Zum Erfolg von Wolfgang Prochazka
Was ist für Sie Erfolg? Erfolg ist in erster Linie ein relativer Begriff, der sich auf den wirtschaftlichen oder sportlichen Bereich, ebenso wie auf soziale oder weitere Ebenen erstrecken kann. Unter Erfolg verstehe ich, sich von anderen abzuheben, was immer auch die Bezugsgruppe ist und welche Benchmarks man dazu heranzieht. Erfolg bedeutet auch von anderen anerkannt zu werden, als jemand der bedeutsamer ist und mehr erreicht hat als andere. Erfolg kann man auch unabhängig von Zielen erreichen, (z.B. aufgrund von Talenten, wenn Künstler entdeckt werden), auch wenn man mit Zielen vermutlich leichter erfolgreich wird.
Sehen Sie sich selbst als erfolgreich?
Innerhalb meiner Branche gibt es erfolgreichere und weniger erfolgreichere als mich, im weitesten Sinne sehe ich mich aber schon als erfolgreich an.Wie sieht Sie Ihr Umfeld – als erfolgreich? Die meisten meiner Bekannten sind selbst erfolgreich und jeder hat es auf seinem Gebiet zu etwas gebracht. Da unterscheide ich mich nicht. Die WWG gilt in der Branche als eine erfolgreiche Organisation, die die Transferfunktion zwischen der Werbewissenschaft und der Praxis erfüllt. Auch der Universitätslehrgang Werbung und Verkauf ist eine seit 50 Jahren erfolgreiche Institution. In meiner selbständigen Tätigkeit als Werbe- und Marketingberater bin ich eher kleinbetrieblich organisiert und werde daher in der Öffentlichkeit weniger wahrgenommen.
Wobei haben Sie erfolgreich entschieden?
Die Schlüsselentscheidung war sicher die Studienentscheidung. Ich begann neben BWL auch Medizin zu studieren, konzentrierte mich jedoch nach zwei Semestern voll auf Werbung und Marktforschung. Das Medizinstudium gab ich deshalb auf, weil der Vorbau bis man zu dem kommt, was mich interessiert hätte zu lange dauerte. Das ist beim BWL-Studium nicht der Fall und auch die Betreuung der Studenten ist, da die Vorlesungen nicht so überfüllt waren, individueller.Wann und wie erkannten Sie Ihre Fähigkeiten? Für diesen Beruf entschied ich mich, da mich Dienstleistungen, Kreativität und die Beziehung zu Kunden immer schon interessierte und ich durch meine Tätigkeit für den ORF schon früh Kontakt zu Medien bekam.Was war für Ihren Erfolg ausschlaggebend? Kommunikationsfähigkeit und Effizienz (Konzentration auf das Wesentliche) ebenso wie soziale Kompetenz (das heißt mit anderen Menschen gut auszukommen und sich in sie hineindenken zu können).Warum wurden Sie für diese Position ausgewählt? Ich hatte einen sehr guten Notendurchschnitt, fiel bei der mündlichen Abschlußprüfung angenehm auf und aufgrund personeller Veränderungen am Institut hatte sich die Position gerade zur rechten Zeit ergeben.Was ist für Erfolg hinderlich? Chancen zu verpassen und angebotene Möglichkeiten abzulehnen. Im Leben ergeben sich nur einige Chancen, die man ergreifen muß. Auch ein fehlendes Mindestmaß an Sozialkompetenz und ständig überall anzuecken ist für Erfolg hinderlich.Welche Rolle spielt die Familie für Ihren Erfolg? Ich entstamme einer erfolgreichen Familie. Mein Vater hatte eine bunte Karriere als Prokurist eines Unternehmens, im Schuldienst am TGM und als stellvertretender Chefredakteur einer internationalen Fachzeitschrift für Flugwesen. Da ich seit meiner Kindheit auch mit erfolgreichen Bekannten in Kontakt stand, wurde ich schon früh in diese Richtung geprägt.Und das berufliche Umfeld? Die WWG war bei meinem Eintritt bereits etabliert, hatte aber noch Entwicklungspotential und auch die gesamte Abteilung war erfolgreich. So war das berufliche Umfeld für eine erfolgreiche Entwicklung besonders günstig.Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Neben Verläßlichkeit, Loyalität zum Unternehmen, fachlicher Kompetenz, der Bereitschaft zur Weiterentwicklung und an der Aufgabe zu wachsen muß Entwicklungspotential gegeben sein, die Vorstellungen über Gehalt und persönliche Entwicklung müssen realistisch sein und er muß ins Team passen.Wie motivieren Sie diese? Motivation spielt eine große Rolle. Jeder muß eine gewisse Eigenmotivation mitbringen und bereit sein Schwierigkeiten zu meistern. Fremdmotivation entsteht aus dem Arbeitsklima, indem man sich in die Mitarbeiter hineinversetzen kann und indem er ehrlich über die jeweilige Situation informiert wird.Woraus schöpfen Sie Kraft? Aus meinem allgemein guten Gesundheitszustand, Robustheit, der Freude an der Arbeit, da ich von dem was ich mache überzeugt bin, und aus dem Erfolg selbst.
Ihre Ziele?
Im wesentlichen habe ich erreicht was ich mir vorgenommen habe. Mein persönliches Ziel ist 100 Länder zu bereisen (in 56 Ländern war ich schon), vielleicht werde ich auch noch einmal Reiseleiter oder mache etwas ganz anderes, wie z.B. die Beschäftigung mit Grundsatzwissenschaften (Religion, Philosophie) und laufe vielleicht Marathon.Bekommen Sie ausreichend Anerkennung? Als Lehrender hat man automatisch Resonanz. Im Rahmen der WWG erhalte ich Anerkennung durch die positive Beurteilung der Publikationen und Fachveranstaltungen und als Berater von zufriedenen Kunden und erreichte Werbeziele.
Ihr Lebensmotto?
Als Unternehmen lautet mein Motto: „klein aber fein“ – ich will als Selbständiger flexibel, wendig und unabhängig agieren können.
Anmerkung zum Erfolg?
Ob sich jemand als erfolgreich sieht, hängt von den eigenen Zielvorstellungen ab. Ein objektiv Erfolgreicher kann sich als erfolglos sehen oder umgekehrt. Manch einer fühlt sich mit einem Genügend als erfolgreich und andere fühlen sich mit einem Gut als erfolglos. Manch einer ist in seinen Zielvorstellungen unrealistisch. Nicht nur zahlreiche Start-ups, auch mancher Großkonzern hat ein stupides Erfolgsdenken, das auf ständiger Verdoppelung des Marktanteils aufbaut. Ein zu verallgemeinerndes Erfolgsdenken führt geradezu zum Mißerfolg. Ebenso wenig zielführend ist, sich zu langfristige Ziele zu setzen, da sich Märkte oftmals innerhalb weniger Monate ändern können.