Zum Erfolg von Herta Gross
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich die Anerkennung von außen. Wenn die anderen finden, daß das, was man macht, toll ist, dann beginnt man selbst daran zu glauben. Als Erfolg empfinde ich die Tatsache, daß ich ein Geschäft habe, wo ich meine eigenen Kreationen präsentieren kann, und von dem ich auch leben kann. Erfolg ist eine Lebensauffassung, ein Übermaß an eigener Leistung. Um Erfolg zu erreichen und um vor allem Erfolg zu behalten, braucht es sehr viel Arbeit. Anders ausgedrückt: Ich habe Erfolg durch meine Kreationen, und damit sie wirklich schön werden, muß ich mich intensiv einsetzen.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, da ich auf einen Stammkundenanteil von 75 Prozent verweisen kann.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
In meinem Fall der Druck, der meine Bestrebungen intensiver machte. Es war zu Beginn nicht einfach, und ich mußte sehr einfallsreich sein, um Arbeit und Kind unter einen Hut zu bringen. Mit der Zeit wurde mir immer klarer, daß ich mit Menschen gern arbeite und daß sich Leute aufgrund meines Erscheinungsbildes an mir orientieren. Das war eine wichtige Erkenntnis, daß ich in der Modebranche richtig war. Um später erfolgreich zu werden, mußte ich damals auf vieles verzichten, vor allem auf Geld. Ich meinte aber, daß es wichtig für meine Profession und Persönlichkeitsentwicklung war, darum nahm ich das in Kauf. Man darf sich auch vor Eigenverantwortung nicht scheuen, selbst wenn nichts bezahlt wird. Zu den Voraussetzungen für Erfolg gehört auch Ehrgeiz.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Ein Problem muß man durchleben, um eine Lösung zu finden. Mir hilft oft die Astrologie, mit der ich mich gründlich beschäftige, weil sie mir hilft, langfristige Konstellationen besser zu begreifen. Im Prinzip ist alles im Leben ein Problem. Es kommt nur auf die Lebenseinstellung an. Auf jeden Fall muß man versuchen, die Situation weiter zu bringen.
Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein?
Nein, weil das, was ich tue, nicht geschlechtsspezifisch ist. Wenn man selbständig tätig ist, entwickelt man sich schneller als im Angestelltenverhältnis und kommt schneller weiter. Auf der klassischen Karriereleiter ist man mit diversen Komplikationen konfrontiert, unter anderem mit der Konkurrenz - nicht nur zu Männern, sondern auch zu Frauen.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Seit der Zeit, als ich bei Off Line den Designerpreis gewann, dadurch ist mein Selbstwertgefühl gestiegen.
Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein?
Originalität, weil Menschen neugierig sind: sie wollen immer etwas Neues, weil es sie beflügelt. Jede neue Saison bringt neue Gefühle in die Mode. Inspiration schöpfe ich aus meinen eigenen Bedürfnissen. Wenn ich etwas Neues brauche, mache ich das zuerst für mich. Aus den vielen Ideen, die ich habe, und die nicht innerhalb eines Models realisierbar sind, entstehen diverse Kreationen, die sowohl für ganz junge Leute, als auch für die in sozusagen besten Jahren passen.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Es gibt viele, die mich beeindruckt haben, aber ich bin immer meinen eigenen Weg gegangen.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Die Kunden schätzen die Beständigkeit meines Stils, den man woanders nicht so leicht findet. Meine oberste Prämisse ist, daß sich die Leute mit meinen Sachen wohlfühlen, und ich versuche mit bescheidensten Mitteln, Chic in die Mode einzubringen. Manche von den Kunden kommen, wenn sie die Auslage im Geschäft oder in der Passage von der U2 gesehen haben. Oft höre ich, daß sie jahrelang das suchten, was ich anbiete und bedauern, daß sie mich früher nicht entdeckt haben. Wenn ich jemanden längere Zeit betreue, versuche ich Sachen anzubieten, die zusammenpassen. So besteht die Möglichkeit, auf längere Zeit immer modisch gekleidet zu sein. Bei der Beratung der Kunden hilft mir mein Einfühlungsvermögen. Ich verkaufe nie unter Druck, sondern lasse den Kunden entscheiden, in meinen Augen zählt die Einzigartigkeit.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Familie und Partnerschaft sind sehr wichtig, weil man sich gegenseitig unterstützen kann, aber ich möchte meine eigene Welt beibehalten, und obwohl mein Partner mir bei gewissen Sachen hilft, kann ich mir nicht vorstellen, daß er mit mir zusammen im Geschäft ist.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Mein Ziel ist es, weiterhin das zu machen, was ich bis jetzt so gerne machte, und vielleicht einmal zu einer reinen Designertätigkeit zu wechseln, also die Stücke nicht selbst produzieren zu müssen, sondern sie unter meinem Namen produzieren zu lassen.
Ihr Lebensmotto?
Sachen fürs Leben zu kreieren.