie Ihre Kraft?
Früher schöpfte ich meine Kraft aus meiner Erziehung, nach dem frühen Tod meines Vaters hat mich meine Mutter zur Selbständigkeit erzogen. Sie hat nicht erwartet, daß ich mit sensationellen Noten nach Hause komme, sondern nur, daß ich die Schule schaffe. Nach meinem Abgang hat sie mich immer wieder unterstützt und gesagt, daß ich das tun muß, was ich kann und will. Heute schöpfe ich meine Kraft aus der Beziehung zu meinem Mann, der viele Interessen mit mir teilt. Früher, besonders in meiner ersten Ehe, kam der Beruf an erster Stelle, wir haben aber beide die Lebenserfahrung gemacht, daß das grundfalsch ist. Die Beziehung zu meinen Freunden ist mir auch sehr wichtig, aber mein Mann und ich stärken einander mental in entscheidender Weise. Ich vertrete grundsätzlich die Meinung, daß Schicksalsschläge von Zeit zu Zeit nötig sind, denn dann orientiert man sich neu. Wenn wir den Ausgleich zur Arbeit suchen, betreiben wir Sport, oder verreisen gerne.Ihre Zielsetzung? Mein Ziel war es immer, einen Job zu haben, der mir Freude bereitet und bei dem auch die finanzielle Seite stimmt. Privat wünsche ich mir, daß mein Mann und ich gesund in Pension gehen und noch viel miteinander unternehmen können. Wir haben noch viele Reisen vor uns.
Ihr Erfolgsrezept?
Man muß aus jeder Situation das Beste machen, bergauf geht es irgendwann immer. Ich habe mir nie erlaubt, mich gehen zu lassen. Ich war nie arbeitslos und hatte nur einmal kurz eine Anstellung, die mich nicht befriedigt hat, weil ich unterfordert war.Welchen Ratschlag würden Sie gerne weitergeben? Man darf nie zu lernen aufhören und immer weiter an sich arbeiten, wichtig ist auch Kritikfähigkeit. Entscheidend ist auch, daß man sich nicht zu sehr auf andere verläßt, wenn man eine höhere Position erreicht hat. Nach außen hin muß das natürlich schon so sein, aber ich kontrolliere die Arbeit meiner Mitarbeiter ohne ihr Wissen und lasse sie eventuelle Fehler selbst korrigieren. Als ganz wichtig erachte ich es, daß man den Grund für einen Mißerfolg immer zuerst bei sich und nicht bei anderen sucht. Es mag trivial klingen, aber die Einsicht, daß ich nur leben kann, wenn die Firma, in der ich arbeite, auch leben kann, ist wichtig. Diese Einstellung geht mir heute bei manchen jungen Leuten ab.