Zum Erfolg von Karl Ditz
Was ist für Sie persönlich Erfolg? Wenn ich Produkte erzeuge, die bei Kunden, Freunden und Fachleuten ankommen und von ihnen honoriert werden. Wenn jemand sagt, dieses Produkt schmeckt mir. Es ist egal ob es Wein, Destillate oder es andere Produkte sind. Wenn ich irgend etwas mache, womit die anderen zufrieden sind. Dies alles ist für mich Erfolg. Auch wenn ich jemandem helfen kann und der meine Hilfe anerkennt, betrachte ich das als Erfolg. Was ist das Rezept für Ihren Erfolg? Die Qualität des Weines ist mit viel Arbeit verbunden. Man muß von der Rebe bis in die Flasche immer wieder kontrollieren. Man muß dabei gewisse Prinzipien einhalten und durchziehen. Für mich ist hoher Standard Pflicht. Mein Professor in der Weinbau-Fachschule hat mir immer erklärt, das wichtigste Kriterium für guten Wein ist die Sauberkeit. Das ist auch das oberste Gebot der Kellerwirtschaft. Der Erfolg im Weinbau und mit den Destillaten liegt in der Reinlichkeit. Für mich ist es wichtig, ein Produkt zu erzeugen, daß nicht nur mir schmeckt, sondern auch den Kunden. Wenn ein Produkt mir persönlich aber auch den Kunden und Fachleuten schmeckt, habe ich offensichtlich den richtigen Geschmack getroffen. Der Jungwein ist wie die Geburt eines Kindes. Man hegt und pflegt es bis es erwachsen ist. Jedes Jahr ist das verschieden, wie bei den Kindern. Auch bei den Weinen ist es so, man kann sie zwar vergleichen, aber sie sind nie wirklich gleich. Der kürzeste Abschnitt im Leben eines Rebstockes ist ein Jahr. Wir denken beim Wein in Jahrzehnten und in Generationen. Wenn ich heute einen Rebstock pflanze muß ich mir im klaren sein, wohin die Entwicklung geht. Ein Rebstock muß mindestens 15 Jahre stehen, um sich zu amortisieren. Nach dem 15. Jahr hat man erst einen Reingewinn. Je länger und je älter desto besser. Je älter der Rebstock wird, desto geringer wird der Ertrag, er trägt kleinere Trauben und die Qualität steigt. Im Jahr 1992 habe ich Rebstöcke mit einem Alter von 62 Jahren gerodet. Diese Rebstöcke pflanzten mein Vater und sein Bruder im Jahr 1930. Eine Rekultivierung war ich mehr möglich, weil zu viele Rebstöcke gefehlt haben.Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei ihrem Erfolg? Sie spielen eine große Rolle, weil sie dazu beitragen, daß der ganze Ablauf funktioniert. Ich könnte aufgrund der Größe des Betriebes die anfallende Arbeit allein mit meiner Frau nicht bewältigen. Ich habe Praktikanten, die zwar hilfreich sind, aber ich muß ihnen auch etwas beibringen. Ich beschäftigte bereits Ungarn und jetzt sogar Franzosen. Während der Lese beschäftigen wir ca. 15 Mitarbeiter. Während des übrigen Jahres beschäftigen wir pensionierte Berufskollegen. Ich selbst arbeite gern, aber ich komme immer öfter an den Punkt, wo es mir zuviel wird. Dann beginne ich über die Lebensqualität nachzudenken.Nach welchen Kriterien stellen Sie Ihre Praktikanten ein? Ich bespreche mich mit dem Direktor der Weinbau-Fachschule und aufgrund der Empfehlung der dortigen Lehrer stelle ich sie ein. Wichtig ist mir, wenn dringende Arbeiten anfallen, daß sie auch zur Stelle sind. Wir sind hier wie eine Großfamilie, mit all ihren Sonnen- und Schattenseiten.Welche Rolle spielt Anerkennung für Sie? Anerkennung ist zwar schön, aber nicht unbedingt wichtig. Interessant bei der Anerkennung ist, daß man oft für etwas Anerkennung bekommt, wofür man sich nicht sonderlich bemüht hat. Ein anderes Mal gibt man alles, was einem zur Verfügung steht, es kommt aber bei den Kunden nicht an und man bekommt keine Anerkennung dafür.Spielen Niederlagen in Ihrer Karriere eine Rolle? Eine klassische Niederlage habe ich bis jetzt noch nicht miterleben müssen. Es gibt aber Projekte denen ich schon lange nachlaufe, die sich aber nicht realisieren lassen, weil die Beamten bremsen.
Woraus schöpfen Sie Ihre Kraft?
Einer meiner Lieblingsbeschäftigungen ist, in einer Ecke zu sitzen und die Menschen zu beobachten. Wenn es wieder einmal dazu kommt, daß uns die Arbeit über den Kopf zu wachsen scheint, dann genügt es, wenn wir uns einige Tage zurückziehen und entspannen. Dann gehen wir in die Berge wandern, dort finden wir dann die notwendige Entspannung und schöpfen wieder Kraft. Ich betreibe auch autogenes Training. Aber auch der Aufenthalt in der Natur entspannt mich. Persönliche Zielsetzung, was wollen Sie gern erreichen? Zum Erreichen von Zielen gehört auch Glück. Ich möchte diesen Hof in seiner Art erhalten können. Ein besonderes Anliegen ist mir die Erhaltung der Tradition.