Zum Erfolg von Walter Fichtenbauer
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Das ist schwierig für mich zu beantworten. Erfolg ist für mich persönlich gegeben, wenn ich im Leben weiterkomme. Wenn sich mein Lebensstandard erhöhen läßt und ich mich als Mensch weiterentwickle, sehe ich das als Erfolg an.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Nein, eigentlich nicht. Wenn ich mich mit meinen ehemaligen Schulkollegen vergleiche, hebe ich mich schon allein durch mein Gehalt von der Masse ab. Als außerordentlich erfolgreichen Menschen würde ich mich aber eigentlich nicht bezeichnen.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Bei mir hat sich der Erfolg automatisch eingestellt. Ich kann, glaube ich, recht gut mit Menschen kommunizieren. Vieles entglitt mir und vieles fiel mir in den Schoß: Ich bin jedoch überzeugt, daß sich mein Erfolg vor allem durch meinen Einsatz einstellte. Ich arbeite zwischen 240 und 260 Stunden im Monat und schaue dabei niemals auf die Uhr.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Ich begegne Herausforderungen mit größtem Einsatzwillen. Ich arbeite sieben Tage in der Woche und wenn es sein muß, bin ich 24 Stunden durchgehend anwesend.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Man steht sein Leben lang immer wieder vor Situationen, in denen man sich als erfolgreich wahrnimmt. Für mich beginnt sich der Erfolg jedoch erst dann sich zu manifestieren, wenn ich viel verdiene und nicht nur arbeite, sondern auch genug Freizeit habe.
Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein?
Ich glaube, daß eine gute Mischung den Erfolg ausmacht. Man kann ein Produkt oder einen Menschen imitieren, beides wird langfristig jedoch nicht funktionieren. Grundsätzlich gilt es bestehende Ideen zu nutzen und diese originell umzusetzen.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Zum ersten leidet das Gastgewerbe durch hohe Fluktuation bei den Mitarbeitern und zum zweiten ist die Festsetzung der 0,5 Promille-Grenze ein gewisses Problem. Beide Problemstellungen sind jedoch unlösbar und müssen als gegeben hingenommen werden. Ein weiteres Problem, das ich jedoch nicht als komplett ungelöst sehe, ist die Vielfalt der Gastronomie. Die Menschen haben nur ein bestimmtes Potential an monetären Möglichkeiten. Es machen jedoch immer wieder neue Lokale auf, daher verläuft sich das Publikum und dadurch kann keiner seinen Umsatz halten.
Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen?
Es gibt natürlich auch im Freundeskreis immer wieder Neider, die nicht verstehen, warum man ein tolles Auto fährt oder eine schöne Wohnung hat und nicht sehen, wieviel man dafür geleistet hat und auf wieviel man verzichten muß, wenn man sich diese Annehmlichkeiten leisten will.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Mitarbeiter spielen eine differenzierte Rolle: Manche gehen ein Arbeitsverhältnis ein und tauchen nach einer Woche ohne Kommentar nicht mehr auf und sind nicht mehr erreichbar.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Ich versuche Leute zu finden, die einen halbwegs intelligenten Eindruck machen. Die Voraussetzungen für einen Kellner sind grundsätzlich Freundlichkeit, die Fähigkeit, mehrere Teller zu tragen und das Beherrschen Grundrechnungsarten. Mir persönlich sind Menschen weitaus lieber, die sich bemühen, wenngleich sie auch noch keine Erfahrungen in der Branche haben. Bewerber, die eine Litanei an Arbeitgebern mitbringen, kann ich oft schon durch die vielen Arbeitswechsel nicht vertrauen.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Die Motivation der Mitarbeiter ist eines der schwierigsten Themen in dieser Branche. Ich glaube, daß ich an die 800 Mitarbeiter bei Bewerbungen kennengelernt habe. Ich lobe Mitarbeiter, grundsätzlich arbeiten Kellner aber hauptsächlich aus monetären Gründen. Ich habe ein Modell zur Motivation eingeführt, das für besondere Leistungen Wochenenden in einem Hotel, oder in einer Gesundheitsoase vorsieht.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Ich habe wenig Freizeit, daher habe ich zur Zeit nur mein Berufsleben. Meine Motivation schöpfe ich aus meinem Ziel, nicht bis zum Alter von 65 Jahren zu arbeiten. Ich laufe auch gerne, kann jedoch keine fixe Zeit für diese Erholung festsetzen einplanen. Daher laufe ich manchmal um sechs Uhr morgens und dann wieder um 10 Uhr abends. Es ist oft unmöglich, mich mit Freunden zu verabreden. Ich habe mich mit alldem abgefunden und verzichte zur Zeit weitgehend daher auf mein Privatleben.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Man sollte eine Vision von dem entwickeln, was man anstrebt, und mit diesem Bild muß man aufwachen und schlafen gehen. Wenn man dann auch noch mit vollstem Einsatz tätig ist, wird man sein Ziel auch erreichen.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Meine langfristigen Ziele sind ein schönes Haus mit Garten, nicht bis 65 zu arbeiten und mich selbständig zu machen.