Zum Erfolg von Helga Tauer
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Persönlicher Erfolg bedeutet für mich, einen besonders schwierigen Auftrag zu meiner und zur Zufriedenheit des Auftraggebers zu bearbeiten, wobei ich allerdings sagen muß, daß der finanzielle Aspekt dabei leider ein wenig im Hintergrund steht. Erfolg hat für mich viel mit meinem künstlerischen Anspruch an meine Arbeit zu tun. Wenn ich diesen erfüllen kann und auf das Geschaffene stolz bin, fühle ich mich erfolgreich und zufrieden.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ausschlaggebend für meinen Erfolg ist mit Sicherheit mein Interesse an meiner Tätigkeit. Mein Vater hat die Technik, mit der ich heute selbst arbeite, selbst entwickelt, und ich konnte mich für diese Arbeit bald begeistern. Mein Ziel war es immer, die Firma meiner Eltern, die seit 1926 besteht und von meinem Großvater gegründet wurde, erhalten zu können. Ich habe hart und konsequent daran gearbeitet, es umzusetzen. Ich bin ein Mensch, der sich eher Ziele im Nahbereich steckt und diese Schritt für Schritt verfolgt. Zu hohe Ziele, die man nicht erreichen kann, sind frustrierend - und ein wesentlicher Aspekt des Erfolges ist auch die grundsätzliche Freude an dem, was man tut. Ich verlasse mich im Umgang mit anderen in erster Linie auf mein Gefühl, das mich noch selten enttäuscht hat, und denke, daß ich gut mit Menschen umgehen kann. Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein? Ich bin in einer Männerdomäne tätig und habe die Erfahrung gemacht, daß man als Frau wesentlich mehr leisten und können muß als ein Mann, um erfolgreich zu sein. Einer Frau gegenüber ist man nicht nur zunächst mißtrauisch, man versucht in der Regel auch, sie zu übervorteilen. Für mich war es insbesondere im Alter zwischen 30 und 40 Jahren schwierig, mich zu behaupten; heute verfüge ich aber über genügend Selbstvertrauen, um mich durchzusetzen.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Ich traf vor rund fünf Jahren eine sehr erfolgreiche Entscheidung: zu diesem Zeitpunkt arbeitete ich - in Form eines Mittelbetriebes - vorwiegend im Lusterbau und für die Industrie und stand vor dem Entschluß, mein Unternehmen entweder zu vergrößern oder zu verkleinern. Ich entschied mich damals bewußt für den kleinen Rahmen, weil mir mehr an ausgefallenen Stücken und Herausforderungen liegt als an der Massenfertigung. Die Entscheidung war eine sehr schwerwiegende, aber rückblickend bin ich damit auf dem besseren Weg.Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein? Originalität ist meiner Meinung nach der bessere Weg, weil Imitation nur sehr kurzfristig erfolgreich sein kann.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Für mich ist es wichtig, die Vorstellungen meiner Kunden umzusetzen oder zu übertreffen, wofür ich natürlich Anerkennung erfahre. Diese Anerkennung spielt für mich eine große Rolle, weil sie mich glücklich macht und mir bestätigt, daß meine Arbeit geschätzt wird.
Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen?
Ich bin in der Branche bekannt und glaube, daß ich geschätzt werde. Es mag vielleicht ein paar Neider geben, Feinde habe ich jedoch nicht.Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Ich habe mich auf das Metallisieren von persönlichen Erinnerungsstücken - von der Blume über den Babyschuh bis zur Weinflasche - spezialisiert, an denen einem Menschen so viel liegt, daß er sie konservieren möchte. Das jeweilige Stück wird zunächst mit Kupfer überzogen, um es zu konservieren, und anschließend vergoldet, versilbert, mit einer Messingpatina überzogen, etc. Meine Eltern haben sich intensiv mit dieser Technik beschäftigt, die meine Mutter und ich später noch weiter verfeinerten, um sie zu perfektionieren. Heute verfüge ich in diesem Bereich über einen reichhaltigen Erfahrungsschatz und kann daher auch die ausgefallensten Wünsche meiner Kunden erfüllen. Einer der denkwürdigsten Aufträge war im übrigen eine vergoldete Burenwurst samt versilberter Semmel - ein Abschiedsgeschenk für einen Japaner, der drei Jahre für ein Unternehmen in Wien tätig war und eine nachgerade ungebrochene Begeisterung für diese Wiener Spezialität an den Tag legte.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Ich bin mit dem Unternehmen aufgewachsen und kann die beiden Bereiche daher kaum trennen, weil sie in meinem Leben ineinander fließen. Auch mein Sohn wurde schon früh mit dem Betrieb konfrontiert, daher ist mein Engagement für das Unternehmen für ihn eine Selbstverständlichkeit.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Gute Ratschläge nützen wenig, weil man sie ja doch meistens nicht annimmt. Einem jungen Menschen kann ich daher nur raten, sich auf sein Gefühl zu verlassen.
Ihr Lebensmotto?
Leben und leben lassen.