Zum Erfolg von Johann Steininger
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Vorweg sei ein Ausspruch Stefan Zweigs erwähnt: Wer sich selbst gefunden hat, der kann im Leben nichts mehr verlieren. Ziele zu erreichen, die sozial und nachhaltig sind, ohne sich selbst aus den Augen zu verlieren, heißt für mich, Erfolg zu haben. Wenn sich das Ergebnis in das große Ganze einfügen läßt, kann ich zufrieden sein. Ein Faktor in meinem Beruf ist Kontinuität, und die Erledigung der Aufgaben muß für jeden Beteiligten eine Selbstverständlichkeit darstellen. Es entspricht nicht dem Wesen eines Beamten, selbst im Mittelpunkt zu stehen. Macht ist verführerisch - ich trachte danach, sie sorgsam und mit Demut einzusetzen.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Vor einigen Jahren mußte ich eine einschneidende Krankheit bewältigen, die mich die Sicht auf die Dinge revidieren ließ. Erwähnenswert hierbei ist die verstärkte positive Grundhaltung mit dem Fokus nicht nur auf die berufliche Tätigkeit, sondern über den Tellerrand hinausschauend.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Indem ich bemüht bin, die emotionelle Ebene nicht auszuklammern. Trotzdem sage ich: Ohne Fleiß kein Preis! Durch solides Grundwissen werden Problemstellungen vermehrt zu Aufgaben, die nach Erledigung enorm motivieren. Vom Typ her möchte ich mich als ruhigen, oft aber sturen Menschen beschreiben, der sich um Teamarbeit bemüht und die Hierarchien flach gestaltet.Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Natürlich meine Eltern, wobei mir mein Vater seine einfache, aber klare Denkweise weitergab, daß man ohne Einsatz nichts erreicht und man für sein Umfeld ein gewisses Maß an sozialer Verantwortung trägt. Hier macht mich besonders stolz, daß ich meinen Kindern dieses Engagement weitergeben konnte, sodaß sie sich heute in Vereinen tatkräftig für die Gemeinschaft einsetzen. Erwähnenswert ist selbstverständlich auch Altlandeshauptmann Ludwig, von dem ich fachlich und sozial enorm viel gelernt habe. In Netzwerken und komplexen Zusammenhängen zu denken, war als junger Mensch prägend für mich. Dann ist da noch mein ehemaliger Volksschuldirektor anzuführen, der mir vermittelte, nicht immer recht haben zu müssen, sondern die Sache selbst in den Vordergrund zu stellen.Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst? Die rechtliche Stellung und die Funktion als Leiter des inneren Dienstes zwischen der politischen Ebene und der Verwaltungsebene der Mitarbeiter stellt eine große Aufgabe dar. Hier wäre ein größeres Zugeständnis vonnöten, um damit mehr Identifikation mit seiner Arbeit zu fördern. Weiters ist der Zwiespalt zwischen vorgegebenem Finanzrahmen und dem Dienst am Bürger vermehrt ein Problem. Ich genieße aber das Vertrauen des Bürgermeisters, hier kompetente Entscheidungen zu treffen.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Sie sind sehr wichtig, um die Aufgaben umzusetzen, denn ich sehe uns vermehrt als Dienstleister und Servicestelle für die Bürger.Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Jeder einzelne muß sich mit der Philosophie und den entsprechenden Aufgaben identifizieren können. Meine subjektive Beurteilung und mein menschliches Gespür haben sich in der Auswahl neuer Mitarbeiter bisher sehr gut bewährt.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Ich stehe zu meinen Leuten und bin bereit, ihnen zu helfen. Eine Maxime von mir ist, mit den Mitarbeitern nicht über Politik zu sprechen, obwohl ich selbst einer Partei nahestehe. Wir haben heuer ein neues Arbeitzeitmodell in Form von Gleitzeit erarbeitet, das den Kollegen größere Spielräume ermöglicht und mehr Selbstverantwortung überträgt. Hier habe ich den Eindruck, daß dies viele motiviert hat. Wir arbeiten außerdem daran, über das Maß engagierte Mitarbeiter zu honorieren.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Im Laufe der Jahre habe ich meiner Familie viel abverlangt. Meine Frau ist selbst berufstätig und sozial engagiert und hat mich immer unterstützt. Darüber hinaus ist die Großfamilie tatkräftig hinter uns gestanden. Diese Stabilität macht es mir möglich, voll in meinem Beruf aufzugehen. Meine Zwillinge machen mich recht stolz, und sie stehen bereits erfolgreich in Studium und Beruf.Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung? Fachliches Grundwissen, Aus- und Weiterbildung ist für mich oberstes Prinzip, auch für meine Mitarbeiter. Ich selbst habe eben einen Universitätslehrgang für kommunales Management belegt. Neben dem Studium von Fachlektüre schiele ich aber noch nach der Donauuniversität, wo sich vielleicht das eine oder andere Interessante ergeben könnte.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Eine profunde Ausbildung ist in jedem Fall die Basis. Durchhaltevermögen und die Einsicht, daß man mit 20 Jahren nicht schon alles haben kann, sind die nächsten Punkte, um sich den Start ins Leben nicht allzu schwer zu gestalten. Sich selbst etwas zu erarbeiten, ohne andere einzuschränken, auch indem man innerlich bei sich bleibt und soziale Kompetenz erwirbt, kann einen zufrieden machen. Mir selbst gibt der Glaube den nötigen Halt. Aus Erfahrung kann ich sagen, daß die Dinge - auch das Geld - zu einem zurückkommen, wenn man sich nicht darin verbeißt.