Zum Erfolg von Frank H.-G. Preißler
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, ein Projekt mit der bestmöglichen Lösung zu beenden. Einen besonderen Erfolg hatten wir 1999 im Zuge der Übernahme eines angelsächsischen Unternehmens – wir als Firma mit 2.500 Mitarbeitern konnten einen Betrieb mit einem Personalstand von 4.500, der in völlig fremden Ländern, auf völlig fremden Märkten arbeitete, übernehmen. Meine Aufgabe bestand nun darin, diese 4.500 Leute binnen kürzester Zeit (von September bis Dezember!) in die Unternehmensstruktur zu integrieren. Die Tatsache, daß mir das bis zum 21. Dezember gelang, ohne einen gravierenden Fehler zu begehen, betrachte ich als Erfolg. Erfolg liegt für mich aber auch darin, meine Mitarbeiter zu fördern und ihnen ebenfalls Erfolg zu ermöglichen.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja. Ich sehe mich aufgrund meiner bisherigen Laufbahn als erfolgreich.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ich habe sehr feine Antennen für andere Kulturen bzw. fremde Mentalitäten, kann gut zuhören und zwischen den Zeilen lesen. Weiters vermittle ich meinen Mitarbeitern das Gefühl, ständig für sie da zu sein und auf sie zuzugehen, wobei es mir aber auch gelingt, eine Grenze zu meinen persönlichen Gefühlen zu ziehen, wenn es beispielsweise darum geht, harte Entscheidungen zu fällen und schmerzhafte Personalentscheidungen durchzuziehen.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Ich analysiere herausfordernde Situationen sehr genau, ehe ich ein Konzept entwerfe, das ich gemeinsam mit meinen engen Mitarbeitern diskutiere und umsetze.Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Im Konzernbereich T&D werde ich von zwei Kollegen (einem Schotten und einem Franzosen) unterstützt, weiters von einer jungen Dame, die als Key Accountant für sämtliche Informationskanäle zuständig ist, von jeweils einem Personalchef an den drei österreichischen Hauptstandorten, zwei weiteren Damen und meinem Sekretariat, um die Leitung der Human Resources bewältigen zu können. Auf der VA Tech Hydro-Seite habe ich einen Deutschen, einen Italienischen und einen Schweizer Kollegen und einen unmittelbaren Kollegen in Österreich (Personalentwicklung), zwei weitere Kollegen von der VAI, insgesamt in beiden Konzernbereichen also rund 25 Mitarbeiter, mit denen ich eng zusammenarbeite. Bei diesen Mitarbeitern ist mir insbesondere wichtig, mich auf sie verlassen, ihnen vertrauen zu können. Handschlagqualität ist für mich daher ein Schlüsselfaktor für gute Zusammenarbeit. Verläßlichkeit und absolute Bereitschaft zur Termintreue sind für mich unabdingbar, ich kann es mir unmöglich leisten, jemandem nachzulaufen. Eigenverantwortung und Lernbereitschaft sind ebenfalls wichtige Kriterien. Von meinen Mitarbeitern erwarte ich nicht zuletzt Loyalität, kritisches Denken und, als absolute Voraussetzungen, fachliche Kompetenz und Führungsqualitäten. Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Einem jungen Menschen würde ich raten, seine Stärken herauszufinden und eine Ausbildung zu absolvieren, die in einem Bereich liegt, der ihn interessiert. Wichtig ist es, sich Ziele zu stecken und diese beharrlich und konsequent zu verfolgen, ohne sich von Rückschlägen entmutigen zu lassen. Gerade heute ist es für jemanden, der Karriere machen will, von großem Vorteil, möglichst viele Sprachen zu beherrschen und Auslandserfahrungen zu sammeln; auch die Persönlichkeitsbildung sollte man – besonders als angehende Führungskraft – nicht vernachlässigen. Grundsätzlich gilt, daß jeder, der sich überdurchschnittlich engagiert und für einen Bereich interessiert, erfolgreich werden kann. Niemals darf er aber bei allem Erfolg auf die soziale Kompetenz vergessen.