Zum Erfolg von Brigitte Herdlicka
Was verstehen Sie unter Erfolg? Erfolg ist für mich dann gegeben, wenn meine Arbeit von meinem Umfeld positiv empfunden wird und mir Spaß und Freude bereitet. Neben dem Fachwissen ist es besonders wichtig, ein hohes Maß an Flexibilität zu haben. Ebenso zählt dazu, die Fähigkeit zu besitzen unter Druck zu arbeiten. In meinem Job gibt es einen unglaublich großen Anteil an Tagesgeschäft, das heißt, ein Journalist wendet sich nicht drei Wochen vorher an mich, weil er Information benötigt, sondern er braucht sie schon zwei Stunden später, um diese in einem Artikel zu verarbeiten. Für diesen Fall kann man sich rüsten, indem man die Basis-Information bereits in der Tischlade hat. Dies kann jedoch natürlich nur die Basis sein; man wird schließlich auch zur Verantwortung gezogen, wenn diese Informationen nicht den Vorstellungen des Unternehmens entsprachen. Mein Gesprächspartner muß dies aber auch zu hundert Prozent verstehen, obwohl er kein Brancheninsider ist. Unsere Branche stellt sehr hohe Anforderungen an die Fachjournalisten. Manchmal kommt es vor, daß etwas publiziert wird, weil der Journalist etwas anderes verstand, oder der Background zu diesem Thema nicht so war, wie ich es mir vorstellte. Ich versuche daher immer wieder die gewünschten Themen eßfertig zu servieren, um den Spielraum des Anders verstehen, also das Risiko, möglichst gering zu halten, und dies ist immer wieder ein vordergründiges Thema bei meiner Arbeit.Woher kommt die Triebfeder? Mich reizt, die Herausforderung anzunehmen. Wesentlich ist sicherlich meine Grundeinstellung, denn ich habe gerne mit Menschen zu tun. Ich verwende gerne die neuen Medien, da sie meinen Job erleichtern, den persönlichen Kontakt können sie aber nicht ersetzen.
Sehen Sie sich selbst als erfolgreich?
Ja, weil ich sehr stolz bin, daß ich hier im Hause eine sehr hohe Akzeptanz genieße und mir der Einstieg trotz langer Kinderpause völlig mühelos gelang.Was war dafür ausschlaggebend? Meine positive Einstellung und die Bereitwilligkeit mit den Menschen zu kommunizieren. Wenn ich ein Motto für meinen Arbeitsstil hätte, würde dies lauten: Behandle die Menschen so, wie du behandelt werden möchtest.Wie sehen Sie die Bereiche Beruf und Privatleben? Diese Bereiche kann man nicht trennen, aber man schafft es sie unter einen Hut zu bringen. Vorraussetzung dafür ist, daß - sofern vorhanden- Kinder ein gewisses Alter erreicht haben. Die Entscheidung, Kinder in die Welt zu setzen ebenso bewußt gefallen, wie jene, entsprechend lang eine Kinderpause - in meinem Fall immerhin 12 Jahre - einzulegen. Eine Zeit, die ich sehr genossen habe. In diesem Zeitraum habe ich manchmal projektbezogen für kleine Agenturen gearbeitet - eben dann, wenn es sich mit meinem Familienleben vereinbaren ließ. Und irgendwann war es ja auch soweit, ohne schlechtes Gewissen wieder in den Beruf einsteigen zu können. Welchen Stellenwert hat der berufliche Ausgleich für Sie? Einen sehr hohen. Ich bemerkte letztes Jahr, daß ich aus zeitlichen Gründen keinen Urlaub gemacht habe und meine persönlichen Interessen immer mehr in den Hintergrund traten. Dies steigerte sich in einen Unzufriedenheitsgrad; wenn man jedoch ausgebrannt ist, kann man seinen Job nicht effizient erledigen.