Zum Erfolg von Heinz Stadler
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, im Laufe des Lebens die Gelegenheit zu bekommen, das zu tun, was man gerne macht, unabhängig davon, was man verdient. Ich habe einen Beruf gewählt, der mir Freude macht, und ich konnte mich dort weiterentwickeln.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ob man erfolgreich war, weiß man erst, wenn man in die Jahre kommt und wirklich auf die eigene Entwicklung zurückblicken kann. Bereits in jungen Jahren von Erfolg zu sprechen, wäre vermessen, denn es geht um ein ganzes Arbeitsleben. Wenn man, wie ich, über 60 ist, mehr als 20 Jahre lang ein Primariat hatte und einen Spitalsverbund leitet, kann man schon mit einigem Recht sagen, daß man im wesentlichen erfolgreich ist.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Meine Lieblingsbeschäftigung, man könnte sagen, mein erstes Hobby, ist der Beruf, was ja bei den meisten Chirurgen der Fall ist, und das ist eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg. Ich wollte überdies - und das erkannte ich bereits, als ich die Ausbildung zum Chirurgen begonnen hatte - nicht immer noch einen über mir haben, zumindest in fachlicher Hinsicht. Daher verließ ich bereits in jungen Jahren die Klinik und übernahm die Leitung der chirurgischen Abteilung in Knittelfeld. Meine Managementqualitäten erwarb ich zum Teil durch jahrelange Erfahrungen, aber ich absolvierte auch etliche Seminare im Zusammenhang mit Krankenhausführung sowie allgemeine Managementseminare. Ich habe ein Gespür im Umgang mit Menschen und bin in der Lage, rasch zu erkennen, mit welchen Personen man gut zusammenarbeiten kann, sowohl in der Hierarchie nach unten, aber auch nach oben. Ich entscheide rasch und nach logischen Kriterien und liege damit meist richtig. Bis zum heutigen Tag habe ich es stets so gehalten, daß ich gute Vorschläge oder Ideen von Mitarbeitern gerne annehme. Im fachlichen Bereich eines Chirurgen ist die Fähigkeit, rasche und sichere Entscheidungen zu fällen, unerläßlich. Ich bin ein ehrgeiziger Mensch und verlasse den Schreibtisch nicht, ehe alle Aufgaben erledigt sind. Zu Niederlagen stehe ich offen und versuche, daraus zu lernen. Nur diejenigen, die nichts tun, machen keine Fehler.Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Im Zuge meiner Ausbildung stieß ich immer wieder auf Menschen, die mir Vorbilder waren. Dazu zählt besonders mein Lehrer, Professor Kraft-Kinz, ehemaliger Chef der Grazer Universitätsklinik für Chirurgie. Er war ein fachlich sehr guter Chirurg und ein menschlich verständnisvoller, aber konsequenter Chef mit großer Entschluß- und Durchsetzungskraft. Ein weiteres Vorbild war Univ.-Prof. Zalaudek. Von ihm durfte ich viel lernen, sowohl fachlich, als auch hinsichtlich seiner Eigenschaften wie Ehrgeiz und Durchsetzungskraft und aufgrund seiner wissenschaftlichen Arbeit.Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Bei ärztlichen Mitarbeitern ist natürlich die fachliche Qualifikation ein ganz wesentliches Kriterium. Ein Arzt muß aber auch gute Führungsqualitäten besitzen und teamfähig sein. Ein schlagkräftiges Team einer Abteilung im Krankenhaus kann sich erst im Laufe vieler Jahre entwickeln.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Basis für den Erfolg ist eine gute Ausbildung. Man soll sich die Frage stellen, wo die Fähigkeiten und Talente liegen, aber auch, wo man überhaupt weiterkommen kann. Hat man eine Wahl getroffen, muß man mit Zielstrebigkeit und Hartnäckigkeit sein Ziel verfolgen, wobei allerdings Flexibilität und Mobilität erforderlich sind. Die jungen Leute von heute haben schwierigere Startbedingungen als ich sie damals hatte. Gerade deshalb ist es umso wichtiger, sich nach seinen Fähigkeiten und Talenten zu richten, um das erforderliche Durchhaltevermögen aufbringen zu können.
Ihr Lebensmotto?
Leben und leben lassen.