Zum Erfolg von Dietmar Kanatschnig
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg verbinde ich mit dem Begriff Zufriedenheit und damit, das, was einem wichtig ist, auch beruflich umsetzen zu können. Das tat ich, indem ich mir meine Posten und Aufgabengebiete selbst schuf.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Im Sinne meiner Definition ja; von der Wirkung her ist mein Erfolg mit Vorsicht zu beurteilen, da sich erst wenige Entscheidungsträger mit Nachhaltigkeit beschäftigen. Die, die sich mit diesem Thema beschäftigen, sehen mich als erfolgreich, für die Mehrzahl derer, die sich mit diesem Bereich noch nicht beschäftigen, bin ich nur in einer weniger wichtigen Nische tätig. Hier scheiden sich die Geister. Die Zahl derer, die nachhaltige Entwicklung als wesentlich erachten, wird aber durch den Problemdruck im Laufe der Zeit immer größer. Mein Erfolg ist durch den Erfolg des Themas an sich vorprogrammiert; die Zeit arbeitet für mich. Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Vorausdenken und der Mut, auf etwas zu setzen, das noch nicht brennend aktuell ist, sowie die Bereitschaft, mein ganzes Leben darauf aufzubauen, sind die Grundlagen meines Erfolges.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Mit der Umweltkonferenz in Rio 1992 begann man das Thema ernst zu nehmen; 1995, drei Jahre später, erkannte ich, daß ich auf das Richtige gesetzt hatte. Ich gründete das Institut und nochmals drei Jahre später gab ich das Beamtentum auf.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Als ich für meine Habilitation die Bezeichnung „Sozial- und Wirtschaftsökologie“ wählte, war mir klar, daß es für mich in absehbarer Zeit keine wissenschaftliche Karriere geben würde. Mir war sowieso wichtig, an Veränderungen in der Praxis mitzuwirken. Erst war ich es leid, als Wissenschaftler zu publizieren, damit aber nichts verändern zu können, deshalb ging ich in die Verwaltung. Dort erkannte ich, daß jede Abteilung nur auf ihren eigenen Bereich schaute und nicht übergreifend agiert wurde. Deshalb gründete ich letztendlich dieses Institut, in dem es mir möglich ist, interdisziplinär zu arbeiten. Da ich aber in der Wissenschaft, Politik, Verwaltung und zuletzt als Selbständiger in der Wirtschaft tätig war bzw. bin, sind mir all diese Bereiche nicht fremd.Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein? Das ist ganz klar die Originalität.Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Prägend war mein erster Chef an der Universität, Prof. Hans Bach, mit seinem systemischen Ansatz, Agrarpolitik nicht isoliert zu sehen, sondern die gesamte Region miteinzubeziehen.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Anerkennung bekomme ich von den Auftraggebern; vor allem indirekt durch Folgeaufträge.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Die Mitarbeiter haben durch ihre Fachkenntnisse in den einzelnen Disziplinen einen wesentlichen qualitativen Einfluß auf die Ergebnisse der Projekte. Ohne die Vielfalt unterschiedlicher Sichtweisen wäre die Behandlung eines so komplexen Themas, wie es nachhaltige Entwicklung ist, nicht möglich.Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Wichtig sind mir die Werthaltungen; unabhängig davon, was jemand studiert hat, muß er soziale Kompetenz, Sensibilität für das Wesentliche und für Zusammenhänge mitbringen. Wichtig sind auch Zusatzqualifikationen.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Wir motivieren einander, indem wir Projekte machen, die etwas positiv verändern sollen und mit den Erfolgserlebnissen, wenn es uns gelungen ist.Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Unsere Stärke ist der zeitliche Vorsprung, weil wir schon 1995 begonnen haben, uns auf die Umsetzung der nachhaltigen Entwicklung in unterschiedlichen Bereichen zu konzentrieren. In dieser Form gibt es eigentlich keinen Mitbewerb.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Als alleinerziehender Vater lebe ich im Mühlviertel und bin als Fernpendler zwei bis drei Tage pro Woche in Wien. Beruf und familiäre Aufgaben zu verbinden, ist keine leichte Aufgabe, die ich jedoch mit Hilfe einer Haushälterin und der neuen Technologien (Telearbeit) bewältige. Schließlich will ich nachhaltige Entwicklung auch bei meinem Sohn anwenden.Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung? Gerade bei der konkreten Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung, egal ob in Unternehmen, Regionen oder einzelnen Verwaltungsbereichen, ist ständiges Lernen erforderlich. Ich lerne bei jedem Projekt sowohl durch die Vernetzung mit der Wissenschaft als auch durch die Praxis. Für persönlichkeitsbildende Weiterbildung investiere ich rund eine Woche pro Jahr.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich hatte immer das klare Leitbild vor Augen, etwas dazu beizutragen, die ökologischen Probleme, die ich – wenn auch erst in Jahrzehnten – klar auf uns zukommen sehe, zu mildern und mit den wichtigsten Ansätzen ins Zentrum der Entscheidungen vorzudringen. Wenn man so wie ich in einem Außenseiterbereich tätig ist, stößt man immer wieder auf harte Widerstände. Hier gehe ich nach dem Ampelprinzip vor; nicht gegen Widerstände anzukämpfen, sondern dort voranzugehen, wo die Ampel auf grün steht. Derzeit ist die Ampel für das Thema in der Wirtschaft auf grün.
Ihr Lebensmotto?
Jeden Tag mit Freude an der Zukunft arbeiten.