Zum Erfolg von Wolfgang Schulz
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Heute definiere ich den Begriff Erfolg als Anerkennung seitens geschätzter Fachkollegen. Auch bemerkenswerte Publikationen, die in befriedigendem Maße rezipiert und zitiert werden, sind für mich wesentliche Anzeichen des Erfolges.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Einige meiner Arbeiten würde ich als erfolgreich bezeichnen, insbesondere meine Studien zur Behandlung Alkoholkranker, die erwähnte Studie über die Wiener Symphoniker und der zweite Familienbericht, der vielfach zitiert wurde. Auch im sportlichen Bereich (Klettern) habe ich einige Erfolge errungen, wo ja nicht nur physische Kraft, sondern auch Nervenstärke eine große Rolle spielt. Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Sicherlich spielte auch der Zufall mit, doch waren vor allem persönliche Fähigkeiten ausschlaggebend. Oft stehen einem jene Personen zur Seite, denen man selber geholfen hat. Ich denke, daß ich aufgrund meiner Vielseitigkeit auch auf anderen Gebieten erfolgreich gewesen wäre. Noch Jahre nach meiner therapeutischen Aktivität gab es Patienten, die zu mir kamen und mir erklärten, daß sie ihre Abstinenz mir zu verdanken hätten.Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Ich habe kein richtiges Vorbild, aber ich habe versucht, von vielen Leuten etwas zu lernen und mir etwas abzuschauen. Natürlich gibt es wichtige Bezugspersonen. Ich stamme aus einer Beamtenfamilie, und in meiner Kindheit hatte ich Freunde aus einer Industriellenfamilie, die für mich insofern einflußreich waren, als ich beobachten konnte, wie man sich darstellen kann, wie man sich verkaufen muß, etc.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Der Ruf an eine deutsche Universität stellte für mich jedenfalls eine große Anerkennung dar, ebenso die Berufung an die Fakultät in Wien. Ich denke, ich bin durchaus auch ein Lebenskünstler, ich bin viel gereist und strebte nicht immer nur nach Erfolg und Anerkennung.Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst? Das Problem meiner Branche liegt wohl vor allem darin, daß die Soziologie keinen sehr hohen Stellenwert besitzt, obwohl allenthalben immer mehr Soziologie in allen möglichen Bereichen betrieben wird. Ein weiteres Problem ist wohl auch, daß es sehr viele verschiedene Schulen gibt (verstehende, qualitative, quantitative Schulen, etc.), wobei jede Methode ihre Berechtigung hat.Welche sind die Stärken Ihres Instituts? Das Institut ist zwar sehr heterogen, aber wir sind auch für die Durchführung komplexer Analysen von sozialen Problemen auf verschiedenen Ebenen anerkannt. Eine Kollegin ist einem Ruf an eine andere Universität nicht gefolgt, weil die Arbeitsbedingungen bei uns einfach besser sind.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Es ist nicht immer einfach, diese beiden Bereiche miteinander zu vereinbaren. Abends bleibt mir wenig Zeit, doch ich versuche, hier am Wochenende einen Ausgleich zu finden.Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung? Ich wende bestimmt 50 Prozent meiner Zeit für meine Weiterbildung auf, denn hierzu gehören ja auch jede Art von Fachlektüre und ähnliche Aktivitäten.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Es ist wesentlich, möglichst viel zu lernen, um das erworbene Wissen in möglichst vielen Kombinationen anwenden zu können. Ich erkläre meinen Studenten, daß Soziologie nichts anderes ist, als rechnen, schreiben und lesen zu können, aber diese Fähigkeiten müssen eben wirklich beherrscht und adäquat angewendet werden. Meiner Ansicht nach wird jeder Assistent in relativ kurzer Zeit auf seinem Gebiet mehr beherrschen als sein Professor, wenn er seine Tätigkeit ernst nimmt.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich möchte noch einige gesellschaftspolitisch relevante Bücher publizieren und begabten wissenschaftlichen Nachwuchs fördern.