Zum Erfolg von Ilse Maria Wildling
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg ? 1. Genügend Freiraum zur persönlichen Gestaltung des jeweiligen Arbeitsbereiches zu gewinnen, so daß Begabungen und Interessen ihren Platz erhalten. 2. Mir immer wieder ein soziales Netz schaffen zu können, das auch in Krisensituationen trägt. 3. Um die Existenz lieber Menschen zu wissen und die Beziehung zu ihnen zu pflegen, die mir für die Entwicklung meiner Bindungswünsche und für die Aufrechterhaltung von Lebensglück wichtig sind.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich sehe es als manchmal mehr oder weniger großen Energieaufwand, der notwendig ist, um sich diesen Zielen anzunähern. Das ist wenig bequem. So habe ich mir aber einen guten Überblick über unterschiedliche Arbeitsweisen, ein breites Fachwissen und genug Menschenkenntnis erworben, das mich eicht – ich hoffe sowohl beruflich als auch privat - eingleisig, engstirnig und borniert zu denken und zu handeln. Für die nahe Zukunft wünsche ich mir mehr Gelegenheit zur wissenschaftlichen Veröffentlichung meiner psychologisch/psychotherapeutischen Tätigkeit. Sollten sich Umsetzungsmöglichkeiten finden, verbuche ich das als Erfolgserlebnis.
Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein?
Es ist bestimmt einfacher für eine Frau, erfolgreich zu sein, wenn sie den `aggressiven Konkurrenzstil´, üblicherweise den Männern zugeschrieben und als die Erfolgsstrategie auch von den meisten angewandt, kopiert und schwieriger, wenn sie kreativ eigene Wege ausprobiert. Der Aggressionsstil beinhaltet aber eine Einschränkung an Kommunikations- und bedeutet eine Verarmung an sozialen Beziehungsmöglichkeiten und ist m.E. mitverantwortlich dafür, daß – wie es Sozialpsychologen und reflektierte Psychotherapeuten nennen – wir ein alarmierendes Anwachsen narzißtischer Erlebnisweisen und Persönlichkeitsstörungen zu beklagen haben. Das gesellschaftlich vorliegende Bedürfnis nach Etikettierung von Frauen, die nach Teilhabe an sozialer Anerkennung, Mitsprache und ökonomischer Unabhängigkeit streben, steckt voll von Entwertungen und Klischees – dies leider auch unter Geschlechtsgenossinnen. Dem entsexualisierten Bild der Frau als Mutter, deren einzige Lebensbefriedigung darin zu bestehen hat, für ihre Kinder zu sorgen steht im beruflichen Umfeld das sexualisierte Männerverschlingende „Vamp“ und ihre milderen Ausformungen oder die als geschlechtslos phantasierte „Emanze“ gegenüber. Diese Verzerrung der öffentlichen Wahrnehmung sehe ich als Ausdruck eines Angstsymptoms vor der emanzipierten, heißt sowohl eigenständig denkenden Person als auch sinnlichen Frau. Ich habe es selbst erlebt. Zur Entwicklung einer positiven Utopie möchte ich hier eine Allianz mit einem am Erfolg des männlich dominierten phallozentrischen Welt- und Menschenbildes zweifelnden Mannes bilden und den Psychoanalytiker Michael Möller zitieren, der in seinem berühmten Buch über Zwiegespräche schreibt, daß er Frauen gesprächsbegabter als Männer erlebt, da sie gefühlsnäher, angstoffener und situationsgebundener agieren. Es wäre schön, könnten beide Geschlechter diese Eigenschaften als Qualifikation entwickeln und pflegen.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Ich berate und behandle in meiner Psychologischen und Psychotherapeutischen Praxis Menschen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft in jeweils verschiedenen problematisch gewordenen Lebenssituation zum besseren Verständnis und zur Lösung ihrer Schwierigkeiten. Trotz Wertschätzung für und Fähigkeit zu einer differenzierten psychodiagnostischen Einordnung einer Problemlage lehne ich eine stärkere Pathologisierung der psychischen/psychosomatischen Leidenszustände als isoliert auftretende unverständliche Störungen ab. Ich begreife das „Krank-Sein“ als einen Teil und kooperiere auf partnerschaftliche Weise mit dem „Gesunden Teil“ des Klienten zum Zwecke seiner Heilung. Dies nenne ich einen Integrativen Behandlungs-Ansatz und Arbeitsstil. Hilfreich zum Gelingen dieses Vorhabens ist mir eine mehrfach bestätigte hohe Fähigkeit zur Einfühlung in unterschiedliche Lebenslagen, ein notwendiges Maß an Sensibilität, Geduld und Respekt vor der Eigenheit des Anderen, meine geringe Neigung zur Moralisierung und pädagogischen Belehrung und meine Wißbegierde. Diese Eigenschaften sehe ich als meine/meines Unternehmens Stärken – sie verhindern ein „Ausbrennen“. Ich beziehe aber auch ganz pragmatisch Techniken – für Imagination, für seelisch-körperliche Entspannung (wie z.B. Autogenes Training), zur Traumadistanzierung und gegen Streß in meine Arbeit mit ein.