Zum Erfolg von Renate Csörgits
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Persönlicher Erfolg bedeutet für mich, im Sinne der Arbeitnehmerinnen vieles bewegen zu können. Es ist mir mehrfach gelungen, dahingehend öffentlichen Druck zu machen, daß bei Gesetzen die Chancengleichheit der Frauen berücksichtigt wird. Zum Beispiel beim Gesetz zur Abfertigung neu, wo die Regierung anfangs Karenzzeiten nicht als Ersatzzeiten anrechnen wollte, Zeiten desPräsenzdienstes aber schon. Dank unseres Einsatzes werden jetzt auch die Karenzzeiten angerechnet. Es ist mir wichtig, mich mit meinem Team gut zu verstehen und gemeinsam mit dem Team erfolgreich zu sein, also ein Thema gemeinsam zu erarbeiten und zum Abschluß zu bringen.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja. Im Sinne meiner Definition bin ich erfolgreich, weil ich mich in meinem beruflichen Umfeld sehr wohl fühle und viel für meine Umwelt erreichen kann.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Das Wohlergehen meines Umfeldes ist mir immer am Herzen gelegen und war der Hauptgrund für mich, diese Tätigkeit zu übernehmen. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war mein Bestreben, immer im Team zu arbeiten; ein zweiter wesentlicher Aspekt ist die gegenseitige Information und Hilfestellung und drittens bin ich immer um Authentizität bemüht: trotz meiner Karriere bin ich immer am Boden geblieben.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Wie ich ein Problem löse, hängt immer vom Problem selbst ab. Wenn es irgendwie möglich ist, löse ich Probleme unmittelbar, ansonsten binde ich die Lösung in meine tägliche Arbeit ein. Aussagen von Politikerinnen und Politikern erfordern entweder, mich anzuschließen, oder zurück zu „schießen“. Generell stehen in meiner Tätigkeit in der Gewerkschaft unvorhergesehene Ereignisse an der Tagesordnung, ich bin also daran gewöhnt, damit umzugehen.Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein? Es gibt für Frauen in der Wirtschaft sowohl Vorteile als auch Nachteile, und zwar abhängig vom Umfeld, in dem jemand tätig ist. Wir leben trotz proklamierter Gleichstellung der Frau dennoch in einer Zeit, in der Frauen noch immer nicht im selben Maß in Führungspositionen zu finden sind wie Männer, was nicht an Bildung, Wissen oder fachlicher Qualifikation, sondern an der nach wie vor herrschenden Diskriminierung liegt. Ich denke, daß viele Männer Frauen in Spitzenpositionen bis dato verhindern, weil sie keine Macht abgeben wollen. Auf den Punkt gebracht, haben es Frauen doppelt so schwer als Männer, Karriere zu machen.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Ich war nach Abschluß der Schule kurz in einem Unternehmen tätig, wurde mir aber bald darüber bewußt, daß ich dort nicht bleiben wollte. Der Wechsel zur GPA war mit Sicherheit eine meiner grundlegendsten und erfolgreichsten Entscheidungen, obwohl ich in der Privatwirtschaft das Doppelte verdient hatte als später in der GPA. Eine zweite sehr wesentliche Entscheidung bestand darin, meine heutige Tätigkeit anzunehmen. Ich wollte ursprünglich Zentralsekretär werden und war sehr enttäuscht, als ein anderer diese Funktion übernahm – heute bin ich froh, daß es so gekommen ist, weil mir meine Funktion großen Spaß macht.Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein? Ich baue einerseits auf vorhandene Strukturen auf, handle aber in vielen Punkten kreativ, das ist ganz unterschiedlich. Grundsätzlich muß ich das Rad nicht jedesmal neu erfinden, ich möchte aber Vorhandenes ausbauen und um meine eigenen Ideen ergänzen.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Ich erfahre Anerkennung wie Kritik, wobei mir letztere persönlich sehr wichtig ist, weil ich daraus lernen kann. Charmanter Druck meiner Kolleginnen ist für mich ein weitaus wesentlicheres Feedback als Lob, wenngleich ich mich darüber natürlich freue.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Das Team ist einer der wesentlichsten Faktoren, die Erfolg überhaupt erst zulassen.Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Ich arbeite vorwiegend mit weiblichen Mitarbeitern zusammen und suche explizit starke Frauen, weil ich der Auffassung bin, daß ich von solchen lernen kann. Da mein Präsidium gewählt wird, kann ich mir diesen Teil meines Teams nicht selbst aussuchen; ich lege aber grundsätzlich großen Wert auf gute Zusammenarbeit und Harmonie. Daher versuche ich meine Mitarbeiterinnen gut kennen zu lernen und offen mit ihnen umzugehen.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Ich versuche gemeinsam mit meinen Kolleginnen die Stärken jeder einzelnen zu fördern und bei Schwächen Hilfestellung zu geben. Soweit es die Zeit erlaubt, erkläre ich meinem Team, was ich gerade mache, warum ich etwas auf die jeweilige Art und Weise bewerkstellige, eine politische Position einnehme und gegen andere politische Positionen auftrete. Mit meiner unmittelbaren Kollegin ist von Beginn an abgemacht, daß sie mich darauf hinweisen muß, wenn ihr an mir etwas auffällt: ich möchte kritisiert werden, brauche einen Spiegel, den man mir vorhält.