Zum Erfolg von Maria Baumgartlinger
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet, Ziele zu erreichen, wobei man niemals angekommen ist, sondern sich ständig neue Ziele ergeben. Ich stecke mir diese recht hoch und nehme gerne zwei Stufen auf einmal. Mit zunehmendem Alter muß für mich die Sache etwas schneller gehen, das verlangt aber auch mehr Einsatz. Das Gefühl ist jedenfalls ein wunderschönes und gibt einem Zufriedenheit.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Der Zeit entsprechend und mit viel Ehrgeiz führe ich den Betrieb im Sinne meines Vaters weiter. Ich hatte den Ehrgeiz, aus dem Dorfwirtshaus ein schönes Stadtgasthaus zu machen. Der Aufbau war langsam und mühsam. Heute werde ich bereits von meinem Sohn unterstützt, und somit kann ich in Ruhe meiner Ausbildung in Sachen Weine nachgehen.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Ein Leitspruch von mir lautet unter anderem: egal, was passiert, es gibt für alles eine Lösung. Man muß sich mit dem Problem auseinandersetzen und mit Fachleuten darüber reden, dann kann man es auch bewältigen.Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein? Den Start habe ich als sehr schwierig empfunden. Inzwischen habe ich aber eine fundierte Ausbildung und kann bestens argumentieren.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Das hat einige Zeit gedauert und dieser Punkt ist erst vor etwa zehn Jahren eingetreten. Aus heutiger Sicht kann ich aber sagen, daß es nicht so schlecht war, daß alles langsam ging. Heute betrachte ich die Dinge aufgrund meiner Erfahrung mit etwas mehr Abstand und Gelassenheit.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Wir haben uns bewußt einmal der Jury der Topwirte gestellt, um nicht betriebsblind zu werden. Das positive Echo war enorm, und wir erhielten damit die Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein.Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein? Ich habe nie jemand anderen kopiert, sondern immer nach Ideen gesucht. Vor über 20 Jahren habe ich bereits Veranstaltungen abgehalten. Ich habe den Weinherbst erfunden und kreativ gestaltet, aber auch einen Kirtag veranstaltet, wo die ganze Straße einbezogen wurde. Früher haben wir auch den Kerzerlabend arrangiert - heute heißt das Candlelight-Dinner. An besonderen Sonntagen richten wir einen Brunch aus, der gut bei den Gästen mittleren Alters ankommt.Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Mein Vater hat meinen beruflichen Lebensweg ganz besonders geprägt.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Ich habe die Gabe, mich nach der Analyse des Tages selbst zu loben.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Eine ganz wesentliche. Ich hatte immer gutes Personal und habe bereits an die 18 Lehrlinge ausgebildet. Ich selbst arbeite überall mit, denn ich möchte keine Chefin sein, die nur Befehle erteilt.Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Ich halte Ausschau nach Fachkräften aus dem Inland. Für das Erstgespräch nehme ich mir viel Zeit, um mir ein umfassendes Bild machen zu können.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Indem ich ihnen die eigene Freude und Kreativität vorlebe. Ich bin für gute Ideen und Anregungen empfänglich und belohne meine Mitarbeiter mit einem gemeinsamen Ausflug und natürlich durch Lob.Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Mein hoher Einsatz, das persönliche Gespräch und die kleinen Extras, die ich den Gästen zukommen lasse. Wir werden ob unserer guten Küche und dem freundlichen Service geschätzt - beides ist speziell auf den Gast zugeschnitten.Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Mitbewerb belebt und spornt an, noch besser zu werden. So sind die Sonntagsöffnungszeit und die Veränderung der Speise- und Weinkarte entstanden.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
In letzter Zeit habe ich recht wenig Privatleben. Ich liebe meinen Beruf sehr, daher macht es mir nichts aus, privat zurückzustecken.Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung? Ich habe mich immer weitergebildet und das Lernen noch immer nicht aufgegeben, denn ich bin selten mit dem Erreichtem zufrieden. Für 2006 ist die Erlangung der Berufsbezeichnung Weinakademiker vorgesehen. Monatliche Treffen mit Gleichgesinnten finden regelmäßig statt. Im Hinblick auf Weiterbildung habe ich noch einiges vor. Eventuell möchte ich in der Pension den Titel Master of Wine erlangen.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Man darf nie aufzuhören zu lernen.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Natürlich wünsche ich mir, daß mein Sohn hier Fuß faßt.
Ihr Lebensmotto?
Freude und Spaß am Beruf.