Zum Erfolg von Lucie Loubé
Was ist für Sie Erfolg? Mein Erfolg war in meinem Leben, das ich vor dem Tierschutz führte, als ich die Agenden meines Mannes führte, deutlich anders als heute. Hier hat eine 180-Grad-Wendung stattgefunden.
Sehen Sie sich selbst als erfolgreich?
Ja, der Verein befand sich, als ich ihn übernahm, an einem Tiefpunkt, das Haus war veraltet und die finanzielle Situation war schlecht. Damals hatten wir neun Pfleger, heute haben wir 113 Mitarbeiter (Pfleger, Tierärzte und Tierschutzinspektoren), ein neues Haus und eine gut funktionierende Tierrettung mit fünf Rettungsautos, etc.. Natürlich war die Basis bereits da, der Wiener Tierschutzverein existiert ja bereits seit 1846.
Wobei haben Sie erfolgreich entschieden?
Die Entscheidung zu dem neuen Tierheim, das zum besten in Europa wurde. Das war eigentlich eine Utopie, heute wird unser Heim schon in Berlin, Vorarlberg, usw. nachgebaut.
Wie sieht Sie Ihr Umfeld - als erfolgreich?
Ich habe im Vorstand fast immer einstimmige Beschlüsse. Im Tierschutz bin ich sicher beliebt - auch bei den Politikern, weil ich nicht mit Gewalt, sondern mit Verhandlungsgeschick arbeite.
Was macht Ihren spezifischen Erfolg aus?
Beharrlichkeit, eiserner Wille und ich gebe nicht nach. Wenn ich mir etwas vornehme, dann weiche ich davon nicht ab und gehe keine Kompromisse ein. Ich scheue auch keine Spesen und ein das geht nicht gibt es für mich nicht. Erst vor kurzem haben wir vom Zoll 3.600 beschlagnahmte Wasserschildkröten bekommen. Da mußten wir innerhalb eines Tages alles anschaffen, was für diese Tiere nötig ist - allein die Vorbereitungen haben uns 40.000 Schilling gekostet und jetzt geben wir monatlich 24.000 Schilling für die Schildkröten aus.Haben Sie diese Tätigkeit angestrebt? Nein, ich wäre nie auf die Idee gekommen, das zu tun. Ich war immer tierfreundlich, habe mich aber nicht besonders für Tierschutz interessiert. Ich ließ meine Hunde bei dem Tierarzt impfen, der zufälligerweise der Ortsgruppenvorstand des Wiener Tierschutzvereins war. Der sprach mich an, ob ich nicht in den Vorstand des Tierschutzvereins wollte, weil der Name meines Mannes bekannt war, und er dachte, daß wir gute Verbindungen hätten. Damals wußte ich nicht, was mich erwarten würde. Erst später kam ich mit dem Wiener Tierschutzverein in intensive Berührung und war mit vielem nicht einverstanden. Damals stand ich in drei schlaflosen Nächten vor der Entscheidung, entweder alles zu vergessen oder etwas zu verändern. Zu dieser Zeit hätte ich dem Wiener Tierschutzverein kein Tier anvertraut.Nach welchen Kriterien stellen Sie Mitarbeiter ein? Die engsten Mitarbeiter sind schon seit Jahren bei mir.
Kennen Sie Niederlagen?
Für mich gibt es keine Rückschritte, jede Niederlage beinhaltet auch Erfolg. Ich werde daraus noch stärker.Woher schöpfen Sie Ihre Kraft? Aus der Überzeugung und dem Wissen, daß das kein anderer macht. Ich habe täglich Verantwortung und auch Kämpfe - mit Behörden, um Geld, usw..
Ihre Ziele?
Ich will möglichst viel erreichen, bin mir aber auch bewußt, daß ich trotzdem nicht alles erreichen werde.
Haben Sie Anerkennung erfahren?
Anerkennung für meine Person ist nicht wichtig, nur für die Sache.
Ihr Lebensmotto?
Zum Wohle für Mensch, Tier, Umwelt und für ein humanes Leben.
Haben Sie Vorbilder?
Nicht direkt. Im Unterbewußtsein hat mich sicher der Gründungspräsident unseres Vereines sehr stark beeindruckt und geprägt.Ein Wort an die Menschen? Man sollte etwas mehr Phantasie haben und sich vorstellen können, was in einem Tier vorgeht, wenn man es in einem Heim - auch wenn es das beste ist - abgibt. Wer ein Tier hat muß auch die Verantwortung übernehmen. Tiere soll man auch nicht vermenschlichen. Mit meinem Lebensmotto ist eigentlich alles gesagt.