Zum Erfolg von Martin Schmidt
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Zu Erfolg gehört für mich, meinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Erfolg bedeutet auch, abends mit dem Gefühl, etwas bewegt und geleistet zu haben, nach Hause zu gehen. Erfolg fällt einem nicht in den Schoß, man muß auch etwas dafür tun.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Bis zu einem gewissen Grad schon, wobei mein Ziel ist, die Balance zwischen Beruf und Privatleben zu verbessern. Ein Erfolgskriterium der Zukunft wird sein, mich von dem Glauben zu lösen, daß etwas nur dann gut gemacht ist, wenn ich es selbst gemacht habe. Arbeit delegieren zu können ist nötig, wenn man sein Unternehmen ausbauen möchte. Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Drei Punkte waren wesentlich: Zielorientierung, Glück und die Fähigkeit, Nein zu sagen. Anfangs nimmt man natürlich alle Aufträge an, auch solche, bei denen man vielleicht keine Nachhaltigkeit sieht. Mein ehemaliger Vorgesetzter sagte an meinem ersten Arbeitstag zu mir, Ihren Marktwert bestimmen Sie selbst, was mich in diesem Zusammenhang sehr geprägt hat.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Ein wenig mulmig fühlte ich mich bei meinem ersten großen Auftrag, ohne Kanzlei im Hintergrund, doch das Gefühl, es dann geschafft zu haben, war sehr schön.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Die Entscheidung, mich selbständig zu machen und mein Know-how für mich selbst zu nutzen, war wesentlich. Ich bestelle lieber den eigenen Acker als einen fremden. Ich bin stolz darauf, alles, was ich erreicht habe, aus eigener Kraft geschafft zu haben. Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Einen Mentor hatte ich nicht, obwohl mich meine Kindheit doch sehr geprägt hat. Ich wuchs mit vier Geschwistern am elterlichen Hof auf, wo natürlich unsere Mithilfe gefragt war, und so wurde ich schon früh zu Eigenständigkeit erzogen - was wohl auch meine Entscheidung für die berufliche Selbständigkeit beeinflußt hat. Mein Vater ermunterte mich auch sehr, eine fundierte Ausbildung zu absolvieren. Bei meinen Arbeitgebern konnte ich dadurch, daß ich ins kalte Wasser gestoßen wurde, maßgebliche Erfahrungen sammeln.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
99 Prozent unserer Klienten kommen über Weiterempfehlungen, auf herkömmliche Marketingmethoden sind wir nicht angewiesen. Daß uns von den Klienten großes Vertrauen entgegengebracht wird, und daß wir auch von älteren Unternehmern als Berater geschätzt werden, werte ich als Anerkennung. Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst? Die unqualitative Gesetzesflut in unserer Branche stellt ein Problem dar. Einerseits wird von den Klienten eine Allroundberatung gefordert, andererseits ist es nahezu unmöglich, jedes Gebiet abzudecken und jede Änderung mitzuverfolgen. Eine gewisse Spezialisierung wird vom Markt erzwungen. Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Man muß den Fehler vermeiden, jemanden zu suchen, der so ist wie man selbst, denn dann besteht die Gefahr, daß eine zu große Erwartungshaltung die künftige Zusammenarbeit durch zu hoch gesteckte Ziele erschwert. Zuverlässigkeit, fachliche Qualifikation, Lern- und Leistungsbereitschaft, Loyalität und Eigeninitiative sind für mich die wichtigsten Kriterien bei der Auswahl von Mitarbeitern. Bei unserer Dienstleistung hängt sehr viel von der Persönlichkeit ab. Bisher stellte unsere Klientenstruktur uns vor ein Dilemma, da wir weder hochqualifizierte Mitarbeiter, die Großaufträge abwickeln, noch weniger qualifizierte Mitarbeiter für kleine Aufträge auslasten können. Diesen Spagat müssen wir durch Eigenleistung schließen, doch wenn wir weiter wachsen, wird sich das hoffentlich ändern. Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Bei uns steht die Qualität der Arbeit im Vordergrund, auch ist unsere Streuung kein Nachteil, da wir so auch nicht von einem einzigen großen Klienten abhängig sind. Großkanzleien können die Masse der Klein- und Mittelbetriebe nicht abdecken, weil sie zu teuer und zu spezialisiert sind. Ich habe mein Know-how aber auch in einer Großkanzlei erworben, wovon ich heute noch profitiere. Wir bedienen ein bis zwei große Klienten, ebenso aber auch KMUs, wo mehr Allroundberatung gefragt ist. Mein Tätigkeitsfeld ist daher sehr vielfältig und abwechslungsreich.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Es ist eine Notwendigkeit, Beruf und Privatleben zu trennen, obwohl man als Selbständiger natürlich den Beruf immer mit ins Privatleben nimmt. Mittlerweile gelingt es mir besser, Zeit für mein Privatleben zu finden. Früher war ich fast jedes Wochenende eingespannt, doch ich versuche nun, mich nicht so vereinnahmen zu lassen. Ausgleich finde ich auch bei meinem Hobby, dem Sport. Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung? In unserer Branche ist Fortbildung äußerst wichtig, da es laufend Gesetzesänderungen und neue Anforderungen am Markt gibt. Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Ich halte es für wichtig, möglichst viel von der Welt zu sehen, Fremdsprachen zu erlernen und nach Möglichkeit auch ins Ausland zu gehen.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
In den nächsten Jahren ist der Aufbau der Kanzlei unser vorrangiges Ziel, entweder durch neue Klienten oder den Zukauf einer Kanzlei.