Zum Erfolg von Rolf Jens
Was verstehen Sie unter Erfolg? Beim Erfolg gibt es eine persönliche und eine berufliche Dimension. Im persönlichen Bereich bedeutet Erfolg zufrieden zu sein, sein Auskommen zu finden und das zu haben, was man sich vom Leben erwartet. Im beruflichen ist es etwas bewirken zu können und von Seiten der Patienten ebenso wie von Kollegen positive Rückmeldungen und Achtung zu bekommen. Je nach persönlicher Einstellung werden diese Bereiche unterschiedlich bewertet.
Sehen Sie sich selbst als erfolgreich?
Würde mir das Leben nichts mehr zu wünschen überlassen, wäre es fad. Erfolgreich ist jemand, wenn er viele seiner Ziele erreicht hat. Ich habe noch nicht alles erreicht, es wäre aber auch traurig, wenn ich schon alles erreicht hätte, denn dann müßte ich abtreten.Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen - als erfolgreich? Ja, man sieht meine Ordination mit überdurchschnittlich hoher Patientfrequenz und daß ich bei meiner Kammertätigkeit verschiedene Vorhaben realisieren konnte. Von Patienten habe ich den Eindruck, daß diese meinen, daß ich mich sehr engagiere und um sie kümmere.
Wobei haben Sie erfolgreich entschieden?
Ich entschied mich schon früh, als niedergelassener Arzt zu arbeiten und habe mich dementsprechend ausgebildet. Ich hätte auch im Spital bleiben und Oberarzt werden können, habe aber dreimal einen solchen Posten abgelehnt. Ob diese Entscheidung richtig oder falsch war ist schwer zu beurteilen, da ich nur die eine Seite kenne. Manche Karrieren von Kollegen in Spitälern bewundere ich, andere wieder weniger.
Haben Sie diese Tätigkeit angestrebt?
Ursprünglich wollte ich Unfallchirurg werden, stellte aber bald fest, daß ich mit hierarchischen Strukturen, wie sie in Spitälern herrschen Probleme habe. Daraus resultierte die Bauchentscheidung mich in meiner eigenen Praxis an die Spitze der Hierarchie zu stellen.
Was ist für Ihren Erfolg ausschlaggebend?
Um erfolgreich zu sein muß man sein Handwerk beherrschen. Außerdem gehört ein hohes Maß an Empathie dazu, das heißt man muß den Patienten mit Zuwendung gegenübertreten, so daß er sich angenommen fühlt, muß aber gleichzeitig in der Lage sein sich von seinem Leid zu distanzieren.Was macht Ihren Erfolg in der Kammertätigkeit aus? Meine Kollegen waren offensichtlich davon überzeugt, daß ich für die Aufgaben der Richtige bin, weil ich Hartnäckigkeit mit konziliantem Umgang vereine.Was ist für den Erfolg hinderlich? Fühlt sich ein Patient unverstanden, treibt man ihn aus der Ordination.Welche Rolle spielt die Familie? Mein privates Umfeld ist so geordnet, daß ich mich darin wohlfühle, für mich ist das wesentlich.Nach welchen Kriterien stellen Sie Mitarbeiter ein? Ich habe derzeit fünf Angestellte, die ich nach Teamfähigkeit und Sympathie ausgewählt habe.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Motivation muß, durch Übertragung von Eigenverantwortung und Freiräumen, täglich passieren.Was bedeutet für Sie eine Niederlage? Darunter verstehe ich, daß man ein gestecktes Ziel mit seinen Mitteln nicht erreichten kann. Mir gefällt das Wort Enttäuschung besser, denn das beinhaltet, daß man sich getäuscht haben muß. Solch eine Niederlage muß man sich eingestehen können, je früher man sich ein Scheitern eingesteht, umso besser ist das für den Patienten. Merke ich, daß ich ein Ziel nicht erreiche, so versuche ich nachzujustieren und das Ziel zu hinterfragen. Eventuell führt ein Weg um dieses Ziel herum zum nächsten Etappenpunkt..
Ihre Ziele?
Das Leben sollte nicht so vorbeigehen, daß man keine Spuren hinterläßt. Man muß auch den Unterschied zwischen Wunsch und Zielvorstellung erkennen.Bekommen Sie ausreichend Anerkennung? Zweifelsohne bekomme ich viel Anerkennung, die ich auch genieße.
Haben Sie Vorbilder?
Mein Vater war eine prägende Figur in meinem Leben.
Anmerkung zum Erfolg?
Im Zuge dieser Studie sollte man auch Menschen, die sich selbst nicht als so erfolgreich sehen befragen. Häufig werden bei solchen Studien die falschen Menschen befragt, z.B. wurden in Japan nach dem Atombombenabwurf nur die Erkrankten, nicht aber die Gesunden untersucht. Das wäre aber zumindest ebenso wichtig gewesen.