Zum Erfolg von Herbert Kovar
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Meine Definition von Erfolg ist eine ganz simple: Erfolg ist Zufriedenheit. Erfolg endet nicht bei monetären Werten oder Geltung, sondern ist letztendlich die subjektive Perzeption. Auf welchem finanziellen Level diese erreicht wird, ist schließlich unerheblich. In anderen Worten: gerade in einer beruflichen Karriere ist Erfolg nicht nur am Verdienst zu messen, sondern an der Freude an dem, was man macht.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja. Ich sehe mich als erfolgreich, weil ich Spaß an meiner Tätigkeit habe und mit dem bisher Erreichten zufrieden bin.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Eine meiner ausgeprägtesten Eigenschaften ist, wie ich glaube, meine Fähigkeit, den richtigen Moment zu erkennen, die richtigen Reserven zu mobilisieren und die Erfolgsfaktoren - Stichwort vernetztes Denken! - zusammenzuführen. Ich war als Schüler ein sehr guter Schifahrer, und es gab einen technisch unschlagbaren Kollegen in meiner Gruppe. Bei Wettbewerben gab ich alles und gewann, was mein Sportprofessor mit den Worten: Die Technik kann man lernen, den Kampfgeist nicht kommentierte. Mein zweiter Erfolgsfaktor neben diesem Kampfgeist, der, im positiven Sinne, vor allem in der Akquisition von Kunden und im Aufzeigen von Potentialen eine große Rolle spielt, ist die Kreativität, die gerade in meiner Branche, wo es um das Finden neuer Wege geht, sehr gefragt ist, während sie in anderen Berufen vielleicht sogar hinderlich wäre. Ich arbeite international und versuche Klienten aus anderen Kulturkreisen für den Standort Österreich zu begeistern, das macht meine Arbeit, die im übrigen eher dem angloamerikanischen Tax Lawyer entspricht, ungemein spannend, wobei ich mir durchaus bewußt bin, daß das gängige Klischee vom Steuerberater ganz anders aussieht. Meine berufliche Tätigkeit führte mich u.a. dazu, dass ich im Rahmen des internationalen Deloitte-Netzwerkes die Möglichkeit hatte, europäische Investoren bei Investitionen in China zu unterstützen und andererseits chinesische Investoren nach Europa und speziell nach Österreich zu bringen. So durfte ich beim Besuch des chinesischen Staatspräsidenten im November 2011, vor der chinesischen Wirtschaftsdelegation über das österreichische Steuerrecht und die Vorteile Österreichs als Holdingstandort referieren. Diese Aufgabe, ausländischen Investoren, Österreich als Investitionsland interessant zu machen, begeisterte mich schon seit dem Jahre 1997 und besonders seit dem Jahre 2000, wo ich in Moskau an einer Investorkonferenz einen Vortrag vor osteuropäischen und russischen Klientel zu dem Thema Standort Österreich, halten durfte.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Eine prägende Persönlichkeit war für mich sicher Professor Walter, der mich als Schüler Kelsens, des Schöpfers der österreichischen Bundesverfassung, an die reine Rechtslehre heranführte, die ich methodologisch sehr schätze, weil Hans Kelsen auch zeigte, was Recht und was Gerechtigkeit ist und worin die Unterschiede zwischen diesen beiden Begriffen bestehen.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Eine Sache, die aus den USA zu uns herüberkommt und gerade in der Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsbranche ein echtes Problem darstellt, sind die Inkompatibilitätsbestimmungen bzw. die Tatsache, daß nationale Gesetzgeber versuchen, gewisse legistische Problemlösungen anzustreben, die allerdings nach meinem Dafürhalten teilweise an den richtigen Problemen vorbeigehen. Die hohen Steuern empfinde ich persönlich als ein Problem, denn sie können, wenn sie überzogen sind, ein Standortproblem und somit ein volkswirtschaftliches Problem bilden. Optimierungspotential entsteht durch ein gewisses wesentliches Steuersubstrat, wobei ich als Berater durchwegs eingestehen muß, daß mir aufgrund der Tatsache, daß der Hauptanteil meines Klientels aus dem Ausland kommt, hohe Steuern in anderen Ländern willkommen sind. Der Standort Österreich sollte sich jedenfalls nicht verschlechtern, weitere legistische Einschnitte wären volkswirtschaftlich nämlich äußerst ungesund. Ein weiteres Problem sehe ich auf uns zukommen, dass seitens der europäischen Union die Rahmenbedingungen für den Beruf des Wirtschaftsprüfers andere werden, als die bisherigen.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Ich betreibe einen durchaus restriktiven Selektionsprozeß, weil ich meinen Mitarbeitern im Sinne eines freundschaftlich-partnerschaftlichen Verhältnisses sehr hohe Eigenverantwortung einräume. Fachliche Kompetenz ist mir sehr wichtig, wobei ich kein Wissen abfrage, das auswendig erlernbar ist, sondern großen Wert auf Kombinationstalent lege. In den letzten Jahren bemerkte ich, dass es immer weniger Juristen gibt, die die Absicht haben, in den Bereich der Steuerberatung bzw. Wirtschaftsprüfung zu wechseln. Ca. 85% der Bewerber sind Absolventen der Wirtschaftsuniversität. Besonders bei der internationalen Steuerberatung - wir sprechen vom Projektgeschäft - ist es unbedingt notwendig, dass Mitarbeiter eine fundierte Ausbildung zur Interpretation von normativen Texten haben. Hier haben Juristen, meiner Meinung nach einen kleinen Vorteil gegenüber den Abgängern der Wirtschaftsuniversitäten.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Die große Stärke dieses Unternehmens ist ein allumfassender Ansatz - wir bieten nicht nur Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung, sondern auch Business Consulting, Corporate Finance und sogar Personalberatung. Unsere starke internationale Vernetzung erlaubt uns, auf internationales Know-how zurückzugreifen, und schließlich herrscht innerhalb des Unternehmens eine sehr freundschaftliche und partnerschaftliche Zusammenarbeit, die nach meinem Dafürhalten überhaupt das Wichtigste ist, weil es, um eine optimale Betreuung der Klienten zu gewährleisten, keine Grabenkämpfe innerhalb des Hauses geben darf. Es gibt in unserem Unternehmen keinen wirtschaftlichen und steuerlich rechtlichen Bereich, den wir nicht abdecken können. Dies schätzen unsere Klienten sehr! In Österreich sind wir bereits seit vielen Jahren der größte Steuerberater und am internationalen Parkett mutierten wir 2010 ebenfalls zur Nr. EINS im Bereich: Größter Wirtschaftsberater.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Wenn man die Absicht hat den Beruf des Steuerberaters zu ergreifen und eventuell später als Wirtschaftsprüfer tätig zu sein, bedarf es neben klassischer Ausbildung, d.h. entweder der Wirtschaftsuniversität oder des Juridikums, einer hohen Kommunikationsfreudigkeit und verhandlungssicherer Femdsprachenkenntnisse und wenn möglich, nicht nur in Englisch, sondern auch in einer weiteren Fremdsprache. Wenn dies alles zutrifft, dann steht einer steilen Karriere in unserem Hause nichts im Wege, wobei Spezialisten bessere Chancen haben als Generalisten.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Meine Ziele liegen grundsätzlich einmal darin, die Zufriedenheit der Klienten zu steigern. Weiters sehe ich ein Ziel darin, die ausgezeichnete Marktposition zu halten und zu festigen.
Ihr Lebensmotto?
Zufriedenheit.