Zum Erfolg von Astrid Bader
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, einen Job zu haben, in dem ich täglich lernen und mich persönlich weiterentwickeln bzw. entfalten kann. Erfolg liegt für mich nicht zuletzt darin, kulturell etwas in Bewegung bringen zu können.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Nein. Ich habe mir die Frage nach meinem eigenen Erfolg niemals gestellt, weil ich kein ehrgeiziger Mensch bin. Mich treibt das Interesse an der Sache selbst, und da ich von dieser Sache begeistert bin, leiste ich dementsprechend hohen Einsatz.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Man stellt sich oft die Frage, warum der eine erfolgreicher ist als der andere – ich meine, daß ich ganz einfach immer fünf Prozent mehr als die anderen leiste, die 100 Prozent geben. Die Antwort „Nein, das geht nicht“ existiert in meinem Wortschatz bzw. meinem beruflichen Alltag nicht; ich bin auch jemand, der nicht aufgibt. Der wesentlichste Faktor meines Erfolges ist das Quentchen mehr, das ich zu leisten bereit bin.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Ich begegne Herausforderungen vor allem, indem ich permanent hinterfrage, ob die Art und Weise, wie ich an Probleme herantrete, immer noch die richtige ist. Ich strebe danach, mich ständig weiterzuentwickeln und weiterzulernen – und zwar in so unterschiedlichen Gebieten wie Computertechnik oder Organisationsstrukturen. Indem ich ein größtmögliches Maß an Flexibilität an den Tag lege, kann ich meinen Alltag effizient gestalten.
Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein?
Einerseits habe ich bemerkt, daß, je größer meine Aufgaben werden und je weiter ich in meiner Laufbahn komme, die „weibliche“ Luft immer dünner wird: je höher man die Karriereleiter hinaufklettert, umso eher hat man nur mehr mit Männern zu tun. Obwohl ich mit dieser Tatsache kein persönliches Problem habe, stimmt sie mich traurig. Auf der anderen Seite muß ich feststellen, daß es für eine Frau durchaus schwieriger ist, erfolgreich zu werden, weil man bei jedem Termin, den man wahrnimmt, zunächst einmal für die Sekretärin oder Assistentin eines Mannes gehalten – und als solche behandelt – wird. Als Frau muß man sich immer erst beweisen.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Ich habe immer dann eine erfolgreiche Entscheidung getroffen, wenn ich merkte, daß ich Gefahr lief, stehenzubleiben und daraufhin eine Herausforderung annahm, die mich wachsen ließ.
Ist Originalität oder Imitation besser um erfolgreich zu sein?
Originalität ist eindeutig besser. Wenn jemand vorgibt, etwas zu sein, das er definitiv nicht ist, ist er nicht mehr authentisch und das spürt jeder.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Mein erster Chef im Rahmen des steirischen herbst hat mich sehr geprägt, weil er mich durch seinen Einsatz, seine Visionen und seine Kreativität sehr beeindruckte. Er hat mir niemals etwas abverlangt, das er nicht selbst zu leisten bereit gewesen wäre und wurde mit dieser Eigenschaft zu einem Vorbild, dem ich bis dato folge.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Eine sehr schöne Form der Anerkennung bestand darin, daß Schriftsteller, mit denen ich zu tun hatte, gern mit mir zusammenarbeiteten und immer nur von mir betreut werden wollten – darunter Michael Köhlmeier. Ich bekam für meinen hohen Einsatz Lob und Anerkennung der Autoren und Künstler, die für mich sehr wichtig waren. Wesentlich ist in diesem Zusammenhang auch, daß sich meine Kunden an mich gewendet haben, sobald sie hörten, daß meine Firma am Markt existiert, und nicht umgekehrt.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Ich bin eine Verfechterin des antiautoritären Führungsstils und meine, daß sich Autorität durch Persönlichkeit ersetzen läßt. Ich arbeite gern im Team und verteile die Aufgaben so, daß einzelne Mitarbeiter an Projekten arbeiten können, an denen sie interessiert sind. Je besser ich meine Mitarbeiter ihren Fähigkeiten entsprechend einsetze, umso eher werden wir erfolgreich agieren.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Mein Mann ist Mediziner und führt eine eigene Praxis, ist also selbst sehr beschäftigt. Da wir noch keine Kinder haben, fällt es uns nicht schwer, die beiden Bereiche zu vereinbaren. Ich denke, daß unser Zusammenleben deshalb sehr harmonisch ist, weil wir beide für das berufliche Engagement des jeweils anderen großes Verständnis haben.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Das wichtigste ist herauszufinden, was man wirklich werden möchte. Ab dem Zeitpunkt, an dem man eine Idee hat, kann man daran gehen, Ziele zu definieren. Ich denke, daß es darauf ankommt, als junger Mensch nicht möglichst schnell eine Schule oder ein Hochschulstudium zu absolvieren, sondern immer zu versuchen, praktische Erfahrung zu sammeln. Besonders wichtig ist meiner Überzeugung nach Menschenbildung; Teil des Erfolges ist immer das Vermögen, sich seine Menschlichkeit zu bewahren.