Zum Erfolg von Erich R. Eckhardt
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Wenn ich eine Zeitlang an einem schwierigen Thema gearbeitet habe, letztendlich eine Lösung erarbeiten kann und dabei kritischen Stimmen von außen widerstehe; wenn ich durchhalte und den Glauben an mich und die Gesetzmäßigkeiten der Natur wahre, habe ich Erfolg. Hätte ich viel Geld verdienen wollen, hätte ich schon vor Jahren den Rückzug aus der Technik angetreten, wäre in die Politik gegangen oder ich wäre nicht nach Österreich zurückgekehrt und ins internationale Management eingestiegen - Angebote hatte es genügend gegeben.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Auch wenn ich noch einiges erledigen will und viel vorhabe habe, sehe ich mich in meinem Sinne als erfolgreich.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Eigentlich wollte ich als Kind Anwalt oder Pfarrer werden. Ich wuchs in einer 40 Quadratmeter-Wohnung auf, in der fünf Personen hausten - das war weniger Familienleben denn ein Zweckbündnis. Mit Allüren des Bürgertums konnte ich mich nie anfreunden. Meinen beruflichen Weg prägten meine Grundschullehrer, die mich zur Technik inspirierten. Meine Fachgebiete wurden zu meinem Hobby, noch bevor diese in Österreich weit verbreitet waren. Ich kann mich persönlich absolut zurücknehmen, sehe von Profit- und Profilierungsstreben ab und stelle die Sache in den Vordergrund.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Das hängt von der jeweiligen Problemstellung ab. Primär ist ein von der Erfahrung geleitetes, spontanes und sorgfältiges Handeln in bedeutsamen Situationen das, worauf es ankommt. In meinen Fachgebieten ist es - wie immer, wenn man mit der Natur arbeitet -, zwar Voraussetzung jedoch nur sekundär wichtig, über theoretisches Wissen zu verfügen. Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Jeder Mensch ist ein Prototyp, dennoch habe ich viele Vorbilder wie etwa Nikolaus Kopernikus, Carl Ritter von Ghega, Che Guevara und andere mutige Persönlichkeiten.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Durch Menschenkenntnis und klare Vorgaben meinerseits und der Begeisterung und dem Leistungswillen fast aller meiner bisherigen Mitarbeiter sind diese eine der Säulen meines Erfolges. Ich stehe nicht hinter, sondern vor meinen Mitarbeitern, denn ich bin derjenige, der sie richtig einzusetzen hat und die Verantwortung für ihre Fehler trägt.Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Leistungsbereitschaft, Kompetenz, Ehrlichkeit und niedrig ausgeprägter Egoismus sind die für mich wichtigsten Kriterien.Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Mit Stammkunden pflege ich einen so guten Kontakt, daß wir theoretisch auch ohne Vertrag auskämen, weil Verbindlichkeit und Handschlagqualität für mich zählen. Ein großer Vorteil ist die zeitlich unbegrenzte Einsatzbereitschaft und absolute Flexibilität.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Eine radikale Trennung der beiden Bereiche ist nicht vorstellbar, denn in meinem Beruf ist Einsatzbereitschaft auf Abruf ein Muß. Ich kann Wochenenden mit meiner Frau sehr genießen, solange die gemeinsam verbrachte Zeit qualitätvoll ist, weil mir Qualität grundsätzlich wichtig ist und mir meine Frau einfach insgesamt über alles geht.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Ich glaube, daß es wichtig ist, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen und sich auch zurücklehnen zu können, um über die Welt nachzudenken; insbesondere in einer Zeit, in der Philosophen rar sind. Dies hilft einem, seine persönlichen Koordinaten zu finden, wenngleich dies mitunter viele Jahre dauern kann. Viele weitere Jahre dauert es dann noch, die Koordinaten bzw. die sozialen Muster seiner Mitmenschen zu erkunden. Ab diesem Punkt geht alles einfacher. Nicht das, was die Eltern oder sonstige „Autoritäten“ und Trendsetter meinen, ist unbedingt das Passende. Niemand ist der Nabel der Welt, auch wenn es nichts Wichtigeres als den einzelnen Menschen gibt. Die gängige, punktuelle Ausrichtung nach Fristen, fünf Jahre Ausbildung für dies und drei Jahre für jenes kann es niemandem ersparen, Rückschläge zu erfahren und aus eigenen Erfahrungen zu lernen, es sei denn, es gibt jemanden, der entsprechende Kompetenzen hat und diese ehrlich und selbstlos weitergeben will – doch solche trifft man immer seltener. Ein großes Fernziel wird durch viele, kleine Etappenziele erreichbar, wobei dieser Weg viele kleine Motivationserlebnisse bringt. Genießen kann ich etwas, wenn ich es redlich und eigeninitiativ erworben habe. Eine Sprache in ihren Ausprägungen und Wirkungen wirklich zu beherrschen; sie tatsächlich zu verstehen und exakt einzusetzen, anstatt viele Sprachen nur oberflächlich kennenzulernen, erachte ich als einen der größten Schätze.
Ihr Lebensmotto?
Es sollte keinem Menschen schlechter gehen müssen, damit es einem anderen besser geht.