Zum Erfolg von Harald R. Raetzsch
Was ist für Sie Erfolg? Erfolg hat für mich vier Komponenten. Erstens, die wirtschaftliche: eine Tätigkeit, die mir selbst und anderen etwas bringt. Zweitens ist Erfolg relativ, gemessen am Marktanteil (man muß es unter die ersten drei schaffen). Drittens, der Bestand über einen gewissen Zeitraum - Erfolg sollte Dauer haben und darf nicht nur eine Sternschnuppe sein. Viertens, der persönliche Erfolg, wenn man seine Ziele - sowohl die wirtschaftlichen als auch die nicht monetären - erreicht.
Sehen Sie sich selbst als erfolgreich?
Ja, bisher ist es mir gelungen meine Ziele zu erreichen. In Europa sind wir die Nummer drei, weltweit sind wir mit fünf Prozent Marktanteil und nur 0,1 Prozent Rückstand auf den dritten, auf Platz vier. Wir haben aber in den USA noch einiges vor.
Wobei haben Sie erfolgreich entschieden?
Die konsequente Ausrichtung auf Internationalität - das war 1994-95, als ich mich entschied, global zu operieren. Beruflich war meine Entscheidung zuerst nach München und danach nach Silicon Valley zu gehen, um Erfahrung im Ausland und in Großunternehmen zu sammeln, die wesentlichste.
Wie sieht Sie Ihr Umfeld - als erfolgreich?
Ich glaube schon, weil es mir gelungen ist, in einem für Österreich untypischen Segment erfolgreich zu sein. In Österreich gibt es eine schlechte Infrastruktur, wie z.B. fehlendes Venture-Kapital, und trotzdem haben wir eine weltweit operierende Firma mit 80 Mitarbeitern aufgebaut. Was ist für Ihren Erfolg ausschlaggebend? Durchhaltevermögen, Hartnäckigkeit und Belastbarkeit - man darf weder bei technischen noch bei kaufmännischen Problemen aufgeben und muß immer um Kunden und die besten Mitarbeiter kämpfen.
Was macht Ihren spezifischen Erfolg aus?
Das beste Team zu haben. Die Qualität der Mitarbeiter ist das geistige Kapital. Eine gesunde Kapitalstruktur und internationale Präsenz. Das Produkt selbst ist nicht so wichtig wie Innovationskraft. Wesentlich sind Kompetenz und Innovation.Haben Sie diese Tätigkeit angestrebt? Sicher, eine Leadership-Funktion habe ich schon früh angestrebt. Mir wurde geraten Architektur zu studieren, jetzt bin ich Architekt von Ideen und Produkten.
Welche Rolle spielen Familie und Mitarbeiter?
Meine Familie teilt meine Ziele, bringt mir Verständnis entgegen und gibt mir wichtigen Rückhalt. Mitarbeiter sind das geistige Kapital und damit für Erfolg unentbehrlich.
Nach welchen Kriterien stellen Sie Mitarbeiter ein und wie motivieren Sie diese?
Mitarbeiter suche ich nach der Chemie, nach dem Feuer im den Menschen, die etwas bewegen wollen, nach bestmöglicher Kompetenz und maximaler Belastbarkeit aus. Sie haben Eigenverantwortung, hohen Entscheidungsspielraum, und erfolgsgerechte Bezahlung. Die Firma investiert viel ins Betriebsklima (z.B. Company-Days, Band, etc.), bietet ein lockeres Umfeld und eine flache Hierarchie. Um den Erfolg noch spürbarer zu machen, führen wir jetzt auch ein Mitarbeiter-Beteiligungsmodell ein.
Kennen Sie Niederlagen?
Niederlagen - das heißt die Nichterreichung von Zielen, z.B. wenn man einen Auftrag nicht bekommt - sind extrem wichtig, daraus kann man lernen und besser werden. Die Summe der überstandenen Niederlagen birgt einen großen Erfolgsaspekt, wenn man daraus lernt. Dabei spielen aber die Mentalitäsunterschiede auch eine gewaltige Rolle. In Europa sind Niederlagen etwas Stigmatisierendes, nicht so in den USA - dort bekommt man nach einem Flop sogar leichter Geld, weil sich die Bank sagt, der muß aus der Niederlage etwas gelernt haben und macht es beim nächsten Mal besser. Dort ist auch die Risikobereitschaft höher.Woher schöpfen Sie Ihre Kraft? Aus meinen Zielen und Visionen (zu den Top drei gehören) und dem Bewußtsein, daß man das nicht über Nacht schaffen kann. Ich weiß aber auch, daß ich nicht allein bin und meine Mitarbeiter diese Zielsetzung teilen.
Ihre Ziele?
Weltweit unter die Top drei zu kommen.
Haben Sie Anerkennung erfahren?
1991 war ich Jungunternehmer des Jahres, bekam 1998 den Innovationspreis des Landes Kärnten, war IBM RISC/6.000 Händler des Jahres 1992 und zweimal der Ingres-Distributor of the year in Europa. Anerkennung bekomme ich auch durch positive Reaktionen von Kunden und Partnern.
Ihr Erfolgsrezept?
Visionen kommunizieren und umsetzen zu können - Vision-Motivation-Exekution.
Haben Sie Vorbilder?
Ja, z.B. Richard Brandson oder Niki Lauda, die mit viel Mut unter extremem Konkurrenzdruck ein hohes Risiko eingingen und erfolgreich sind.
Ein Ratschlag zum Erfolg?
Man muß 100%ig engagiert und mit Leib und Seele erfolgshungrig sein. Bei jedem Kompromiß muß man sich überlegen, ob er etwas bringt oder nicht. Kompromisse können notwendig, aber auch sehr hinderlich sein.