Zum Erfolg von Thomas Grömer
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, hundertprozentig das zu tun, womit ich mich identifiziere.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich habe viele meiner Ziele, die ich mir fest vornahm, auch erreicht. Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Meine vielseitigen Sprachkenntnisse sind ein großes Plus, auch bewege ich mich gerne in einem internationalen Umfeld. Firmenintern kommunizieren wir auf Japanisch. Ich widme mich mit Freude und hoher Identifikation dem Produkt Tee, das sich in einem hohen Ausmaß konsumieren läßt, und dessen Konsum eine gute Wirkung erzielt. Ich habe mehrere Jahre in Japan gelebt, mich stark an dieses Land angenähert und bin mit der japanischen Kultur sehr vertraut. Etwas, was nicht vielen Ausländern gelingt: Ich bin im Unternehmen Aiya, einem traditionellen japanischen Familienunternehmen (das bald in die fünfte Generation übergeht), die einzige Führungskraft nichtjapanischer Herkunft, was ich als große Ehre empfinde. Ich bin nicht der klassische Verkaufsmanager, denn ich vermittle mit Hilfe meiner Begeisterung. Ich bin ein offener Mensch, und diese Offenheit kennzeichnet auch die Philosophie von Aiya. Ehrlichkeit im Hinblick auf das Produkt ist eine wichtige Erfolgsvoraussetzung. In Japan arbeitet übrigens jeder Mitarbeiter in allen Bereichen eines Unternehmens mit, um das Produkt genau zu kennen.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Ich versuche über ein Problem einmal zwei Nächte zu schlafen, da man manche Probleme spontan oft aus einem zu emotionellen Blickwinkel sieht. Nach der Analyse eines Problems arbeite ich an Verbesserungen der Situation. Es ist mir im beruflichen Bereich wichtig, daß kein Betroffener einen Nachteil aus einem Problem hat. Im Sinne der japanischen Philosophie suche ich im Problemfall auch keinen Schuldigen. Zentral für eine Lösung ist die genaue Analyse der Problemstruktur. Das japanische Schlüsselwort lautet Kaizen (dieses Prinzip hat das japanische Parade-Unternehmen Toyota quasi erfunden), was bedeutet, ständig Verbesserungen an Prozessen und Abläufen vorzunehmen, auch wenn noch kein Problem aufgetaucht ist. Kaizen erfordert ein offenes Bewußtsein und die Bereitschaft zur permanenten Verbesserung, und dabei gilt es, wertfrei Vorschläge von Mitarbeitern und Außenstehenden gelten zu lassen. In strategischen Fragen binde ich die Mitarbeiter ein, ehe ich mich entscheide. Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Ich hatte in verschiedenen Lebensabschnitten mehrere Vorbilder. Zum einen zählten Professoren dazu, zum anderen war ich von Personen beeindruckt, die Pioniere auf ihrem Gebiet waren. Auch ich wollte mich mit etwas beschäftigen, was vor mir noch niemand gemacht hat. Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Ich verlange durchaus viel von meinen Mitarbeitern: eine hohe Identifikation mit dem Produkt, einen gewissen Idealismus und visionäre Kraft. Mitarbeiter müssen Unternehmensziele verstehen und sich gerne mit dem Produkt auseinandersetzen wollen. Sprachkenntnisse sind von großer Bedeutung, mindestens drei Sprachen sind von Vorteil. Ebenso erwarte ich mir ein hohes Verständnis der japanischen Kultur.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Ich versuche beide Bereiche zu trennen. Meine Frau arbeitet im selben Bereich wie ich, und wir unterhalten uns auch in der Freizeit über Berufliches. Der Informationskonsum nimmt einen hohen Stellenwert für mich ein, und da ich auch journalistisch tätig bin, bin ich darauf bedacht, jederzeit zu wissen, was in der Welt los ist. Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Ich rate jedem, das zu studieren und sich mit jenen Dingen zu beschäftigen, die ihm Spaß machen. Ich war als Student der Japanologie für andere oft ein Exot, weil Außenstehende die beruflichen Möglichkeiten nicht absehen konnten. Wenn ich mich einem Gebiet widme, mit dem ich mich hundertprozentig identifizieren kann, kommt der Erfolg aber nahezu von selbst. Das Monetäre allein ist oft nur ein oberflächlicher Aspekt des Erfolges.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Matcha hat das extrem hohe Potential, in den nächsten zehn Jahren sehr bekannt und beliebt zu werden. Wir haben vor, Matcha als Luxuslebensmittel (Matcha-Eis, Matcha-Kuchen etc.) in der unmittelbaren Zukunft in zwei Schlüsselländern zu etablieren. Die Matcha-Eisindustrie in Italien ist bereits positioniert. Langfristig sind wir daran interessiert, daß Matcha auf dem ganzen Kontinent so bekannt wie Kakao wird.