Zum Erfolg von Jürgen Winter
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg liegt für mich in der richtigen Wahl der Ehefrau und des Berufes, darüber hinaus in Zufriedenheit und auch finanziellem Gewinn.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Zunächst hatte ich das Glück, in die väterliche Kanzlei eintreten zu können. Wesentlich war auch mein Selbstverständnis, einem dienenden Beruf anzugehören, auf dieser Basis zu beraten und Hilfe zur Selbsthilfe geben zu können.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Jeder Tag bringt Überraschungen. Darauf kann man sich nicht vorbereiten. Ich bemühe mich immer, meine Kenntnisse auf einem Stand zu halten, der mir ermöglicht, schnell und richtig zu reagieren.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Seit ich die Nachfrage nach Hilfe, insbesondere die erneute Nachfrage, bemerke. Dies und das Vertrauen meiner Mandanten spürte ich speziell, als ich nach dem Tode meines Vaters allein in der Kanzlei zurechtkommen mußte.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Als ich mich entschied, einen freien Beruf zu wählen. Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein? Originalität. Das heißt nicht, daß man immer etwas Eigenes auf die Beine stellen muß. Allerdings sollte man nicht unreflektiert kopieren.Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Mein Vater. Er beeinflußte meine Berufswahl, natürlich mit dem Gedanken, daß ich irgendwann in seine Kanzlei eintreten würde. Das kam allerdings meinen eigenen Vorstellungen entgegen.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Vor allem erfuhr ich Anerkennung von Mandanten, auch dadurch, daß sie mir teilweise jahrzehntelang die Treue hielten und immer wieder meinen Rat suchten.Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst? Wir haben im Steuerrecht mittlerweile keinerlei Rechtssicherheit mehr. Vergangenes Jahr hatten wir allein im Einkommensteuerrecht neun Änderungsgesetze. Davon traten die meisten zwischen Weihnachten und Neujahr in Kraft. Solche Änderungen kann man eigentlich gar nicht mehr umsetzen. Es fehlt jegliche Planungssicherheit.
Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen?
Als angenehmer, fleißiger Zeitgenosse, der den Menschen hilft und ihnen dient. Zuverlässig und vertrauenswürdig. Ich hatte als Berater des Mittelstandes stets den direkten Zugang zum Unternehmer.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Es ist wichtig, daß man gute Leute hat, die langfristig bleiben, auf die man sich verlassen kann und die zu einem guten Betriebsklima beitragen.Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Nach ihrer fachlichen Vorbildung und ihrem Werdegang sowie nach dem Vorstellungsgespräch. Dabei muß Vertrauen entstehen.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Ich lasse sie sehr selbständig arbeiten, stelle sie finanziell gutund erhöhe ihre Bezüge von mir aus und nicht erst auf Bitte der Mitarbeiter.
Wie werden Sie von Ihren Mitarbeitern gesehen?
Meine Frau, die ebenfalls in der Kanzlei arbeitet, meint, daß sie mich als den besten Chef sehen. Deshalb blieben meine Mitarbeiter auch immer sehr lange und verließen die Kanzlei nur, weil sie sich nach Abschluß ihres Steuerberaterexamens verselbständigten oder weil sie Kinder bekamen oder umzogen.Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Meine Mandanten wissen, daß sie immer auf meine Hilfe zählen können. Es gibt bei mir keine Schalterstunden. Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Es gibt immer nur den Wettbewerb in der Sache. Es stand für mich immer der Gedanke im Vordergrund: wenn Du nicht besser bist als der andere, dann wird der gewinnen. Das ist für mich normaler, fairer Wettbewerb.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Diese Bereiche gehen ineinander über. Ich kann nur meiner Frau Abbitte leisten. Wir haben jahrelang keinen oder nur wenige Tage Urlaub gemacht. Ich hatte immer das Gefühl, wenn ich länger als drei Tage abwesend bin, kann irgend etwas passieren, wo ich dringend gebraucht werde.Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung? Ich lese viel Fachliteratur und besuche regelmäßig Fachtagungen. Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Man sollte schon früh das Grundstudium mit einem Zweitstudium ergänzen. Damit kann man sich besser auf dem Markt anbieten als mit dem reinen Studium der Rechtswissenschaft. Darüber hinaus sollte man sich international orientieren und Sprachen lernen.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich möchte jetzt ein bißchen privatisieren. Allerdings bin ich immer noch gefordert durch meine Tätigkeit als Vorstand von Haus & Grund Mannheim. Ich arbeite seit Jahrzehnten für diesen Verband, und es macht mir nach wie vor Freude. Ich möchte das noch etwa bis zum Alter von 70 Jahren fortsetzen.