Zum Erfolg von Karin Reisinger
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, dass ich bereits jetzt, sollte ich morgen tot umfallen, sagen kann, ich hatte ein erfülltes Leben, habe meine Ziele, sowohl beruflich, als auch privat erreicht und bin völlig entspannt. Eben diese Zufriedenheit ist mein Erfolg.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Als mein Vater schon gestorben war, bin ich erst richtig darauf gekommen, wie sehr ich diesen Job mag. Er hat mir durch seinen Tod den Weg frei gemacht, meine starke Persönlichkeit zu entwickeln und dieses Unternehmen weiterzuführen.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Selbstverständlich mein Vater, Dr. Josef Reisinger.
Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen?
Das positive Umfeld sieht mich als tüchtige Frau und Mutter, als Freundin und Geschäftspartnerin, die sehr viel leistet und viel geschaffen hat. Das negative Umfeld sieht mich als egoistische Karrierefrau, als Selbstdarstellerin, als Rabenmutter, die ihre Kinder an ein Kindermädchen abschiebt und wenig Zeit für sie hat. Ich habe solche Vorwürfe oft im Kindergarten oder in der Schule gehört. Das sind oft Frauen, die den ganzen Tag zuhause sind und ihre unbefriedigende Situation damit rechtfertigen, andere Frauen, die es schaffen, alles unter einen Hut zu bringen, schlecht zu reden und als karrieregeil runterzumachen.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Beides fließt ineinander. Mein Mann ist ebenfalls involviert. Als Orthopäde hat auch er einen Fulltime-Job. Wir verbringen so viel Zeit als möglich mit den Kindern und genießen diese Zeit umso intensiver.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Die Mitarbeiter spielen eine große Rolle. Ich habe das Glück, dass die meisten sehr loyal sind. Viele von ihnen wurden noch von meinem Vater aufgenommen und sie standen auch in den schwierigen Anfangszeiten voll hinter mir. Als direkte Kontaktpersonen hatten sie auf die Klienten einen nicht zu unterschätzenden Einfluss und halfen so mit, den Kundenstock meines Vaters aufrechtzuerhalten. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Nicht nach Zeugnissen, nicht nach Noten. Sozialkompetenz, Sympathie, Authentizität, die Gabe, auf den Klienten einzugehen, sind viel wichtiger.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Zwei Mal im Jahr führen wir Mitarbeitergespräche, klären den Karriereablauf ab, erläutern, welche Ziele ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin hat. Wir bieten zum Beispiel tüchtigen Buchhalterinnen an, auf Firmenkosten die Bilanzbuchhalterprüfung zu machen, damit sie mehr verdienen können. Wir geben aber auch Zielvorgaben und wenn jemand tolle Leistungen erbracht hat, bekommt er auch gerne eine Prämie.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Die persönliche Betreuung. Unsere Unternehmensphilosophie ist darauf aufgebaut, jeden Klienten optimal so zu beraten, als wäre es die eigene Steuererklärung. Man muss sorgfältig vorgehen und dem Klienten nur Dinge raten, die ihm helfen. Ihm betriebswirtschaftliche Ratschläge zu geben, aufzuzeigen, wenn Einsparungen notwendig sind, wenn sich jetzt kein neues Leasingauto ausgeht. Nicht einfach die Steuererklärung auszufüllen, sondern sich die Zeit für eine Rundumberatung zu nehmen.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Sehr viel Zeit. Es gibt sehr viele Veranstaltungen, wo wir gezwungen sind hinzugehen, weil diese auch sehr viele Fachgebiete, wie Lohnsteuer, Umsatzsteuer, Sozialversicherungsrecht und so weiter umfassen. Alle diese Informationen gebe ich an die Mitarbeiter weiter, die Unterlagen werden eingescannt und verteilt. Einmal pro Woche haben wir extra für die Buchhaltung und für die Bilanzierung eine Mitarbeiterschulung, in der wir die wichtigsten Themen besprechen und auch festlegen, wie eine neue Regelung in unserer Kanzlei angewendet wird.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Am wichtigsten ist es, eine Ausbildung diszipliniert abzuschließen. Einen Beruf zu wählen, der einen wirklich freut, der Spaß macht und einen wirklich erfüllt.
Ihr Lebensmotto?
Jeden Moment auszunützen, denn es kann alles sehr schnell vorbei sein. Alles tun, was Spaß macht. So viel als möglich zu sehen, die Zeit nutzen, solange man fit ist.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Auf meine Art und Weise sicher. Ich habe meine gesteckten Ziele erreicht. Mein persönlicher Erfolg besteht darin, das Lebenswerk meines Vaters weiterzuführen. Etwas, was mir außer meiner Mutter niemand zugetraut hat.