Zum Erfolg von Roswitha Walch
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet Befriedigung innerhalb meiner Tätigkeit, die finanziellen Nutzen bringt. Als Beispiel möchte ich meine Beteiligung an einer Firma nennen, die zwar ein gutes Produkt anbot, durch schlechte Führung jedoch vor dem Konkurs stand. Durch meine Investition und jene anderer Partner konnten wir die Firma retten und ihr die Möglichkeit geben, sich zu einem florierenden Unternehmen zu entwickeln.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Darüber habe ich eigentlich noch nie nachgedacht. Ganz sicher übe ich meinen Beruf nicht aus Erfolgssucht aus. Ich bin jedoch stolz darauf, daß unsere Kanzlei zu den sechs größten in Linz gehört, wobei mir nicht das damit verbundenen Prestige wichtig ist, sondern meine eigene Zufriedenheit.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Die absolute Überzeugung, mit der ich meiner Tätigkeit nachgehe, persönlicher Einsatz, hundertprozentige Identifizikation mit meiner Arbeit, Problemlösungsfähigkeit und Durchhaltevermögen. Durch schwierige Situationen fühle ich mich gefordert und angesprochen und denke nicht daran, aufzugeben.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
1987 war das Jahresergebnis der Kanzlei erstmals sehr zufriedenstellend und neue Kunden kamen praktisch von allein, also durch Weiterempfehlungen, aber ohne unser Zutun. Wir setzen in unserer Kanzlei auf die alten Maßstäbe gute Kundenbetreuung und individuelle Beratung, daß wir mit diesem Konzept auf dem richtigen Weg sind, zeigt uns unser Erfolg.
Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen?
Sicher als erfolgreich, weil ich mich als Frau in einer eher männerdominierten Branche durchsetzen konnte. Für jemand Außenstehenden scheint dies eine besondere Leistung zu sein, für Branchenkenner eher die Norm.Welche Rolle spielen Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg? Innerhalb der Kanzlei bin ich für die Mitarbeiterbetreuung verantwortlich, ich fördere die Harmonie und den guten Zusammenhalt innerhalb des Teams. Viele Mitarbeiter sind schon seit langem bei uns, die Fluktuation ist gering. Dies gibt auch dem Kunden Sicherheit und Vertrauen, da er immer die selbe Betreuungsperson hat und sich nicht ständig auf neue Menschen einstellen muß. Durch ein gutes Team kann ein Kunde auch schwer abgeworben werden, die Zusammenarbeit ist also eine wesentliche Komponente des Erfolges.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Nach fachlicher Kompetenz, Aussehen, Persönlichkeit, Auftreten gegenüber den Kunden, wesentlich ist mir auch, daß der Bewerber in unser Team paßt. Ich erwarte von meinen Mitarbeitern fachlich korrektes Arbeiten und Mitdenken bei der Arbeit. Bei Disharmonien mit Klienten bin ich die erste Ansprechpartnerin, um Probleme von vornherein abzuwenden. Meine Mitarbeiter sollten weiters zeitlich flexibel und wenn nötig, auch über das normale Arbeitsmaß einsetzbar sein, ohne Beschwerden vorzubringen.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Durch mein eigenes gutes Beispiel und Vorbild. Außerdem durch Betriebsausflüge, Weihnachtsfeiern und Geburtstagsessen, also Veranstaltungen in familiärer Atmosphäre.Wie werde Sie von Ihren Mitarbeitern gesehen? Als unerbittlich, wenn ich von meinem Standpunkt überzeugt bin, als sehr weich bei persönlichen Problemen und in Beziehungen, als Person, zu der man mit jedem Problem kommen kann und als bescheiden.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Da mein Mann und ich eine Gemeinschaftskanzlei betreiben, kann ich mir auch zwischendurch Zeit nehmen. Wichtig ist, die Organisation innerhalb eines Unternehmens so aufzubauen, daß die Firma auch von selbst läuft, was die so wichtigen Freiräume schafft. Ich arbeite manchmal auch zu Hause, abends oder an den Wochenenden, ich brauche den räumlichen Wechsel, um nicht immer nur in meinem Büro zu sitzen.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Wichtig erscheinen mir die Fragen „Was will ich, was paßt zu mir?“, um seinen Weg abzustecken und sich Ziele stecken zu können. Der eingeschlagene Karriereweg muß zur Person passen und sollte nicht von außen vorgegeben sein. Stimmen Ziele und Wünsche nicht mehr überein, ist das Einschlagen eines neuen Weges zu überlegen. Weiters sehe ich die Ehrlichkeit mit sich selbst und seinem Umfeld gegenüber als essentiell. Mit dem Lernen aus Fehlern, einer gewissen Ausdauer und einer positiven Überzeugung seiner Tätigkeit gegenüber können negative Dinge und Rückschläge überwunden werden. Abschließend möchte ich erwähnen, daß die landläufige Meinung, Frauen seien karrieremäßig Männern unterlegen, nur teilweise stimmt. Bei vergleichbarem, vollem Einsatz können auch Frauen Karriere machen und ebenso erfolgreich sein. Um dies zu ermöglichen, muß man sich als Frau vielleicht besser organisieren, wo jedoch ein Wille ist, ist ein Weg - alles ist möglich.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Wir möchten unser jetziges Unternehmen in eine Gesellschaft mit mehreren Partnern umwandeln und mit einem Sachnamen versehen. Einerseits, da wir somit vermehrt größere Firmen ansprechen können, andererseits, um unsere Anteile eines Tages besser veräußern zu können, da unser Sohn nicht an einer Weiterführung der Firma interessiert ist.
Ihr Lebensmotto?
„Schuster bleib bei deinen Leisten“ und „Glück ist das höchste Gut“.