Zum Erfolg von Harald Wallner
Was ist für Sie Erfolg? Zufriedenheit und mit sich selbst im Reinen sein, das heißt sich in den Spiegel schauen zu können. Auch das Überwinden des täglich auftretenden, inneren Schweinehundes. Nehmbare Hürden zu überwinden. Man kann dann und wann auch scheinbar unüberwindbare Hürden bewältigen, aber das ist eher selten.
Ihr Erfolgsrezept?
Meine Maxime ist der Umgang mit unserer Zeit. Ob arm oder reich, alle haben das gleiche Zeitkapital und was man damit anfängt ist der Schlüssel zum Erfolg. Mit wem ich die Zeit verbringe und was ich damit mache. Wichtig ist auch eine gute Vorbereitung. Wenn man wo mitreden will, darf man den anderen nie für unkluger halten, als man selbst ist. Ich versuche so bei Verhandlungen immer den ersten Schritt zu machen. Ich bin als junger Mensch immer zu spät gekommen, das war entsetzlich, denn ich mußte mich immer verantworten. Wenn man pünktlich und vorbereitet ist, kann man selbst die Diskussion beginnen und damit das erste Zeichen setzen. Nach meiner Krebsoperation bin ich zu folgender Überzeugung gekommen: Gesund werden kann man nur über eine Krankheit. Wichtig für Erfolg ist auch eine passende Partnerin, diese habe ich erst in der dritten ehe gefunden. Unter normal veranlagten Menschen ist eine weibliche Partnerin das Unterpfand des Glücksgefühls und der Zufriedenheit. Wenn das alles funktioniert, habe ich ein festes Fundament um dann an alle Möglichkeiten und Probleme heranzugehen und diese zu lösen. Im Büro sind wir ein hervorragendes Team mit etwa zehn Mitarbeitern - wir bewältigen aber Projekte für die man sonst wesentlich mehr Mitarbeiter benötigen würde. Es gibt bei uns auch nie einen lauten Ton, das Klima bei uns ist sehr familiär. Außerdem finde ich es sehr wichtig, nicht aufzufallen, nicht unbedingt in jeder Zeitung präsent sein - diese Selbstbeweihräucherung lehne ich ab. Ich kenne Architekten, die haben fünf Mitarbeiter im Konstruktionsbüro, das PR-Büro ist aber dreimal so groß. Ich pflege die stille, effiziente Arbeit mit dem Mit-teilhaben lassen der Mitarbeiter, das heißt sie müssen sich genauso freuen können wie ich. Unsere Mitarbeiter sind kommerziell miteingebunden, also gut bezahlt damit sie nicht ans Pfuschen denken müssen. Visionen zu haben ist auch sehr wichtig. Mein Großvater z.B. wollte schon vor 90 Jahren St. Pölten zur Landeshauptstadt machen. Ich habe meine Diplomarbeit vor ca. 45 Jahren über die Landeshauptstadt St. Pölten geschrieben und gezeichnet. Das wichtigste in der Architektur ist die Einstellung zu den soziologischen Problemen - den Menschen in den Mittelpunkt aller Überlegungen zu stellen. Auch hatte ich das Glück, in der Staatsgewerbeschule in Salzburg mit einem imponierenden Jahrgang beisammen sein zu können. So einen erfolgreichen Jahrgang wird es nicht mehr so schnell geben. Meine Kollegen waren Holzbauer, Gsteu, Achleitner, Gach, Puchhammer und Kurrent. Heute viele davon Universitätsprofessoren oder Architekten höchster Rangordnung. Es war dies der erste Jahrgang nach dem Krieg. Nach Ablegung der Baumeisterprüfung erkannte ich, daß mir noch sehr viel Wissen fehlt, da entschloß ich mich zum Studium. Meinem persönlich hochverehrten Lehrer Prof. Roland Rainer habe ich so viel zu verdanken, daß es hier nicht möglich ist, alles niederzuschreiben. Eines aber vor allem schon, daß die Selbstverwirklichung des Architekten nur dort stattfindet, wo er mit seinen Bauwerken den Menschen dient (und nicht sich selbst).
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Das war die Entscheidung für meinen Beruf. Schon als kleines Kind wollte ich bauen, ich bin quasi in der Mörteltruhe geboren. Mein Großvater war Baudirektor in St. Pölten, meine Eltern erfolgreiche Bauunternehmer.Nach welchen Kriterien stellen Sie Mitarbeiter ein? Fachliche Kompetenz und Offenheit. Jeder Mensch hat Fehler und ich lege darauf wert, daß jeder seine Fehler einbekennt und auch Schwächen aufzeigt, dann wird man ihn mit solchen Dingen nicht unsinnig belastet. Die Gabe, Fehler nur einmal zu machen, ist sehr wichtig.Welche Rolle spielt Anerkennung für Sie? Anerkennung freut mich schon sehr. Anerkennung ist dann, wenn man vor sich selbst aber auch vor den Bauherren weiß, daß man seine Aufgabe gut gemacht hat.Was verstehen Sie unter einer Niederlage? Die Niederlage ist für mich das Zeugnis des Unvermögens, ich leide sehr darunter. Meistens hat man falsch begonnen, da wären wir wieder bei der Vorbereitung und wie wichtig sie ist. Gute Vorbereitungen und eingrenzen der Risikobereitschaft helfen, Niederlagen zu vermeiden. Ganz wichtig ist, sich nicht unterkriegen lassen - nie aufgeben. Niederlagen verarbeiten und wegstecken. Wichtig ist natürlich auch richtiges Panikverhalten, daß ist eine Sache von Bildung und Veranlagung. Um dies zu schulen, bin ich früher selbst mit Begeisterung geflogen. Das Absolute beim Fliegen hat mich fasziniert, zu wissen, daß es in der Luft keinen Pannenstreifen gibt.
Ihre Ziele?
Ich habe einen schönen Beruf, der zugleich mein Hobby ist, und möchte so lange wie möglich aktiv arbeiten bzw. so lange es mir der Herrgott schenkt. Wenn ich mir z.B. die Lebensbedingungen eines Beamten ansehe, der wenig oder kaum zu Erfolgen selbst aktiv etwas beitragen kann, tut er mir von Herzen leid. Ob er viel oder wenig verdient, tut nichts zur Sache. Wir haben dagegen die tägliche Auseinandersetzung und die Herausforderung uns zu bewähren. Es ist übrigens wunderschön, Verantwortung übernehmen zu dürfen, aber auch Verantwortung tragen zu können. Jedes Bauvorhaben ist ein Unikat und dadurch natürlich mit Fehlern behaftet. Unsere Bauherren bezahlen uns eigentlich auch für das Üben, damit wir in der Lage sind, das nächste Bauwerk besser und perfekter ausführen zu können. Von diesem Ziel sind wir besessen.
Ihr Lebensmotto?
Drei Dinge: 1. Gesundheit ist nicht alles, aber alles ist nichts ohne Gesundheit. 2. Alles was gut funktioniert schaut auch gut aus. 3. Ich zitiere abgewandelt Saint d`Expiry: im Leben entwickelt sich alles vom Primitiven über das Komplizierte zum Einfachen. Wir stehen vor dem Tor des Einfachen.