Zum Erfolg von Alfred Reiter
Was verstehen Sie unter Erfolg? Erfolg bedeutet für mich als Unternehmensleiter, daß ich im Wettbewerbsgeschehen die Zeichen der Zeit erkenne und danach handle. In einem Unternehmen tätig zu sein heißt auch, daß man zum Unterschied von der Welt des Staates die Gnade der täglichen Abstimmung der Märkte hat, somit eine tägliche Rückkoppelung vorliegt. Jeden Tag laufen die Personal- und Sachaufwendungen weiter und man hat die Reaktion des Kunden, das heißt, freie Märkte entscheiden autonom ob die Produkte, die man hat, angenommen werden oder nicht. Wichtig ist, daß man sich im beruflichen Alltag immer in den Spiegel schauen kann, das heißt, daß man korrekt handelt. Meiner Ansicht nach ist man im großen Ausmaß von Menschen abhängig, die für einen wichtig sind (Eigentümer, Aufsichtsratsmitglieder, Mitarbeiter, Kunden etc.). Es ist sehr wichtig, daß man sich als Person den Erfolg letztlich selbst definiert. Es kann durchaus sein, daß es zu einem Mißerfolg kam, unabhängig davon, daß man sein Möglichstes getan hat. Auch dies ist als eine Art von Erfolg zu werten. Für den beruflichen Alltag braucht man neben Fachwissen charakterliche Kompetenz; man muß die Bereitschaft haben, an sich selbst zu arbeiten, harte Maßstäbe an sich selbst anzulegen und mit Offenheit in den Alltag zu gehen. Wenn man so manches nicht kennt und auch nicht kann, so muß man dies offen beim Namen nennen. Ich persönlich halte sehr viel von offener Kommunikation. Taktik hat im Berufsleben nichts verloren.Woher schöpfen Sie Kraft? Ich glaube, daß die Erziehung für jeden Menschen eine sehr große Rolle spielt. Auch die Neugierde, welche beim Lernen wesentlich ist, hat ihre Berechtigung. Goya, einer der größten Maler, hat sein letztes Selbstbildnis Immer noch lerne ich! genannt - dies zeigt von menschlicher Größe. Immer in Bewegung zu bleiben ist für einen Erfolg von unglaublicher Bedeutung.Wie sehen Sie die Bereiche Beruf/Privatleben ? Diese Bereiche kann man nicht trennen. Wenn eine harmonische Partnerschaft vorliegt, hat dies auch seine Auswirkung auf den Beruf. Ich sehe hier fließende Übergänge, denn man sollte ein universelles Leben führen. Die Familie, bzw. die Partnerin soll wissen, was man im Büro macht; die wenigsten Frauen von Managern wissen, was ihre Männer beruflich wirklich tun.Wie erfolgt die Motivation der Mitarbeiter? In einer Bank kommt es ganz besonders zum Ausdruck, daß es auf die einzelnen Mitarbeiter ankommt, obwohl mir das Wort Mitarbeiter nicht gefällt, da es den Anschein erweckt, daß der Mitarbeiter das fünfte Rad am Wagen ist. In Wahrheit schaut es anders aus, das heißt, die Arbeit der einzelnen Person soll und muß sichtbar werden. Da wir auch ein nicht sichtbares Produkt vertreiben sollte man die Leistungen der Kreditwirtschaft sichtbar machen. Unsere Unternehmung ist eine Gruppe von Menschen, welche auf einem Weg in eine ungewisse Zukunft ist - diesen Weg müssen wir selbst suchen, und dann auch gehen.Wie sehen Sie die Situation mit den Mitbewerbern? Wir sind eine Besonderheit, das heißt, eine reine Unternehmensfinanzierungsbank, größtenteils im Eigentum der österreichischen Universalbanken. Wir sind in unserem Bereich teilweise Konkurrent der Eigentümer. Wir haben gelernt mit dieser Situation zu leben. Wichtig ist, daß wir in Käufermärkten leben und uns um die Kunden intensiv bemühen müssen. Wir müssen für den Kunden immer da sein, dürfen ihm aber nie auf die Nerven gehen !
Sehen Sie sich selbst als erfolgreich?
Ich glaube schon, weil ich im Unternehmen so manches bewegt habe. Ausschlaggebend hierfür ist für mich, daß ich mir die Frage stellte, wie meine Situation gegenüber der eigenen Belegschaft und den Eigentümern ist. Ehrlich sein ist die Devise. Es hat keinen Sinn etwas zu verdrängen, was so manche Österreicher gerne tun.